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Amtierender Samsung-Chef Lee wegen Korruption verhaftet

Muss sich der derzeit amtierende Samsung-Chef vor Gericht verantworten? Lee Jae-yong wurde unter Korruptionsvorwürfen verhaftet. Die Ermittlungen gegen ihn stehen im Zusammenhang mit der Affäre um die entmachtete Staatspräsidentin Park Geun-hye.

Der Vize-Vorsitzende des Samsung-Aufsichtsrates steigt nach einer Anhörung im Seouler Bezirksgericht in einen Wagen.

Der Vize-Vorsitzende des Samsung-Aufsichtsrates, Lee Jae-yong, steigt nach einer Anhörung im Seouler Bezirksgericht in einen Wagen.

Der inoffizielle Chef des Samsung-Konzerns ist wegen Präsidenten-Bestechung und anderer Vorwürfe verhaftet worden. Nach einer mündlichen Verhandlung erließ ein Bezirksgericht in der Hauptstadt Seoul auf Antrag der Ermittler einen Haftbefehl.

Es sei geboten, Lee "im Lichte eines neu hinzugekommenen Vorwurfs und neuer Beweise" in Haft zu nehmen, erklärte ein Justizsprecher. Das Gericht hatte noch im Januar einen Antrag auf Haftbefehl abgelehnt. Der Aktienkurs des Smartphone-Weltmarktführers gab am Morgen an den asiatischen Börsen um 1,5 Prozent nach.

Mögliche Auswirkungen auf Park-Korruptionsaffäre

Die suspendierte Präsidentin Südkoreas Park Geun Hye.

Die suspendierte Präsidentin Südkoreas Park Geun Hye.

Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um eine enge Vertraute der vorläufig entmachteten Staatspräsidentin Park Geun Hye. Die Verhaftung Lees ist somit nicht nur ein Schlag gegen Samsung, sondern könnte auch Einfluss auf das laufende Amtsenthebungsverfahren gegen Park vor dem Verfassungsgericht haben.

Lee droht jetzt eine Anklage wegen Korruption, Untreue und Meineids. Zusätzlich wird er beschuldigt, Gewinne aus Straftaten verborgen zu haben. Der 48-jährige wurde in ein Untersuchungsgefängnis gebracht, wie südkoreanische Sender berichteten.

35 Millionen Euro an Park-Freundin

Samsung soll hohe Summen an Unternehmen und Stiftungen der umstrittenen Park-Freundin Choi Soon Sil gezahlt und im Gegenzug politische Unterstützung für die Fusion zweier Konzerntöchter vor zwei Jahren erhalten haben. Lee war bereits am Montag zum wiederholten Mal verhört worden.

Den Ermittlern zufolge geht es um 43 Milliarden Won (35,2 Millionen Euro), die nach Freigabe durch Lee von Samsung an Chois Organisationen geflossen sein sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Präsidentin Mittäterschaft vor, was diese aber bestreitet. Auch Samsung hatte die Vorwürfe der Korruption zurückgewiesen. "Wir werden unser Bestes tun, damit die Wahrheit in künftigen Gerichtsverfahren aufgedeckt wird", hieß es einer Stellungnahme am Freitag.

Samsung größter Förderer von Choi-Stiftungen

Park selbst wird verdächtigt, direkt oder indirekt auf den staatlichen Pensionsfonds eingewirkt zu haben, damit dieser die Übernahme des Bauunternehmens Samsung C&T durch Cheil Industries im Jahr 2015 bewilligt. Kritiker sahen in der Fusion eine Stärkung der Gründerfamilie. Lee Jae Yong ist der einzige Sohn von Samsung-Chef Lee Kun Hee; seit einer Herzattacke seines Vaters im Jahr 2014 steht er de facto schon jetzt an der Spitze des Großkonzerns.

Die Samsung-Gruppe gilt als größter Förderer der beiden Stiftungen Mir und K-Sports, die von Choi kontrolliert worden sein sollen. Außerdem hatte der Konzern nach Berichten südkoreanischer Sender im August 2015 einen Vertrag über 22 Milliarden Won mit einem von Choi gegründeten Unternehmen in Deutschland unter dem Vorwand abgeschlossen, den Pferdereitsport zu fördern. Lee und seine Anwälte dementieren die Zahlungen nicht. Sie argumentieren jedoch, der Konzern habe dafür keine Gegenleistungen erwartet oder erhalten. Deshalb handele es sich auch nicht um Bestechung.

Choi wird unter anderem vorgeworfen, mit Hilfe ihrer Beziehung zu Park Sponsorengelder von zahlreichen Unternehmen eingetrieben und sich dabei persönlich bereichert zu haben. Die Tochter eines früheren Sektenführers und Förderers von Park sitzt in Untersuchungshaft.


mjh/DPA/AFP
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