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Tank&Rast wird verkauft - doch den Preis zahlen die Autofahrer

Der Schokoriegel an der Raststätte geht ins Geld - doch wird auch der Gang zur Sanifair-Toilette bald teurer?

Sanifair-Schilder an der Raststätten

An der Raststätten wird der Autofahrer dreimal zur Kasse gebeten: an der Tanksäule, im Restaurant und auf der Toilette. 

Früher war die Toilettenpause auf der Autobahn ein Graus. Heute dagegen: blaue Fliesen, dezente Musik und ein Sitz, der sich auf Knopfdruck selbst reinigt. Das ist die Welt von Sanifair. Ein Besuch kostet 70 Cent. Zurück gibt es einen mindestens drei Jahre gültigen Coupon über 50 Cent, einlösbar in den Läden neben der Autobahn. Die Sanifair-Toiletten gehören der Firma Tank & Rast. Das Bonner Unternehmen hat mit 390 Raststätten quasi ein Monopol auf Autobahn-Geschäfte aller Art. Rund 500 Millionen Besucher zählt man jährlich. 2014 erzielte der Konzern stolze 236 Millionen Euro Gewinn – auf Kosten der Kunden, wie Stefan Heimlich, Vorsitzender des Auto Club Europa (ACE), beklagt: „Der Autofahrer wird dreimal abgezapft. An der Tanksäule, im Restaurant und auf der Toilette.“

Allianz und Abu Dhabi kaufen Tank&Rast

1998 wurde der damalige Staatsbetrieb für rund 600 Millionen Euro privatisiert. 2004 zahlte eine britische Investmentgesellschaft schon 1,1 Milliarden Euro. Jetzt hat eine Gruppe rund um die Versicherung Allianz und das Emirat Abu Dhabi für 3,5 Milliarden Euro zugeschlagen. Das ist fast das Sechsfache des ursprünglichen Preises. Investiert wurde laut Unternehmen seit 1998 bloß eine knappe Milliarde. „Von der Privatisierung haben nur die Investoren profitiert – die Rendite zahlen die Autofahrer“, sagt der ACE-Mann.

Raststätten: Sanifair bald noch teurer?

Tank & Rast betreibt mit seiner Marke Serways auch Raststätten-Shops und -Restaurants, einen Teil über rund 110 Pächter. Hier lassen sich die Sanifair-Coupons einlösen. Mit einem 50-Cent-Bon kommt man allerdings nicht weit. Schon ein Snickers kostet etwa in Stillhorn-Ost 1,49 Euro. Einen halben Liter Cola gibt’s für 2,49 Euro. Zum Vergleich: Bei Edeka in Hamburg zahlt der Kunde für den Riegel 85 Cent und 89 Cent für das Getränk. Tank & Rast rechtfertigt die Preise damit, dass Raststätten 365 Tage rund um die Uhr geöffnet haben. Wenn die Investoren ihren Einsatz zurückverdienen wollen, dürfte es an den Raststätten bald noch teurer werden. Die „Wirtschaftswoche“ will erfahren haben, dass der Sanifair-Besuch bald einen Euro kosten könnte. Die Luxustoilette als Renditetreiber.

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Von:

Benjamin Fischer