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Kosten für S-Bahn-Tunnel explodieren

4. Januar 2013, 12:00 Uhr

Deutschland hat eine weiteres Problembauprojekt: Eine neue S-Bahn-Strecke in München soll 400 Millionen Euro mehr verschlingen als geplant. Medien berichten zudem von Sicherheitsmängeln.

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Ein Zug der Linie S8 fährt am Münchner Ostbahnhof aus einem Tunnel: Die neue Linie soll nach einem internen Papier der Deutschen Bahn erst mit zwei Jahren Verspätung fertig gestellt werden.©

Der geplante zweite Münchner S-Bahn-Tunnel wird nach Medieninformationen 400 Millionen Euro mehr kosten als bekannt. In einer Übersicht für den Bahn-Aufsichtsrat werde eine Gesamtsumme von 2,433 Milliarden Euro genannt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Bei ihrer Einigung vor gut zwei Wochen hatten Bahn und Freistaat die Baukosten auf 2,047 Milliarden Euro beziffert. In dem internen Papier vom Dezember begründet die Bahn laut SZ die Mehrkosten mit einer "Terminverschiebung um zwei Jahre" und mit "höheren Planungskosten".

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) nannte das Vorgehen der Bahn nicht hinnehmbar und forderte Bahnchef Rüdiger Grube auf, umgehend Transparenz zu schaffen. Ein Bahn-Sprecher nahm zu dem internen Papier am Freitag keine Stellung.

"Für mich ist es nicht vorstellbar, dass sich die Kosten in gut zwei Wochen zwischen dem Spitzengespräch und dem DB-Aufsichtsrat am 12. Dezember 2012 deutlich erhöht haben", kritisierte Zeil.

Massive Kritik vom Wirtschaftsminister

Zeil sagte, dass die vermeintlichen Kostensteigerungen bei näherer Betrachtung für ihn überwiegend gar nicht bestünden. Zum einen hätten Bahn und Freistaat bestimmte Risiken schon immer in der Finanzplanung dargestellt. Und die übrigen Mehrkosten seien offenbar ganz überwiegend auf eine jährliche Verteuerung um zwei Prozent und einen verzögerten Termin für die Inbetriebnahme zurückzuführen.

Die Grünen und die Freien Wähler sehen ihre Bedenken bestätigt. Der groß gefeierte Durchbruch von Ende November entpuppe sich jetzt als "riesige Seifenblase kurz vorm Platzen", sagte der erkehrsexperte der Landtags-Grünen, Thomas Mütze. "Dass uns hier ein München 21 droht, bei dem am Ende der Freistaat an explodierenden Mehrkosten hängen bleibt, ist absehbar", sagte er.

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger betonte: "Es ist ratsam, in Alternativplanungen einzusteigen, sonst stehen wir am Ende mit leeren Händen da wie beim Transrapid." Auch die Magnetschwebebahn zum Münchner Flughafen sei "an Kostensteigerungen gestorben".

Elbphilharmonie, Berliner Flughafen, Stuttgart 21

Das Münchner Verkehrsvorhaben reiht sich ein in die unrühmlichen Kostenexplosionen auf deutschen Großbaustellen. Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass sich das Milliarden-Bahnprojekt Stuttgart 21 massiv verteuert - vor allem durch die Verlegung des Hauptbahnhofs unter die Erde. Der neue Flughafen Berlin-Brandenburg wird deutschlandweit schon "Problemflughafen" genannt– nicht nur weil sich die Fertigstellung verzögert, sondern vor allem wegen einer Kostensteigerung von 2 auf 4,3 Milliarden Euro. Dagegen nimmt sich das Desaster um die Hamburger Elbphilharmonie fast schon bescheiden aus - auch wenn sich die ursprünglich veranschlagten 77 Millionen um mehr als das Achtfache auf 575 Millionen Euro erhöht haben.

Sicherheitsbedenken und Planungsfehler

Im Fall der Münchner S-Bahn-Linie scheint die Teuerung nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) soll die dortigen Planungen als mangelhaft kritisieren und Sicherheitsprobleme monieren. Es werde Probleme bei der Verknüpfung der neuen S-Bahn-Trasse mit den bestehenden U-Bahn-Linien geben, schreibt der "Münchner Merkur". Vor allem im Hauptbahnhof seien die Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb - etwa bei Notfällen - nicht gegeben.

Das bayerische Verkehrsministerium reagierte überrascht auf die neuen Zahlen. Eine Sprecherin sagte der Zeitung, das Ministerium habe keine Anhaltspunkte für weitere Kostensteigerungen.

lin/DPA

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