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Homosexuelle passen nicht ins Barilla-Weltbild

Pastahersteller Guido Barilla erklärt im Interview, warum er nicht mit homosexuellen Familien werben will. Jetzt schlagen dem Konzern wütende Boykottaufrufe entgegen.

Von Jens Wiesner

  Mag es in der Werbung lieber wie zu Omas Zeiten: Guido Barilla würde keine Spots mit homosexuellen Paaren schalten

Mag es in der Werbung lieber wie zu Omas Zeiten: Guido Barilla würde keine Spots mit homosexuellen Paaren schalten

Mit Nudeln kennt sich Guido Barilla aus. Seit 1877 dreht sich in seiner Familie alles um Farfalle und Maccheroni, um Penne und Spaghetti. Barilla, das steht laut Firmencredo für Beständigkeit und Tradition, für Qualität und Geschmack. Und seit Mittwoch auch für ein schrecklich rückwärtsgewandtes Familienbild.

"Ich werde keine Werbung mit homosexuellen Paaren schalten", verriet der 55-Jährige am Mittwoch dem italienischen Sender Radio 24. Sein Unternehmen wolle stattdessen "traditionelle Familien" ansprechen. Frauen seien da entscheidend. Hintergrund des Interviews war eine Debatte des italienischen Parlaments über Rollen- und Geschlechterklischees in der Werbung.

Angesprochen darauf, ob ihn ein solcher Kurs nicht Kunden koste, setzte Barilla hinzu: "Wenn Schwule unsere Pasta und unsere Werbung mögen, werden sie unsere Pasta essen. Wenn nicht, essen sie die Pasta von jemand anderem." Grundsätzlich, so erklärte der Firmenchef weiter, respektiere er aber gleichgeschlechtliche Partnerschaften: "Sie dürfen alles machen, so lange sie andere nicht stören." Ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare lehne er aber ab.

Shitstorm im Netz

Nun ist Barilla tatsächlich in aller Munde - aber sicher nicht so, wie es sich der Firmenchef vorgestellt hat. Schwulen- und Lesbenverbände rund um den Globus werfen dem Unternehmenschef Homophobie vor und rufen zum Boykott von Barilla-Produkten auf. "Wir nehmen die Einladung von Barillas Eigentümer an, seine Pasta nicht zu essen", erklärte etwa Aurelio Mancuso, Vorsitzender von Equality Italia, am Mittwoch.

Alessandro Zan von der Partei Sinistra Ecologia Libertà (Linke Ökologie Freiheit) sagte laut "Gazzetta del Sud", er würde von nun an die Produkte des Herstellers nicht mehr kaufen, und rief andere Ministerpräsidenten auf, es ihm gleichzutun. Innerhalb weniger Stunden wurde der Hashtag #boicottabarilla auf Twitter zu einem Trending Topic. Empörte Kunden posten Fotos, wie sie ihre Barilla-Produkte in den Müll oder die Toilette werfen.

Halbherzige Entschuldigung

Soviel Gegenwind kostet Geld - und kann auch einem Guido Barilla nicht mehr schmecken. Bereits am Donnerstag reagierte das Unternehmen und veröffentlichte auf der offiziellen Facebook-Firmenseite ein Statement, in dem sich Barilla für seine Wortwahl entschuldigt. Der Tenor: Es tue ihm leid, wenn man ihn missverstanden und er durch seine Aussagen Gefühle verletzt habe. Von einer Kurskorrektur in Sachen Werbung kein Wort.

Den meisten Kunden reicht das nicht aus. Der Protest im Netz und an der Supermarktkasse soll weiter gehen. Ja, mit Nudeln kennt sich Guido Barilla aus. Über gute PR muss er aber noch einiges lernen.

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