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Alles muss raus in 51 Praktiker-Märkten

Der insolvente Baumarkt-Konzern Praktiker schließt ein Sechstel seiner Filialen. Die restlichen Waren der 51 betroffenen Märkte sollen voraussichtlich ab der kommenden Woche losgeschlagen werden.

  "Herzlich willkommen" - diese Begrüßung gilt bei vielen Praktiker-Märkten künftig nicht mehr. Diejenigen, die tiefrote Zahlen schreiben, werden geschlossen.

"Herzlich willkommen" - diese Begrüßung gilt bei vielen Praktiker-Märkten künftig nicht mehr. Diejenigen, die tiefrote Zahlen schreiben, werden geschlossen.

Bei Praktiker beginnt die Filetierung: Der Verwalter der insolventen Baumarktkette sieht für insgesamt 51 Verlustbringer keine Überlebenschance und will diese Märkte möglichst rasch schließen und abstoßen. Die quer über das Bundesgebiet verstreut liegenden Häuser mit insgesamt rund 2500 Beschäftigten schrieben seit längerem tiefrote Zahlen und belasteten damit die übrigen Filialen erheblich, begründete Rechtsanwalt Christopher Seagon den überraschenden Schritt am Freitag in Hamburg. "Diese Märkte haben unter dem Dach von Praktiker und Max Bahr keine Perspektive", sagte er.

Die Gewerkschaft reagierte entsetzt und forderte, die betroffenen Mitarbeiter an anderer Stelle im Konzern zu beschäftigen. Sollte das nicht möglich sein, müsse eine Auffanglösung her, um den Menschen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz zu helfen. "Es ist verheerend, dass die Beschäftigten jetzt allein Management-Fehler der Vergangenheit ausbaden und wegen kurzfristiger Interessen potenzieller Investoren um ihre berufliche Existenz fürchten müssen", kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Die Betroffenen an den 51 Standorten, darunter drei Bau+Hobby-Häuser, sollen dabei mithelfen, ihre eigenen Arbeitsplätze überflüssig zu machen. Sie sollen in der nächsten Woche in den Märkten damit beginnen, die Waren mit Rabatten loszuschlagen, damit die leeren Gebäude potenziellen Investoren aus anderen Branchen angeboten werden können. Der Abverkauf solle spätestens Ende Oktober abgeschlossen sein, teilte der Insolvenzverwalter mit. Es sei nicht zu erwarten, dass Investoren, die Praktiker und Max Bahr als Ganzes oder in Teilen übernehmen wollten, diese Standorte als Baumärkte fortführen wollten, erläuterte Seagon.

Waren an die übrigen Märkte werden weiter geliefert

Gleichzeitig treibt der Insolvenzverwalter den Verkauf von Praktiker voran. Verschiedene strategische und Finanzinvestoren haben bereits Interesse an einer Übernahme der Gruppe im Ganzen oder in Teilen bekundet. Mit konkreten Angeboten rechnet Seagon Anfang September. Der Verwalter hatte sich bereits vor wenigen Tagen mit Lieferanten, Banken und Kreditversicherern über die Finanzierung der Warenlieferungen an die Märkte geeinigt. Damit kann der Betrieb in den verbleibenden 120 Praktiker- und elf Bau+Hobby-Häusern weitergehen. Bisher betreibt Praktiker 168 Märkte, hinzu kommen 14 Bau+Hobby-Häuser. Dagegen laufen die Verhandlungen über einen Massekredit für die Max-Bahr-Läden noch. Die Tochter hatte zwei Wochen nach dem Zusammenbruch von Praktiker ebenfalls wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet, entsprechend später dürften die Gespräche mit den Banken abgeschlossen werden. Neben den 78 angestammten Max-Bahr-Märkten waren 54 ehemalige Praktiker-Häuser im Zuge der Sanierung in "Max Bahr" umgeflaggt worden.

anb/Reuters/Reuters

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