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21. November 2008, 16:31 Uhr

Größte Krise seit Kriegsende droht

Die Wirtschaft wird 2009 Experten zufolge so stark schrumpfen wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Bundesbank erwartet einen Einbruch des Bruttoinlandsproduktes um ein Prozent. Die Deutsche Bank hält ein noch schlimmeres Szenario für möglich. Voraussetzung: ein "Tsunami" der Weltwirtschaft.

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Deutschland steuert auf das sechste Rezessionsjahr seit 1949 zu© Sean Gallup/Getty Images

Die Bundesrepublik könnte 2009 die tiefste Rezession seit der Nachkriegszeit erleben. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitag in Berlin erfuhr, wird die Deutsche Bundesbank in Kürze eine neue Prognose bekanntgeben, nach der 2009 ein Einbruch des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,0 Prozent zum Vorjahr zu erwarten sei. Diese Zahl nannte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) im Haushaltsausschuss des Bundestages nach Angaben von Teilnehmern. Das wäre der größte Abschwung seit Gründung der Bundesrepublik. Bislang war das BIP 1975 als Folge der Ölkrise mit einem Minus von 0,9 Prozent am stärksten geschrumpft.

Die Deutsche Bank hält sogar eine noch dramatischere Entwicklung für möglich. Im schlimmsten Fall, der allerdings wenig wahrscheinlich sei, drohe ein Minus von fünf Prozent, sagte ihr Chefvolkswirt Norbert Walter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Voraussetzung dafür sei ein "Tsunami" der Weltwirtschaft. Bestenfalls werde Deutschland eine Stagnation erleben. Wahrscheinlicher sei ein Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Größenordnung um ein Prozent, erklärte Walter. Die Unsicherheitsfaktoren seien derzeit so hoch wie lange nicht. "Die Prognosen gehen fast stündlich herunter."

Ein Absturz auf minus 1,0 Prozent des BIP in Deutschland wäre eine noch stärkere Talfahrt als vom Internationalen Währungsfonds (IWF) prognostiziert. Dieser erwartet im kommenden Jahr einen Rückgang des BIP um 0,8 Prozent in Deutschland. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wird nach Ansicht des IWF 2009 die Gesamtheit aller Industriestaaten in eine lange Rezession rutschen. Sie werden zusammengenommen um 0,3 Prozent schrumpfen, erwartet der IWF.

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich zu den Angaben nicht äußern. Die Regierungsprognose für ein Wachstum von 0,2 Prozent im nächsten Jahr habe Bestand. Bereits die fünf Wirtschaftsweisen hatten allerdings am Donnerstagabend ihre Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr nach unten korrigiert. Für 2009 sagt der Sachverständigenrat nunmehr ein Minus von 0,2 Prozent voraus. Bisher waren die Wirtschaftsforscher von einer Stagnation ausgegangen. Für 2008 werden statt der jüngst vorhergesagten 1,7 Prozent nur noch 1,5 Prozent vorausgesagt.

Damit steuert Deutschland auf das sechste Rezessionsjahr seit 1949 zu: Nach den Wirtschaftswunderjahren ging das BIP erstmals 1967 im Vergleich zum Vorjahr zurück. 1975 und 1982 - nach den damaligen Ölkrisen - schrumpfte die Wirtschaft erneut. 1993 gab es mit einem Minus von 0,8 Prozent nach dem Ende des Einheitsbooms ein Rezessionsjahr. Zum bislang letzten Mal schrumpfte die Wirtschaft 2003 um 0,2 Prozent.

Die Bundesbank hatte am Donnerstag in Frankfurt mitgeteilt, 2009 würden die negativen Folgen der weltweiten Finanzmarktkrise und der realwirtschaftlichen Eintrübung "in ihrer ganzen Tragweite sichtbar". Eine konkrete Zahl war nicht genannt worden. Nach einer zunehmend gängigen Definition steckt Deutschland bereits derzeit in einer Rezession, da die Wirtschaftsleistung im Frühjahr und Sommer 2008 zwei Quartale hintereinander geschrumpft ist. Zwei Rückgänge in Folge hatte es zuletzt im ersten Halbjahr 2003 gegeben. Trotz Abschwungs im zweiten Halbjahr sind die Vorhersagen für das Gesamtjahr 2008 noch positiv.

DPA/Reuters
 
 
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