Die Euro-Schuldenkrise verunsichert die Sparer. Die Zinsen sind niedrig, die Risiken hoch. Dazu kommt die Angst vor Inflation, befeuert durch die EZB-Entscheidung. Was Anleger jetzt wissen müssen. Von Daniel Bakir
Eigentlich könnten die Deutschen doch ganz entspannt sein. Während in weiten Teilen Europas die Schuldenkrise tobt, geht es uns prächtig: Die Wirtschaft läuft gut, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Doch viele Bürger beschleicht die Ahnung, dass das nicht so bleiben muss. Die Euro-Krise ist eine unsichtbare Bedrohung, von der man nicht so genau weiß, was sie uns noch für Unheil bringen wird. Gehen doch noch Staaten Pleite? Müssen wir Deutschen irgendwann zahlen für die Verpflichtungen, die wir eingegangen sind, um den Euro zu retten? Führt die expansive Geldpolitik der Notenbank nicht zwangsläufig zu Inflation?
Erst am Donnerstag beschloss die Europäische Zentralbank (EZB) ein neues Programm zum Ankauf von Staatsanleihen klammer Euroländer. Gegen den Willen von Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der diesen Schritt als Staatsfinanzierung mithilfe der Notenpresse wertet. Nach Berechnungen der SPD haftet Deutschland schon jetzt – über die EZB, Rettungsschirme und Griechenland-Hilfe – mit rund einer Billion Euro für die Krisenländer.
"Die Verbraucher sind verunsichert", sagt Martha Chlebowski von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Anlageexpertin trifft in ihren Beratungsgesprächen auf Menschen, die Angst um ihr Geld haben, eine massive Euro-Entwertung fürchten oder sogar eine Währungsreform. Von ähnlichen Sorgen berichtet auch Jutta von Bargen, Leiterin des Vermögensmanagements der Hamburger Volksbank. "Unsicherheit mögen die Menschen überhaupt nicht. Wenn die Leute wissen, dass die Welt untergeht, ist das gefühlt besser als wenn sie nicht wissen, ob es so kommt", beschreibt sie das Dilemma.
Weil die Deutschen nicht wissen, wie sie ihr Geld anlegen sollen, kaufen sie was das Portemonnaie hergibt. Der Konsum ist seit Monaten auf hohem Niveau, die Sparneigung dagegen ist gering. Wo aber soll man auch hin mit seinem Geld? Denn zu der allgemeinen Unsicherheit kommt, dass die Zinsen seit geraumer Zeit auf einem extrem niedrigen Niveau verharren. Der Leitzins der EZB liegt gerade einmal bei 0,75 Prozent. "Es geht darum, einen Teil so anzulegen, dass er sicher und liquide ist. Und einen Teil so zu streuen, dass die Risiken verteilt sind", sagt Jutta von Bargen. Daher empfiehlt sie grundsätzlich ihren Kunden, ihr Geld nicht nur auf der Bank zu horten, sondern auch über eine Investition in Anlagen wie Aktien, Unternehmensanleihen und anderen Währungen nachzudenken.
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