Handynutzer zahlen die Zeche für die Megafusion

23. Juli 2013, 16:21 Uhr

Handytelefonierer und Smartphonesurfer müssen bangen: Der neue Marktführer O2 hat nach dem Milliardendeal nur ein Ziel - die Preise hochhalten. Nur die Kartellwächter können die Entwicklung aufhalten. Von Lutz Meier

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Auch für die Kanzlerin wird's teuer. Wenn O2-Mutter Telefonica ihre Pläne nach der Übernahme von E-Plus durchsetzen kann, dann werden die Handypreise in Deutschland steigen. Schließlich will der Marktführer in spe 5,5 Milliarden Euro zusätzlich mit der Fusion verdienen.©

Der Megadeal wurde standesgemäß bejubelt. Die Aktien machten einen großen Sprung, Börsenanalysten sprachen davon, dass die Aussichten für die Telekom-Branche sich bessern, dass diese endlich aus der Klemme finden könnte. Nachdem am Dienstag die Mutterhäuser von O2 und E-Plus die fünf Milliarden Euro schwere Zusammenlegung der beiden Mobilfunker meldeten, kletterten nicht nur die Papiere der beiden Beteiligten zunächst an der Börse steil nach oben, sondern - was ungewöhnlich ist - auch die der großen Konkurrenz, der Deutschen Telekom. Dabei wird die durch das Riesengeschäft erst einmal entthront, und O2-Mutter Telefonica wird stattdessen der neue Marktführer in Deutschland.

Die Verantwortlichen werfen mit optimistischen Businessprech nur so um sich: "Skaleneffekte!", "Synergien!", "Wachstum!" und schließlich noch "Kundenerlebnis!" überschlug sich Telefonica-Vorstandsmitglied Eva Castillo vor Glück.

"Wenn ich Kunde wäre, würde ich jetzt nervös werden"

Ob aber ausgerechnet das Kundenerlebnis steigt, wenn die Pläne umgesetzt werden, ist fraglich. Denn hinter den knalligen Worten verbirgt sich das Ziel, die Preise hoch und die lästige neue Konkurrenz auf Abstand zu halten. "Der deutsche Markt wird vom Markt mit dem zweitmeisten Wettbewerb zu dem Markt mit dem wenigsten Wettbewerb" unter den entscheidenden Ländern in Europa, notieren nüchtern die Experten der Großbank Citigroup. Weniger Wettbewerb, das bedeutet aller Regeln der Marktwirtschaft nach: höhere Preise. "Wenn ich Mobilfunkkunde in Deutschland wäre, würde ich jetzt etwas nervös werden, angesichts dessen, was da passiert", sagt Stuart Gordon zu stern.de, der von London aus die europäische Telekommunikationsbranche für die Berenberg-Bank beobachtet. "Die ganze Logik von dem, was sich da tut, ist es, die Preise hochzuhalten oder sogar noch zu steigern". Die Telefonica-Leute sagen offiziell, sie wollten über Verbundeffekte bis zu 5,5 Milliarden Euro aus dem Deal erwirtschaften. Nach allen Usancen der Betriebswirtschaft haben sie dabei auch mit Vorteilen an der Preisfront kalkuliert.

Eines der teuersten Länder in Europa

Bisher stehen die deutschen Anbieter hier unter Druck. Immer lästiger werden die Dumpingangebote von Mobilfunkdiscountern, die Handyverträge verkaufen, ohne über ein eigenes Netz zu verfügen wie 1 und 1, Drillisch (simply, smartmobile) oder diverse Supermarktketten. Immer mehr Smartphone-Eigner nutzen Kostenlosdienste wie Whatsapp und bedrohen so bequeme Umsätze der Mobilfunker. Und an die haben diese sich gewöhnt: Denn die bisher vier Netzbetreiber (Deutsche Telekom, Vodafone, O2 und E-Plus) haben bislang gut verdient und dafür gesorgt, dass der deutsche Markt trotz aller Konkurrenz einer der teureren in Europa bleibt. Während der Durchschnittspreis für ein Paket aus Telefongesprächen, SMS und Internet in Europa bei 30 Euro liege, könnten die deutschen Anbieter dafür 35 Euro kassieren, rechnet Marktexperte Stuart Gordon vor. Bisher seien die Deutschen den Großanbietern Telekom und Vodafone trotz aller Verlockungen durch die Discounter erstaunlich treu geblieben und bereit, diesen deutlich mehr Geld zu geben. Das aber beginne sich zu ändern. Auch deshalb sahen sich die Großfirmen jetzt zum Handeln gezwungen.

Wenn die Fusion umgesetzt wird, dürfte es auch für die Discounter weniger Raum für Billigangebote geben. Schließlich wollen die künftig vereinigten O2 und E-Plus statt zweien nur noch ein Mobilfunknetz betreiben, damit gibt es auch weniger Netz, in das sich die netzlosen Anbieter einmieten können. Schließlich fühlten sich die beiden durch einen weiteren Umstand zur Aktion gedrängt: Die Bundesnetzagentur will demnächst einen Großteil der Frequenzen für das Netz neu versteigern. Je weniger Anbieter um die begehrten Übertragungsmöglichkeiten konkurrieren, desto billiger wird es. Kosten senken, Einnahmen steigern, das ist wie bei allen Fusionen der Sinn des Megadeals.

Die Aufseher können den Deal noch verhindern

Allerdings ist noch nicht gesagt, ob Telefonica freie Bahn für seine Pläne bekommt. Mehrere Behörden können den Deal noch stoppen oder Auflagen verhängen - und die sind eigentlich verpflichtet, das Interesse der Verbraucher im Sinn haben. Zuerst wird die EU-Kommission untersuchen, ob der Wettbewerb zu sehr versiegt, womöglich auch das Kartellamt, wenn Brüssel den Fall weiterreicht. Gleichzeitig wird sich die Netzagentur über die Negativfolgen für Konkurrenten und Verbraucher beugen. "Es wäre erstaunlich, wenn die Aufseher nicht zumindest versuchen würden, die Kunden vor steigenden Preisen zu schützen", sagt Gordon. Telefonica-Finanzchefin Rachel Empey selbst spricht von einem langen und komplizierten Prozess der Fusion. Die Kunden müssen also noch einige Zeit bangen.

 
 
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