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Milliardenschwerer Panzer-Deal steht vor dem Aus

Der geplante Verkauf von Leopard-Panzern an Saudi-Arabien ist politisch mehr als umstritten. Nun scheint sich der Grund für den Streit aufzulösen. Die Saudis sehen sich offenbar anderweitig um.

Werden nun wohl doch nicht durch die saudische Wüste fahren: deutsche Leopard-2-Panzer

Werden nun wohl doch nicht durch die saudische Wüste fahren: deutsche Leopard-2-Panzer

Der milliardenschwere Verkauf Hunderter Leopard-Panzer des deutschen Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann (KMW) an Saudi-Arabien ist so gut wie gescheitert. Nach Informationen des "Handelsblatts" verhandelt Saudi-Arabien inzwischen intensiv mit dem US-Konzern General Dynamics und eine Einigung über die Lieferung von Abrams-Kampfpanzern steht wohl unmittelbar bevor. Das Blatt beruft sich auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen und Branchenkreise. Ursprünglich hatte Saudi-Arabien bis zu 270 deutsche Leopard-2-Panzer kaufen wollen. Die Bundesregierung hatte die Entscheidung über das umstrittene Geschäft Branchenkreisen zufolge allerdings auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben. KMW wollte sich zu dem Bericht nicht äußern; auch die Bundesregierung hat eine Stellungnahme abgelehnt - wie meistens, wenn es um Waffengeschäfte geht.

Die Saudis hätten sich über die massive Kritik an dem geplanten Geschäft in der deutschen Öffentlichkeit geärgert, berichtete das "Handelsblatt". Zudem hätten sie offenkundig inzwischen die Geduld verloren, immerhin liege die Voranfrage für den Deal seit zwei Jahren bei der Bundesregierung auf dem Tisch. Auch erscheine es den Saudis fraglich, ob der deutsche Mittelständler überhaupt in der Lage wäre, den Großauftrag abzuwickeln. Nach der Lieferung gehe es schließlich um die Ausbildung der Besatzungen, den Aufbau von Ersatzteillagern und die Wartung der Panzer. General Dynamics verfüge bereits über die dafür nötige Infrastruktur in Saudi-Arabien, die Deutschen dagegen müssten diese erst aufbauen.

Die deutschen Oppositionsparteien lehnen die Lieferung von Kampfpanzern an Saudi-Arabien wegen der Menschenrechtsverstöße in dem Land ab. In Deutschland müsste ein Verkauf vom Bundessicherheitsrat genehmigt werden, einem geheim tagenden Gremium unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Allerdings hatte die Bundesregierung im Frühjahr bereits den Verkauf von 62 Leopard-Panzern und 24 Panzerhaubitzen durch KMW an das Emirat Katar gebilligt.

Scheitert das Geschäft mit Saudi-Arabien, dürfte dies auch Rheinmetall treffen, den zweiten großen deutschen Panzerbauer. Die im MDax notierten Papiere verloren deshalb in einem freundlichen Gesamtmarkt bis zu 2,1 Prozent auf 35,58 Euro. Händler verwiesen auf den Bericht des "Handelsblatts". Lieferant der Leopard-Panzer im Wert von mindestens fünf Milliarden Euro wäre zwar KMW gewesen. Rheinmetall ist aber in der Regel ein Zulieferer und baut Glattrohrkanonen, mit denen der Leopard ausgerüstet ist.

"Das ist eine enttäuschende Nachricht für Rheinmetall", kommentierte DZ-Bank-Analyst Markus Turnwald. "Ein möglicher Großauftrag scheint verloren zu gehen." Üblicherweise habe Rheinmetall als Zulieferer bei den Leopard-Panzern einen Arbeitsanteil von rund 30 Prozent, das Auftragsvolumen für das Unternehmen hätte nach Schätzungen der DZ Bank bei diesem Deal bei rund 1,5 Milliarden Euro gelegen. "Obwohl Rheinmetall bereits ein Rekordauftragsbuch hat, wäre dieser Auftrag richtig groß gewesen", sagte Turnwald.

dho/Reuters/DPA/DPA/Reuters

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