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Lieber Jeff, wir hätten da ein paar Anmerkungen

Jetzt hat die Redaktion auf den Verkauf der "Washington Post" an Amazon-Boss Jeff Bezos reagiert. In einem bemerkenswerten Brief heißen die Journalisten ihren neuen Eigentümer willkommen.

  Der Verkauf des Traditionsblattes "Washington Post" an den Amazon-Boss Jeff Bezos ist ein weiterer Einschnitt in der seit Langem schwelende Krise der US-Tageszeitungen.

Der Verkauf des Traditionsblattes "Washington Post" an den Amazon-Boss Jeff Bezos ist ein weiterer Einschnitt in der seit Langem schwelende Krise der US-Tageszeitungen.

Es sieht aus wie ein Menetekel: Ausgerechnet Amazon-Boss Jeff Bezos, einer der Big Player der Online-Branche, kauft das US-Traditionsblatt "Washington Post". Auch am Tag nach dem 250-Millionen-Dollar-Deal hallt das Beben auf dem Zeitungsmarkt nach.

In einem vielbeachteten offenen Brief an die Redaktion hatte Bezos seine Motive für den Kauf geschildert und versprochen: "Die Werte der Post werden sich nicht ändern." Um welche Werte es sich dabei handelt, daran wurde Bezos nun von der "Post"-Redaktion ebenfalls in einem offenen Brief eindrucksvoll erinnert. Autor Gene Weingarten, zweifacher Pulitzerpreis-Träger, macht darin keinen Hehl aus der Verunsicherung seiner Kollegen. "You have bought a place filled with enormously talented and dedicated journalists who are, at the moment, terrified at the prospect of change we don’t really understand", heißt es in Weingartens Brief im Namen der Redaktion. (Übersetzt in etwa: "Sie haben eine Mannschaft von enorm talentierten und engagierten Journalisten eingekauft, die gebannt auf die Aussichten eines Wandels starren, den sie nicht ganz begreifen.")

Rätselraten um Bezos' Motive

Er hoffe, schreibt Weingarten, dass Bezos die "Post" nicht als Spielzeug betrachte oder als bloßes Vehikel für seine E-Commerce-Geschäfte. Und erinnert daran, mit welcher Haltung dessen Vorgänger die "Post"-Redakteure für sich eingenommen hätten." Kick up, kiss down", von oben fordern, nach unten fördern. Allein, dass der bisherige Verleger Don Graham ihm, Bezos, das Unternehmen anvertraut habe, sei für Weingarten ausreichend, ihn zu unterstützen. "He said you are the right guy. That was enough for me." ("Er sagt, Sie seien der Richtige. Das reicht mir!")

Die Einschätzungen über Bezos' Motive für den Kauf gehen nach wie vor weit auseinander. Viele wie etwa Watergate-Enthüller und "Washington Post"-Autor Bob Woodward, glauben daran, dass Bezos das Geld, die Geduld und das Vorstellungsvermögen hat, um die taumelnde Zeitung aus der Krise zu führen. Andere, wie etwa das Magazin "Fast Company", warnen davor, Bezos selbstlose Motive zu unterstellen. Der Amazon-Boss, heißt es da, kaufe die "Washington Post" allein aus einem einzigen Grund: weil er Visionär in Sachen Vertrieb sei.

Volker Königkrämer

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