Fitschen sieht für Rücktritt "keinen Grund"

14. Dezember 2012, 10:02 Uhr

Vier Mitarbeiter sitzen nach der Razzia bei der Deutschen Bank in U-Haft. Jetzt meldet sich Co-Chef Fitschen zu Wort: Er sei erschüttert über die Vorwürfe gegen ihn - spricht jedoch auch von Fehlern.

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Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug bei der Deutschen Bank richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen.©

Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen hat die Vorwürfe gegen ihn im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen das Institut wegen des Verdachts auf Steuerbetrug zurückgewiesen. "Die Vorwürfe haben mich erschüttert. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie sich als unbegründet erweisen werden", sagte er der "Bild"-Zeitung. Er sei in seinem Berufsleben stets den Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns treu geblieben. "Insofern fühle ich mich ungerecht behandelt und werde mich auch dagegen wehren." Für einen Rücktritt sehe er keinen Grund. Vielmehr würden jetzt die Ärmel "noch weiter" hochgekrempelt, um den Wandel bei der Bank zügig voranzutreiben. Die Aufklärung der Vorwürfe werde die Deutsche Bank mit allen Kräften unterstützen.

"Meines Erachtens war das Vorgehen der Staatsanwaltschaft überzogen", sagte Fitschen dem "Handelsblatt". Er wundere sich, dass es überhaupt "zu einem solchen Verfahren kommen konnte".

Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause gehören zu den 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre um Steuerbetrug mit CO2-Verschmutzungsrechten unter anderem wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wird. Rund 500 Polizisten und Steuerfahnder hatten am Mittwoch die Frankfurter Zentrale der Bank durchsucht.

Mitarbeiter sollen Unterlagen vernichtet haben

Laut Bericht der "Süddeutschen Zeitung" werfen die Ermittler den Mitarbeitern vor allem vor, sie hätten Unterlagen vernichtet, die für die Aufklärung der Vorwürfe nötig gewesen wären. Den Ermittlern seien E-Mails zu den mutmaßlich kriminellen Geschäften vorenthalten worden; das sei einer der zentralen Vorwürfe in den Haftbefehlen gegen die fünf Festgenommenen. Bei ihnen handelt es sich laut "Süddeutscher" um einen führenden Mitarbeiter aus dem Rechtsbereich, einen aus der Rechtsabteilung und einen aus der Sparte IT sowie einen Geldwäscheexperten.

Die Deutsche Bank hatte nach ersten Durchsuchungen wegen mutmaßlichen Steuerbetrugs mit CO2-Zertifikaten im April 2010 zugesagt, vollständig zu kooperieren und alle für die Aufklärung erforderlichen Unterlagen zu übergeben. Die "Süddeutsche" zitierte aus der Bank und ihrem Umfeld, bei den nun monierten fehlenden E-Mails handele es sich um "ein Tausendstel" des gesamten Schriftverkehrs zu den Handelsgeschäften. Niemand habe manipuliert - in den riesigen Datenmengen sei es zu unbeabsichtigten Lücken gekommen. Die Vorwürfe seien absurd.

"In einigen Fällen das rechte Maß verloren gegangen"

Grundsätzlich räumte Fitschen im "Handelsblatt" Fehler seines Hauses ein. "In dem Bestreben, als deutsche Bank auch international erfolgreich zu sein, hat mein Institut sich auch auf neue Märkte und Produkte konzentriert. Dabei ist in einigen Fällen das rechte Maß verloren gegangen." Es gebe aber den festen Willen, Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren. Fitschen führt seit Juni zusammen mit dem gebürtigen Inder Anshu Jain die Deutsche Bank.

Den versprochenen Kulturwandel bei der Bank könne er trotz der Ermittlungen glaubhaft vermitteln, sagte Fitschen. "Gemeinsam mit meinem Ko-Vorsitzenden Anshu Jain haben wir bereits entschlossene Maßnahmen ergriffen, die Kultur in der Bank positiv zu verändern." Das gelte etwa für die Einrichtung des unabhängigen Gremiums zur Überprüfung des Gehaltsstrukturen. "Weitere Schritte werden folgen. Ich bleibe dabei: Nicht jedes Geschäft, das erlaubt ist, ist auch moralisch in Ordnung."

Vier Deutsche-Bank-Mitarbeiter bleiben in U-Haft

Nach der Steuerrazzia bleiben vier Mitarbeiter des Konzerns vorerst in Untersuchungshaft. Der fünfte Verhaftete werde aus gesundheitlichen Gründen verschont und dürfe unter Auflagen nach Hause, erklärte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, Günter Wittig, am Donnerstag. Der Mann habe per ärztlichem Attest seine Haftunfähigkeit nachgewiesen. Die fünf Mitarbeiter waren am Mittwoch verhaftet worden und hatten die Nacht im Gefängnis verbracht.

kmi/lin/Reuters/DPA/AFP
 
 
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