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28. November 2007, 11:14 Uhr

Novartis ködert Ärzte mit Geld

Der Pharmakonzern Novartis versucht nach Information des stern mit ungewöhnlichen Maßnahmen, seine Medikamente im Markt zu platzieren. Gewinner sind vor allem Ärzte, die eng mit dem Unternehmen zusammenarbeiten. Von Markus Grill

Zoom

Medikamentenproduktion bei Novartis© Frank Rumpenhorst, DDP

Unter anderem habe die deutsche Tochter des Schweizer Weltkonzerns allein in den ersten beiden Monaten diesen Jahres mehr als 2000 Ärzte für ein angebliches "Patienten-Screening" bezahlt. Wenn ein Arzt 20 Patienten meldete, die für den neuen Blutdrucksenker Exforge in Frage kommen, konnte er 330 Euro erhalten. Aus Emails von Novartis-Managern wird aber deutlich, dass das angebliche "Screening" vor allem den Umsatz ankurbeln sollte.

In einem anderen Fall lud Novartis im Juli mehrere Ärzte zu einer Fortbildungsveranstaltung ein, bei der der Vergnügungscharakter offensichtlich im Vordergrund stand. Obwohl dies nach dem Kodex der "Freiwilligen Selbstkontrolle Arzneimittelindustrie", den auch Novartis unterzeichnet hat, streng verboten ist, organisierte der Pharmakonzern für die Ärzte ein Rahmenprogramm mit Kahnfahrt im Spreewald, an dem selbst die Lebenspartner und Kinder der Mediziner teilnehmen konnten.

In einem weiteren Fall wurde mehr als tausend Medizinern jeweils 200 Euro Honorar dafür bezahlt, dass sie dem Pharmakonzern für ein angebliches "Experten-Interview" zur Verfügung stehen. Um sich für dieses "Interview" zu qualifizieren, musste der Arzt zuvor aber eine bestimmte Anzahl von Patienten auf ein Novartis-Präparat einstellen.

Zwischen 50 und 1000 Euro pro Patient gezahlt

Daneben zahlt Novartis für angebliche Medikamentenbeobachtungen an Ärzte zwischen 50 und 1000 Euro - pro Patient. 1000 Euro können die Ärzte bei Krebspatienten verdienen, die das teure Novartis-Präparat Glivec nehmen. Obwohl die Beobachtungen offiziell wissenschaftlicher Erkenntnis dienen sollen, werden sie intern vor allem zur Umsatzsteigerung eingesetzt, wie mehrere Emails von Novartis-Managern verraten.

Daneben verstößt Novartis offenbar gegen die Regeln für die Abgabe von Musterpackungen bei Ärzten. Offiziell dürfen pro Arzt nur zwei Packungen einer Präparats pro Jahr abgegeben werden. Novartis hat aber allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres so viele Exforge-Muster verteilt, dass rechnerisch jeder Arzt in Deutschland mit knapp drei Packungen versorgt werden konnte.

Der stern konfrontierte Novartis schriftlich mit den Recherchen. Das Unternehmen antwortete allerdings lediglich allgemein, sich an Recht und Gesetz zu halten und den Verhaltenskodex der Pharmaindustrie zu unterstützen.

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Von Markus Grill
KOMMENTARE (2 von 2)
 
UrbanKetterer (29.11.2007, 12:32 Uhr)
Novartis ködert Ärtze mit Geld
Sehr lobenswert dass der Stern sich dieser Problematik annimmt, ich habe selbt schon mitbekommen wie Ärtze Kochkurse in einem Gourme Restaurant in unserem Ort mitgemacht haben der von einer Pharmafirma bezahlt wurden. Aufklärung in deisem bereich tut Not, ähnliche Dinge laufen auch mit Phychiatern die dann Psychcopharma an Erwachsene und Kinder verabreichen mit verherenden Nebenwirkungen die gerne Verschwiegen werden. Bitte bleiben Sie dran an der Aufklärungsarbeit und ich hoffe dass Ihr Blatt keine Repressalien erleidet durch bestimmte Intressengruppen. Urban Ketterer Unternehmer St.Peter
undjetztnochder (28.11.2007, 12:22 Uhr)
Skandal
Sollte das stimmen, so wäre der Skandel perfekt und die Schuldigen müssen wegen Korruption angeklagt werden. Aber Vorsicht bei der Bewertung ist ebenfalls geboten, schon zu oft haben sich gerade beim Thema "Pharmaindustrie" oder "Ärzte" die die reißerischen Schlagzeilen mancher Medien als schlecht recherchiert herausgestellt, und das Ganze ist im Sande verlaufen. Sollte ein Anfangsverdacht gegeben sein, muss der Staatsanwalt ermitteln und die Angelegenheit rückhaltlos aufklären. Ich denke, stern online wird uns auf dem Laufenden halten.
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