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Naketanos seltsame Pulli-Namen: Ist das jetzt witzig - oder sexistisch?

Die Pullover aus dem Hause Naketano mit den breiten Kordeln sind die Uniform der Großstadt-Hipster: teuer, aufwendig hergestellt - und auch noch vegan. Die Namen der Modelle stehen dazu in krassem Kontrast - dafür kassiert die Firma nun reichlich Ärger.

Naketano

Die Hoodies von Naketano sind beliebt - doch für die Namensgebung muss das Unternehmen derzeit viel Kritik einstecken. 

Den Anfang machte die "taz". Ende Dezember erschien ein Artikel über die sexistischen Namen der Pullis und Shirts des Hipster-Labels Naketano mit dem treffenden Titel: "Peeeeeeniiiiiiis!" Seither streiten sich Fans der Modemarke und Sexismus-Kritiker: Ist das jetzt witzig - oder einfach nur verachtend? Klar ist, Naketano drückt bei der Namensgebung ordentlich auf die Tube: "Italienischer Hengst", "Muschiflüsterer", "Dreisisch Euro swansisch Minut", "Blow some balls", natürlich stilecht in der Farbe "Dirty Oma Melange".

Ja, das klingt alles sehr nach peinlichem Teenie-Sprech. Nach hochrotem Kopf und dicken Pickeln im Gesicht auf dem Schulhof. Und ganz laut "Peeeeeeeeeennis" brüllen. Aber Pullover, die gut und gerne 80 Euro kosten, sind nicht unbedingt das, was sich pubertierende Ghetto-Kids im Vorbeigehen kaufen. Also: Was soll das alles?

Marketing mit Sexismus

Firmen, die wenig Geld für Werbung haben, müssen halt "so auf die Kacke hauen", sagt Mark Leiblein, Chef einer Namensfindungsagentur, der "Süddeutschen Zeitung". Provokation als Marketinginstrument. Funktioniert laut Leiblein immer. Den Beweis dafür findet man derzeit auf dem Facebook-Profil der Firma. Denn bislang war es dort sehr ruhig. So rund einmal im Jahre postet die Firma dort ein nettes Bildchen von Mädchen in Pullis.

Jetzt geht es da rund: Frauen (aber auch Männer) poltern Naketano die Kommentarspalten voll. "Meine Kohle seht ihr nie wieder. Frauen sind keine Menschen dritter Klasse", schreibt dort eine Userin. Ein anderer User schreibt: "Seid ihr stolz drauf so einen menschenverachtenden Dreck zu verbreiten? Rape culture zu unterstützen? Einfach nur abartig widerlich!!!"

Naketano und die künstlerische Freiheit

Naketano selbst sagt dazu wenig. Auf der Homepage gibt es im FAQ-Bereich tatsächlich den Punkt "Feedback zu unserem Artikelnamen". "Es soll sich durch unsere Produktnamen niemand vor den Kopf gestoßen fühlen. Die Produktnamen sind Ausdruck unserer künstlerischen Freiheit." Die künstlerische Freiheit zu bemühen, ist natürlich etwas simpel.

Aber nachfragen scheint bei Naketano auch nicht zu funktionieren. Sie reden nicht mit der Presse. Gar nicht. Obwohl die beiden Gründer vor vielen Jahren einem Regionalblatt in Essen, dem Stammsitz von Naketano, ein Interview gaben. Dort hieß es, dass sich Anspruch und Konzept der Marke auf ein Wort vereinen ließe: Lieblingsteil. Warum das dann "Versehentlich reingesteckt", "Fotzy Bär" oder "Glitzermuschi" heißen muss, verstehen wohl nicht einmal ein pickeliger Pubertierender. 

kg
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