Luxemburg lockert sein Bankgeheimnis

7. April 2013, 11:01 Uhr

Luxemburg gilt wegen seines Bankgeheimnisses als EU-Steuerparadies. Doch nun reagiert das Land auf die Offshore-Enthüllungen. Künftig will es enger mit ausländischen Steuerbehörden zusammenarbeiten.

Offshore, Offshore-Leaks, Leaks, Steuern, Steueroase, Steuerhinterziehung, Banken, Bank, Luxemburg, Schweiz

Das Luxemburger Rathgaus im Glanz der Hochzeit von Thronfolger Guillaume: Das Land will sein umstrittenes Bankgeheimnis lockern.©

Luxemburg ist bereit, sein Bankgeheimnis zu lockern. "Wir wollen eine verstärkte Zusammenarbeit mit den ausländischen Steuerbehörden", sagte Finanzminister Luc Frieden der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der internationale Trend gehe zu einem automatischen Informationsaustausch. "Den lehnen wir, anders als früher, nicht mehr strikt ab", so der Minister. "Luxemburg baut nicht auf Kunden, die Steuern sparen wollen."

Das Bankgeheimnis in Luxemburg wird von vielen anderen Staaten äußerst kritisch gesehen, weil es ihnen zufolge Steuerhinterziehung begünstigt. So hat Luxemburg bislang etwa EU-Regeln zum automatischen Informationsaustausch bei der Zinsbesteuerung blockiert, um sein für Anleger vorteilhaftes Bankgeheimnis zu schützen. Damit würden auch deutsche Steuersünder in Bedrängnis geraten, die in Luxemburg ihr Geld vor dem Fiskus verstecken. Bisher schützt sie eine anonyme Quellensteuer von 35 Prozent der Zinserträge, die den Angaben zufolge zum großen Teil nach Deutschland überwiesen wird, ohne den Namen zu nennen.

Superreich dank Finanzsektor

Der Finanzsektor hat das einst von Schwerindustrie und Landwirtschaft geprägte Luxemburg wohlhabend gemacht: Die pro Kopf erbrachte Wirtschaftsleistung in dem Staat mit einer gut halben Million Einwohnern ist eine der höchsten der Welt.

Auch die Schweiz reagiert auf die Enthüllungen der so genannten Offshore-Leaks: Zwei Schweizer Banken verlangen von ihren deutschen Kunden jetzt Beweise, dass diese ihre Konten auch tatsächlich beim Fiskus gemeldet haben. Ein Sprecher der Credit Suisse bestätigte der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA), dass die Kunden informiert worden seien und ihre Konten bei Zuwiderhandlung gesperrt würden. Das Geldhaus Julius Bär teilte über einen Sprecher mit, dass es einen solchen Schritt schon im Februar nach dem Scheitern des Steuerabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz angekündigt habe.

Banken ermutigen ihre Kunden zur Offenheit

Über die Aufforderung hatten zuvor die beiden Schweizer Zeitungen "Tages-Anzeiger" und "Der Bund" berichtet. Sie betrifft nicht nur kürzlich eröffnete Konten und Geldanlagen, sondern auch jene, die schon seit Jahrzehnten bestehen. Die größte Schweizer Bank UBS ließ die SDA über einen Sprecher wissen, dass sie ihre Kunden schon seit langem dazu ermutige, "ihre finanzielle Situation falls nötig zu regeln". Ein Ultimatum für die Vorlage entsprechender Beweisdokumente sei aber nicht angedacht.

Das Thema Steuerhinterziehung sorgt dieser Tage unter dem Schlagwort "Offshore-Leaks" für weltweite Schlagzeilen und versetzt die Finanzwelt in Aufruhr. Die "Süddeutsche Zeitung", der NDR und ausländische Medien hatten erstmals über einen Datensatz berichtet, der 130.000 mutmaßliche Steuersünder aus mehr als 170 Ländern enttarnt. Sie sollen geheime Geschäfte mit Offshore-Firmen in einschlägigen Steueroasen gemacht haben. Kreditinstitute wie die Deutsche Bank sollen ihnen laut "SZ" dabei behilflich gewesen sein.

Zum Thema
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von maily: Beschäftigung von Rentner

 

  von dorfdepp: Wird es in 20 Jahren noch LKW-Fahrer, Lokführer und Piloten geben?

 

  von bh_roth: Win 8.1 Energiesparen

 

  von Gast: WARUM FÜHREN MANCHE KAPSELN ZUR VERSTOPFUNG?

 

  von Gast 98746: Chiptuning Mercedes Benz E 200 T CDI Erstzulassung 06/13

 

  von BitteFreundlich: Welcher Körperteil ist am häufigsten von Osteochondrose betroffen?

 

  von Gast 98742: Altmietvertrag aus der ehemaligen DDR

 

  von Gast: Das iPhone meiner Freundin hat ne seltsame Macke. schwarzer Bildschirm. anrufe kommen rein, man...

 

  von Amos: Muß die Frage nochmal stellen: Überweisung per Online-Banking auf ein Unterkonto bei derselben...

 

  von Gast: Stern-Sudoku-Gewinnspiel

 

  von Gast: Kann man Handelsübliches Jodsalz in ein Fußsprudelbad geben wenn die Haut verletzt ist?

 

  von Gast: zerbrochene Fensterscheibe

 

  von Amos: Wenn zum Bau eines Hauses Wasser aus einem städtischen Hydranten entnommen wird: wie wird das...

 

  von Der_Denis: Kunststoff - warum so schlechtes Image

 

  von Gast 98682: Wenn ich ein Konto in der Schweiz eröffne, wie hoch ist die Mindesteinlage?

 

  von Gast 98680: Welche Programme gibt es für Zuschüsse an gemeinnützige vereine

 

  von Gast 98676: Führerschein vergleischen

 

  von Amos: Mineralwasser aus dem Schwarzwald nennt sich Black Forrest: ist das ein Gag, ein MIßgriff oder...

 

  von Gast 98669: können adoptierte ausländische erwachsene in Bayern studieren?

 

  von Gast 98667: Reisepass abgelaufen