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Entlassungen hier, Millionengewinne da: Die extremen Folgen des Billig-Öls

Ist der niedrige Ölpreis Fluch oder Segen? Während manche Firmen Arbeitsplätze streichen oder sogar vor der Pleite stehen, sparen andere Millionen ein und verzeichnen dicke Gewinne. Ein Überblick über Gewinner und Verlierer.

Tankstelle von Shell

Der Preisverfall beim Öl verdirbt Shell und anderen Energieunternehmen das Geschäft

Öl gilt als das Schmiermittel der Weltwirtschaft. Wird es zu teuer, läuft die Wirtschaft nicht mehr rund, weil die Firmen zu viel für Energie zahlen müssen. Aber auch ein so extrem niedriger Ölpreis wie derzeit führt zu Verwerfungen. Denn während sich Autofahrer und Heizölkunden über den niedrigen Ölpreis uneingeschränkt freuen, hat er für die Unternehmen höchst unterschiedliche Auswirkungen. Die Linie verläuft grob gesagt zwischen denen, die Energie verbrauchen und denen, die sie verkaufen.

So warnte vor wenigen Tagen der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, Laurence Fink, vor einer Pleiteserie im Energiesektor. Bis zu 400 Energiekonzerne könnten den derzeitigen Niedrigpreis nicht überleben, sagte Fink. Die Preise seien schlicht nicht hoch genug, um die finanziellen Verpflichtungen zu bedienen. Konkrete Kandidaten nannte der mächtige Manager nicht, aber in der bis vor kurzem noch boomenden Fracking-Branche ist schon jetzt Land unter.

Auch die Big Player der Branche müssen den Gürtel enger schnallen. Bei Shell war der Gewinn im vierten Quartal 2015 nur noch rund halb so hoch wie ein Jahr zuvor, zudem streichen die Shell-Manager im Zuge der Übernahme des Gasförderer BG etwa 10.000 Stellen in beiden Unternehmen. BP baut ebenfalls rund 4000 Arbeitsplätze ab, allein 800 Jobs in Deutschland sind gefährdet. Und US-Konkurrent Chevron schrieb im vierten Quartal 2015 erstmals seit 13 Jahren rote Zahlen und entlässt ebenfalls Tausende. Auch der BASF-Tochter Wintershall, die Öl und Gas fördert, bricht der Gewinn weg und Siemens ist als Zulieferer für die Öl- und Gasindustrie ebenfalls betroffen, schreibt die " Wirtschaftswoche".

Niedriger Ölpreis als Gewinnbringer

Auf der anderen Seite stehen die Gewinner, denen die niedrigen Energiepreise einen schönen Extra-Schub geben. Da ist zum Beispiel die Autoindustrie, die sich berechtigte Hoffnungen macht, dass die Käufer sich derzeit leichter für einen teuren Spritfresser entscheiden. Denn auch wenn Elektroautos als die Zukunft gelten, so sind SUVs die Gegenwart und erfreuen sich aktuell bei Autokäufern hoher Beliebtheit.

Besonders stark profitieren auch Transport- und Logistik-Firmen. So kann etwa die DHL derzeit ihre Pakete deutlich günstiger durch die Gegend karren als sonst. Aber nicht nur auf der Straße, auch zu Wasser und in der Luft gibt es Profiteure: Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd sparte laut "Wirtschaftswoche" allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres durch den niedrigen Ölpreis 600 Millionen Euro ein. Und Billigflieger Ryanair hat den Gewinn im abgelaufenen Quartal dank niedriger Kerosinpreise mehr als verdoppelt.

180 Millionen Dollar in zwei Monaten

In der Chemiebranche gibt es ebenfalls Gewinner: Laut "Wirtschaftswoche" profitieren vor allem die Produzenten von Klebstoffen, Pflanzenschutzmitteln, Autoreifen oder Kunststoffartikeln. Die Firmen benötigen große Mengen an Mineralöl für die Herstellung ihrer Produkte und haben nun entsprechend größere Gewinnmargen.

Und auch im Handel mit Öl selbst kann man derzeit ordentlich absahnen. Der Inter-Dealer-Broker Tullett Prebon, ein Zwischenhändler für Transaktionen großer Finanzakteure in London, meldet dank der Hektik am Ölmarkt gute Gewinne. Die Unternehmenssparte, die den Handel mit Öl abwickelt, verdiente laut "Business Insider" in nur zwei Monaten 180 Millionen US-Dollar.

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