28. Juli 2012, 17:40 Uhr

Apple und Google rüsten zum Kampf um Kodaks Erbe

Mehr als 1000 Patente des Fotopioniers Kodak kommen ab Anfang August unter den Hammer. Ein erbitterter Wettstreit zwischen den Rivalen Apple und Google zeichnet sich ab. Beide haben Verbündete.

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Kodak war einst Foto-Vorreiter, doch die wachsende Verbreitung der Digitalfotografie führte zur Insolvenz des Unternehmens©

Apple und Google bereiten sich laut einem Zeitungsbericht auf einen Bieterwettstreit um Patente des insolventen Fotopioniers Kodak vor. Google führe eine Koalition des Android-Lagers mit Samsung, HTC und LG Electronics an, berichtete das "Wall Street Journal". Apple habe sich mit Microsoft zusammengetan, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Kodak schätzte den Wert des Pakets zuvor auf 2,6 Milliarden Dollar. Die Versteigerung der Patente ist für den 8. August angesetzt.

Damit würden die Fronten in dem erbittert geführten Patentkrieg der Mobilfunk-Branche sich auch durch die Kodak-Auktion ziehen. Apple wirft Anbietern von Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android Patentverletzungen vor. Sie kontern mit eigenen Vorwürfen. Microsoft ist in einen Patentstreit mit dem inzwischen zu Google gehörenden Handy-Hersteller Motorola verwickelt.

Viele Technologien für digitale Bilder

Kodak hatte die klassische Fotografie entscheidend geprägt und auch viele Technologien für digitale Bilder entwickelt. Dennoch kam das Unternehmen mit dem Wechsel zur Digitalfotografie nie zurecht und musste im Januar Insolvenz anmelden. Mit dem Verkauf der Patente sollen Milliarden für einen Neuanfang erlöst werden. Das Fotografieren gehört inzwischen fest zu den Funktionen von Mobiltelefonen. Zur Insolvenz verklagte Kodak quer durch die Bank die großen Handy-Hersteller mit dem Vorwurf der Patentverletzungen.

Die 1100 Patente seien für die Auktion in zwei Gruppen aufgeteilt worden, berichtete das "Wall Street Journal". Bei den einen geht es um Aufnahme und Bearbeitung von Bildern. Bei der anderen vor allem um das Speichern und Auswerten. Er werde nicht damit gerechnet, dass schon die Anfangsgebote in Nähe von Kodaks Preisvorstellungen liegen würden. Die US-Handelskommission ITC hatte vor einer Woche eines der zentralen Patente von Kodak, bei dem es um die Anzeige von Vorschaubildern geht, als ungültig abgewiesen. Das wurde als Dämpfer für den Wert des gesamten Pakets eingeschätzt. Andererseits könnte die Rivalität der beiden Lager den Preis hochtreiben.

4,5 Milliarden Dollar für Nortel-Patente

So hatten sich Apple und Microsoft im vergangenen Jahr die Patente des insolventen Netzwerk-Ausrüsters Nortel für 4,5 Milliarden Dollar gesichert. Den Anfang in der Auktion hatte Google mit einem Startgebot von 900 Millionen Dollar gemacht.

Kodak hatte die Patente schon vor einem Jahr zum Verkauf gestellt. Allerdings schreckte die schlechte finanzielle Lage des Fotopioniers die Interessenten ab - sie befürchteten Komplikationen, falls Kodak kurz darauf pleiteginge. So blieben die dringend benötigten Einnahmen aus und Kodak schlitterte im Januar schließlich in die Insolvenz.

tkr/DPA
 
 
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