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Krise nähert sich Deutschland

Die Wirtschaft in den Euroländern verharrt im Abschwung. Vor allem Frankreich und Italien bereiten Sorgen. Und die deutsche Ausnahmerolle nimmt ein Ende. In Europa nisten sich neue Ängste ein.

Von Lutz Meier

  Düstere Zahlen: Euroland verharrt in der Rezession

Düstere Zahlen: Euroland verharrt in der Rezession

  • Lutz Meier

Die Rezession setzt sich in Europa fest. Und Deutschland ist immer weniger jene Insel der Seeligen in der Eurozone, als die sich das Land lange fühlen konnte. Als am Mittwochmittag die EU-Statistikbehörde link;http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/eurostat/home/;Eurostat die ersten Zahlen über den Wirtschaftsverlauf zum Jahresauftakt# veröffentlichte, war klar: Der Abschwung und die Krise lassen den Kontinent so schnell nicht los. Die Perspektiven sind besorgniserregend.

Deutschland nähert sich der Problemzone

Seit eineinhalb Jahren schrumpft die Wirtschaft der Eurozone demnach kontinuierlich, so lang war eine Rezession noch nie seit der Einführung des Euro. Mit 0,2 Prozent Minus schrumpfte die Eurozone zwar etwas langsamer als noch zu Jahresende - aber von Erholungssignalen ist sie weit entfernt. Und jsessionid=8B652C78B01A0CFE8A6382AC3CDF61B3.cae3;Deutschland, das sich bislang überraschend unbeeindruckt von der Misere abgekoppelt hatte, nähert sich der Problemzone an: Die Wirtschaft wuchs zwar im ersten Quartal noch, aber nur um 0,1 Prozent und damit weniger, als die meisten Prognostiker erwartet hatten.

Mag sein, dass der schlappe Jahresstart in Deutschland auch an dem tiefen und langen Winter liegt, wie nun manche Volkswirte mutmaßen. Die Aussichten werden den Zahlen zufolge aber auch bei wärmerem Wetter nicht automatisch besser. Denn weil die deutschen Exporte stark von der Kaufkraft in den anderen EU-Ländern abhängen, macht sich die Rezession dort mit etwas Verzögerung mehr und mehr auch hierzulande bemerkbar. "Was Exporte angeht, Deutschlands traditionellen Wachstumsmotor, ist der Ausblick dieses Jahr mehr und mehr eingetrübt", urteilt Christian Schulz, Chefvolkswirt der Berenberg Bank in London. Die Nachfrage aus der Eurozone, mit Abstand Deutschlands wichtigstem Markt, könne sich abschwächen. Sein Fazit: "Deutschland wird sich dieses Jahr auf die Inlandsnachfrage verlassen müssen." Doch dafür, dass die Kauf- und Investitionslust im Inland erwacht, gibt es bislang wenig Anreiz.

Rüge für Frankreich

In Frankreich sackte die Wirtschaft um 0,2 Prozent zusammen, damit ist nun auch die zweitwichtigste Volkswirtschaft im Euroraum endgültig in die Rezession gerutscht. Die Zahlen für Frankreich zeigten schlappe Aussichten auf ganzer Linie, folgerten die Experten. "Die Wahrheit ist, das Frankreich in den vergangenen 20 Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat", kritisierte EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso überraschend undiplomatisch. Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, meldet ein Minus um 0,5 Prozent. Dort ist die Rezession so tief wie noch nie, seit vor über 40 Jahren die Statistik begründet wurde.

Experten hoffen jetzt darauf, dass die Finanzmärkte Europa aus der Rezession ziehen. Aktienkurse und Anleihenrenditen sind zuletzt gestiegen, weil Kapitaleigner angesichts der Niedrigzinsen verzweifeln und rentable Anlageformen suchen. Jetzt ruht die vage Hoffnung der Ökonomen auf diesem positiven Trend. "Hoffentlich wird sich im zweiten Halbjahr die positive Entwicklung auf den Finanzmärkten nach und nach auf die Realwirtschaft übertragen", urteilt Clemente de Lucia von der Pariser Großbank BNP Paribas. Aber selbst wenn das Vertrauen durch die Signale vom Aktienmarkt wachsen sollte: Der Dämpfer vom Jahresbeginn sei zu stark, als dass über das Jahr noch ein Plus herauskommen könnte.

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