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Die Bank, die es gerne auf Deutsch hätte

Zwei Wochen musste ein Postbank-Kunde auf seine neue Bankkarte warten. Als sie nicht kam, kontaktierte er das Geldhaus bei Twitter - auf Englisch. Was der Bank übel aufstieß - man solle doch bitte auf Deutsch schreiben.

Postbank

Die Antwort eines Postbank-Mitarbeiters auf den Tweet eines Kunden hat bei Twitter zu heftigen Diskussionen geführt

Eigentlich war es eine ganz einfache Frage, die Joe Miller an die Bank seines Vertrauens hatte: Seit zwei Wochen bereits warte er seinen Anbaben zufolge darauf, eine neue Bankkarte und einen neuen Pin zu bekommen. Doch sein Briefkasten blieb leer. In seiner Wut entschloss er sich, die auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu kontaktieren, wo er schrieb: "Ich warte nun schon seit zwei Wochen auf eine neue Postbank-Karte und den Pin. Schon wieder. Es ist wohl Zeit, endgültig die Bank zu wechseln. Schlechtester Service überhaupt." An sich nichts Ungewöhnliches. Auf Firmenprofilen bei Facebook, Twitter und Co. lassen unzufriedene Kunden häufig Dampf ab.

Außergewöhnlich jedoch war die Antwort der Postbank. Miller hatte seine Nachricht nämlich auf Englisch formuliert. In der Antwort des Geldhauses hieß es dann - ebenfalls auf Englisch: "Danke, dass sie sich mit uns in Verbindung gesetzt haben. Bitte formulieren sie ihre Frage auf Deutsch, damit wir sie beantworten können."

Anglizismen in der Finanzwelt gang und gäbe

Eine Logik, der man nur schwer folgen kann. Besonders, da Anglizismen in der Finanzwelt heute gang und gäbe sind: Vom "Online-Banking" bis zum "Asset-Manager" haben sich die englischen Bezeichnungen auch im Deutschen längst durchgesetzt. Auch bietet die Bank eine englische Version ihrer Homepage an. Und die Antwort der Postbank klingt so, als ob der antwortende Mitarbeiter durchaus des Englischen mächtig ist.

Dass die Antwort der Bank bei vielen Twitter-Nutzern zu Verwunderung führte, liegt wohl auch daran, dass Miller, der als Chefredakteur eines E-Sports-Senders tätig ist, 148.000 Personen folgen. Ein Sprecher der Postbank bezog gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) Stellung: Der Kollege habe vollkommen richtig gehandelt. "Wir können derartige Anfragen aus juristischen Gründen nur auf Deutsch beantworten", sagte der Sprecher der "SZ". Die Antwort der Bank auf den Tweet einer weiteren Nutzerin, folgte jedoch einer anderen Logik. 

Schlussendlich hatte Miller offenbar die Nase voll und beschloss zu einer anderen Bank zu wechseln, wie er auf Twitter schrieb. Zwischenzeitlich hatte die Sparkasse noch versucht, per Tweet bei Miller zu punkten: "Wenn sie je das Gefühl haben gerne die Bank zu wechseln … wir sprechen Englisch".

amt

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