Mehdorn und der Traum vom Fliegen

8. März 2013, 16:35 Uhr

Chef der Bahn war er schon, eine Fluglinie hat er ebenfalls geleitet, nun also soll Hartmut Mehdorn Deutschlands peinlichste Baustelle voranbringen. Der Traumjob könnte indes zum Albtraum werden.

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Hartmut Mehdorn, BER-Chef, Berlin-Brandenburg, Bahn, Flughafen

Sieht seiner neuen Aufgabe als BER-Chef recht angriffslustig entgegen: Hartmut Mehdorn©

Die Antwort war Gelächter: Als Anfang des Jahres ein neuer Chef für den Krisen-Flughafen der Hauptstadt gesucht wurde, fragte die Hauptstadt-Presse beim Verkehrsministerium nach, ob Hartmut Mehdorn nicht ein Kandidat wäre: "Den Witz muss ich erst mal sackenlassen", sagte Sprecher Sebastian Rudolph, nachdem schon die Frage Heiterkeit im Saal der Bundespressekonferenz ausgelöst hatte. Zwei Monate später adelte Peter Ramsauer den Ex-Bahnchef nun als Patrioten, der die schwierige Aufgabe übernehme.

Es ist nicht das erste überraschende Comeback des 70-jährigen Berliners: Fast zehn Jahre stand er an der Spitze der Deutsche Bahn, bis er in der Affäre um die Überwachung von Mitarbeitern im Konzern gehen musste. Damals schon hatte er das Rentenalter von 65 Jahren überschritten und sagte dennoch: Für den Ruhestand fühle er sich zu jung.

Fliegerei faszinierte schon den jungen Hartmut

Als er dann zum Chef bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin berufen wurde, schien er End- und Höhepunkt sowie seine späte Bestimmung erreicht zu haben: Mehdorn schwärmte schon als Kind von der Fliegerei. "Ich wollte Pilot werden, ich war früh vom Fliegen fasziniert", sagte Mehdorn einmal. Als Kind sei er in seiner Heimatstadt Berlin oft zum Flughafen Tegel geradelt, um Starts und Landungen zu beobachten. Das will er nun auch spätestens ab 2016 von seinem Bürofenster am neuen Flughafen BER.

Pilot werden konnte er im eingemauerten Berlin damals nicht, die ersten 30 Jahre seines Berufsleben arbeitete er so als Ingenieur in der Luftfahrtbranche, bei der Deutschen Aerospace (Dasa), Messerschmitt-Bölkow-Blohm oder Airbus . Dort setzte er sich häufig in den Flugsimulator und übte Starts und Landungen, aber flog nach eigenen Worten auch mal selbst, wenn ein Testpilot neben ihm saß. Später wechselte er als Chef zum Maschinenbauer Heidelberger Druck und brachte den Weltmarktführer an die Börse, was er dann auch mit der Bahn versuchte und scheiterte.

Klagte gegen neuen Arbeitgeber

Bei Air Berlin hatte Mehdorn dann nur eine Übergangsaufgabe, er blieb 15 Monate: Die Sanierung der angeschlagenen Firma ist noch lange nicht geschafft, seine Zeit dort war alles andere als ein Schönwetterflug. Er wetterte gegen die neue Ticketsteuer der Regierung und verklagte sogar die Flughafengesellschaft auf Schadenersatz, da sich der Start des neuen Flughafens immer wieder verzögerte und die Hauptstadt ein Drehkreuz für Air Berlin werden sollte. Da schimmerte der alte Mehdorn aus seiner Zeit als Bahnchef wieder durch: Ein Manager, der keinen Streit scheut, vor allem nicht mit der Politik. Autoritäten dort flößen ihm kaum Respekt ein: Selbst Bundesminister ging er als Lenker eines Staatskonzerns frontal an und bezeichnete sie schon mal öffentlich als solche, "die nicht viel auf die Reihe kriegen". Er hat wenige Worte der Entschuldigung verloren und viele Feinde gefunden.

Er hat noch einen Koffer in Berlin

Mit Berlins Regierungschef Klaus Wowereit lag er lange im Dauerclinch. Mal ging es um die Länge des Daches des Hauptstadtbahnhofes, dann wollte der Bahnchef der Stadt sogar ganz den Rücken kehren. Wowereit ließ damals wissen, er könne ruhig seine Koffer packen, die Mitarbeiter blieben aber hier.

Auch Mehdorns Koffer blieb letztlich in Berlin: Denn selbst wenn er Streits auf die Spitze treibt, kann er im letzten Augenblick erstaunlich flexibel sein. "Wir waren immer bereit, zusammen ein Bierchen zu trinken", sagt Mehdorn heute über Wowereit, der im Aufsichtsrat sitzt und ohne den seine neue Karriere nicht möglich gewesen wäre. Immerhin gibt er ihm noch mit, er sei damals auch schon mal "schön populistisch" gewesen. Wowereit wiederum weiß von Mehdorn: "Er hat Ecken und Kanten, die werden wir auch nicht mehr abschleifen."

Markus Wacket/Reuters
 
 
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