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Häuptling federlos

Klaus Zumwinkel gilt als einer der wichtigsten deutschen Manager. Aus der ehemaligen Behörde Deutsche Post hat er einen Weltkonzern geschmiedet. Hat er wirklich Millionen Steuergelder hinterzogen, steht er am Abgrund. Die Karriere eines Handlungsreisenden.

Als Student war Klaus Zumwinkel wohl das, was heute auf Absolventenmessen als ein High-Potential bezeichnet wird. Studium der Betriebswirtschaftslehre, Jahresstipendiat an einer Business School in Philadelphia, kurz darauf der Doktortitel. Geboren zwei Jahre vor Kriegsende, wuchs er im Niederrheinischen auf. Der Vater ist Unternehmer. Sie waren nicht arm.

Doch der Vater stirbt früh und Zumwinkel übernimmt mit seinem Bruder die Leitung des Zumwinkel-Handelsunternehmens. Ein paar Jahre später verkaufen die beiden die Ladenkette aus zehn Kaufhäusern und 50 Discountern. Er ist erst 28. Er hat ein hohes Potential. Wer hoch fliegt, der kann tief fallen.

An die Spitze von McKinsey, an die Spitze von Quelle

Zumwinkel beginnt eine Reise. Bei der Unternehmensberatung McKinsey steigt er schnell auf und nach zehn Jahren ist er Mitglied der weltweiten Geschäftsführung. Es folgen Stationen bei Quelle, wo er ebenfalls an die Spitze aufrückt. Er rationalisiert im Versandhaus, das mit Einbußen beim Umsatz zu kämpfen hat, und entwirft Sofortprogramme. Nach zwei Jahren ist Quelle wieder in der Gewinnzone. Zumwinkels Reise geht weiter.

In den Wirren der deutschen Wiedervereinigung kommt er an die Spitze der Deutschen Bundespost Postdienst. Es sind Zeiten politischer und unternehmerischer Umbrüche. Zumwinkel dreht mit am großen Rad. Die Bundespost wird reformiert und aufgespalten in die Unternehmen Postbank, Telekom und Postdienst. In acht Jahren müssen 130.000 Mitarbeiter die gelbe Post verlassen. Die Reformen zeigen Wirkung: Die Verluste sinken und im Jahr 2000 geht die Post an die Börse. Zumwinkel, der Überflieger. Zumwinkel, der Zupacker. "Häuptling Silberlocke" nennen sie ihn in der Bonner Zentrale respektvoll.

Eine Behörde wird zum Weltkonzern

Mit zahlreichen weltweiten Akquisitionen verfolgt er sein Ziel: Die Post will er "vom Mauerblümchen eines nationalen Monopolanbieters zu einem weltweit agierenden Logistikunternehmen" entwickeln. Aus einer Behörde ist ein Weltkonzern geworden. Das Unternehmen wird laut Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung mit 35 Milliarden Euro an der Börse bewertet.

Doch er macht sich angreifbar. Nachdem der Bundestag den Mindestlohn für Briefdienstleister beschlossen hatte, macht Zumwinkel durch den Verkauf von Aktienoptionen fünf Millionen Euro Gewinn. Es war wie Gelddrucken. Später gibt er zu, dass der Zeitpunkt schlecht gewählt war.

Zumwinkel sitzt an den wichtigen Stellen

Zumwinkel hat über die Jahre ein engmaschiges Netz gesponnen, seine Fäden reichen weit in die deutschen Unternehmen hinein. Bei der Post, Telekom und Lufthansa: Er sitzt an den wichtigen Stellen, im Vorstand oder im Aufsichtsrat. Nun ist er 64 und will Schluss machen. Doch den Zeitpunkt will er selbst bestimmen.

Schon bevor die Staatsanwaltschaft an seiner Tür in Köln-Marienburg klingelte, waren die Zeiten unruhiger geworden. Im Express-Geschäft in Amerika sind fünf Milliarden Euro vernichtet worden. Und nun soll die Postbank verkauft werden. Die Investmentbank Morgan Stanley sondiert den Markt. Irgendwie ein blöder Zeitpunkt für Besuch von Ermittlern.

Axel Hildebrand
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