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Die verschlungenen Pfade des Fleisches

Der Fund von Pferdefleisch in Rinderbolognese zeigt, wie anfällig unser täglich Fleisch für kriminelle Manipulationen ist. Verbraucherschützer sehen den Fehler im Kontrollsystem.

Von Daniel Bakir

  Kreuz und quer durch Europa: So wurde das nicht deklarierte Pferdefleisch über den Kontinent verbreiten

Kreuz und quer durch Europa: So wurde das nicht deklarierte Pferdefleisch über den Kontinent verbreiten

  • Daniel Bakir

Für den Fleisch-Vertrieb sind Staatsgrenzen natürlich keine Hindernisse. Auf verschlungenen Wegen wird die Ware in ganz Europa verteilt. So ist es alles andere als verwunderlich, dass der Pferdefleischskandal ein internationaler Skandal ist. Nach allem, was man bisher weiß, wurden die Tiere in Rumänien geschlachtet, gelangten über niederländische und zyprische Zwischenhändler nach Frankreich und Luxemburg. Schließlich landeten sie auch in deutschen Supermärkten. Irgendwo auf dem Weg wurde aus dem Pferdefleisch plötzlich Rindfleisch. Und ganz egal, wer den Etikettenschwindel letztlich zu verantworten hat: Die ausgedehnte Europa-Tour der Pferde-Bolognese zeigt, wie unübersichtlich selbst innerhalb der EU der Weg vom Schlachter zum Verbraucher verlaufen kann.

Verbraucherschützer beklagen, dass das System es kriminellen Geschäftemachern viel zu einfach macht. "Der Binnenmarkt für Fleisch lädt dazu ein zu betrügen", sagt Andreas Winkler von Foodwatch stern.de. Während das Fleisch über Landesgrenzen hinweg verschoben werde, ende die Zuständigkeit der Kontrolleure an der Landesgrenze. In Deutschland sind es sogar die Grenzen der Bundesländer. Denn jedes Bundesland ist regional selbst dafür verantwortlich, die heimischen Betriebe zu kontrollieren. "Die Lebensmittelkontrolleure hängen zwangsläufig hinterher", sagt Winkler. Denn wenn irgendwo eine belastete Probe auftaucht, ist ein Großteil des Fleisches schon längst außer Landes.

Auch der Chef des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, Manfred Woller, fürchtet, dass man durch die Globalisierung an Grenzen stoße: "Wenn wir wie jetzt im Fall des Pferdefleisches sehen, dass Fleisch über solche langen Wege über verschiedene Länder vermarktet und gehandelt wird, muss man sich fragen, ob wir sowas brauchen", sagte er der Nachrichtenagentur DPA. Grundsätzlich hält er die Lebensmittel in Deutschland aber für sicher.

Fleischprodukte sind allerdings nach wie vor besonders anfällig. "Etwa ein Viertel der Beanstandungen von Lebensmitteln in Deutschland betreffen Fleisch", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Nach seiner Beobachtung ist insbesondere der Etikettenschwindel ein wachsendes Problem, also die mangelhafte oder falsche Auszeichnung der Produkte. Der Lebensmittelexperte drängt daher vor allem auf mehr Transparenz bei den Lieferketten. Häufig könnten die Unternehmen nur eine Stufe zurückverfolgen. Aber auch ein Einzelhändler sollte sagen können, woher sein Fleisch ursprünglich kommt, fordert Valet. Der Preis sei dabei kein Argument. "Auch billige Produkte müssen in Ordnung sein."

Die Verbraucherorganisation Foodwatch sieht den Schlüssel darin, die Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen. "Unternehmen sollten nicht nur zivilrechtlich, sondern auch strafrechtlich belangt werden können", sagt Foodwatch-Sprecher Winkler. Erst dann drohten ihnen Strafen, die auch wehtun. Wer Millionen mit Fleisch verdiene, solle auch mit Bußgeldern in Millionenhöhe belegt werden können, wenn er nicht korrektes Fleisch in Umlauf bringe.

Wer kontrolliert in Deutschland?

Die amtliche Lebensmittelüberwachung liegt in Deutschland in den Händen der Bundesländer. Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sollen sie die Betriebe "ohne Vorankündigung in einem bestimmten Turnus oder nach Hinweisen von Verbrauchern oder Dritten" kontrollieren. Betriebe, die bereits negativ aufgefallen seien, würden häufiger überprüft.

Zum schnelleren Datenaustausch auf europäischer Ebene gibt es immerhin seit 2002 ein Europäisches Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel. Hier gingen allein im vergangenen Jahr rund 6000 Meldungen ein. Auch der aktuelle Pferdefleisch-Fall wurde über das System verbreitet.

In welchem Umfang wird kontrolliert?

Die Überwachung von Lebensmitteln tierischer Herkunft ist im nationalen Rückstandskontrollplan (NRKP) und im Einfuhrüberwachungsplan (EÜP) geregelt. Der NRKP schreibt vor, dass jedes 250. geschlachtete Rind, jedes 2000. Schwein und jedes 2000. Schaf kontrolliert werden. Für Geflügel ist eine Probe je 200 Tonnen Jahresproduktion vorgeschrieben.

2011 kamen so 56.325 Proben von Tieren oder tierischen Erzeugnissen zusammen. Nur 316 Proben waren positiv. Kontrolliert wurden allerdings fast ausschließlich Proben deutscher Herkunft. Für Fleisch, das aus anderen EU-Staaten zu uns kommt, sind die Herkunftsländer selbst zuständig. Laut BVL gelten dort die gleichen Maßstäbe wie in Deutschland.

Für Fleisch, das aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland eingeführt wird, liegt die Verantwortung laut EÜP bei den Grenzkontrollstellen. Seit 2010 gilt: Zwei bis vier Prozent aller Sendungen mit Lebensmitteln tierischer Herkunft müssen untersucht werden.

Was wird kontrolliert?

Die Kontrollprogramme umfassen sowohl lebende als auch geschlachtete Tiere sowie Primärerzeugnisse wie Milch, Honig und Eier. Die Proben werden auf illegale Stoffe sowie den vorschriftsmäßigen Einsatz von Tierarzneimitteln kontrolliert. Auch die Belastung mit Umweltgiften wie Schwermetallen wird geprüft. Ziel ist der gesundheitliche Schutz der Verbraucher.

Die 119 Pferdefleischproben waren besonders häufig mit Schwermetallen belastet. Bei sechs von sieben untersuchten Pferden lag der Wert für Cadmium oder Quecksilber oberhalb der zulässigen Höchstwerte.

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