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Kampf der Container-Riesen

Das größte Containerschiff der Welt ist 337 Meter lang - und damit länger, als die meisten Wolkenkratzer hoch sind. Das Monster-Schiff wird allerdings seinen Rang nicht lange halten - in Koreas Werften werden schon gewaltigere Riesen geplant.

Die Reederei Mediterranean Shipping Company (MSC) in Genf hat ihr erstes Schiff mit einer Tragfähigkeit von 9200 Standardcontainern (TEU) in Betrieb genommen und hält damit vorübergehend einen Rekord. Ihr gehört nun das größte Containerschiff der Welt. 337 Meter misst die "MSC Pamela" und ist damit deutlich länger, als der höchste europäische Wolkenkratzer hoch ist. Das Monster-Schiff kann mehr als 109.000 Tonnen Fracht transportieren. Doch lange wird dieser Rekord nicht halten. Längst entstehen auf den Computern der Werften in Korea noch gewaltigere Containerriesen und schon bald werden auf den Weltmeeren Schiffe fahren, die 10.000 und mehr TEU tragen.

Schiffsraum wird knapp und teuer

Die Containerschifffahrt wird von der Globalisierung der Wirtschaft vorangetrieben und wächst in immer neue Dimensionen. Vor allem der asiatische Exportboom macht Schiffsraum knapp und teuer. "Die Auslastung der Weltflotte ist auf 95 Prozent gestiegen", berichtet Hermann J. Klein vom Germanischen Lloyd. Maschinen und Kleidung, Spielzeug und Unterhaltungselektronik, Motorräder und Haushaltsgeräte - die meisten Produkte des täglichen Bedarfs kommen komplett oder zumindest teilweise aus Japan, China oder einem anderen aufstrebenden Land der Region. "Im vergangenen Jahr wurden rund 356 Millionen Container umgeschlagen; bis 2014 wird sich diese Menge voraussichtlich verdoppeln", sagt Ingmar Loges, der bei der HypoVereinsbank das Schifffahrtsgeschäft verantwortet. Solche Prognosen werden meistens von der Realität sogar noch überholt.

Nicht nur Flotte und die Schiffe sind so groß wie noch nie, sondern auch die Häfen platzen aus allen Nähten. Die weltgrößten Containerhäfen Hongkong und Singapur schlagen im Jahr mehr als 21 Millionen TEU um und wachsen stetig weiter. Der Hamburger Hafen, mit zuletzt sieben Millionen TEU Jahresumschlag nur ein Drittel so groß wie die Mega-Ports in Fernost, legte beim Containerumschlag im ersten Halbjahr abermals um 12,4 Prozent zu und wächst seit Jahren mit zweistelligen Raten. Der größte deutsche Hafen muss enorm in Infrastruktur und neue Hafenanlagen investieren, um mit der stürmischen Entwicklung Schritt zu halten.

Hafenstädte vor Verkehrsinfarkt

Mittelfristig droht vielen Hafenstädten der Verkehrsinfarkt, weil Straßen und Schienenwege die gewaltigen Gütermengen nicht mehr aufnehmen können, die täglich an den Kais angelandet werden. Die HypoVereinsbank warnt bereits, dass die Engpässe in den Häfen das Wachstum des Welthandels bremsen könnte. Schon kommt es vor, dass Schiffe vor bedeutenden Containerhäfen wie Los Angeles tagelang auf Reede liegen und warten, das ein Liegeplatz frei wird. Das kostet Zeit und viel Geld.

An dem weltweiten Schifffahrtsboom haben deutsche Reeder einen erheblichen Anteil und nehmen global eine starke Marktstellung ein. Sie betreiben mehr als 1000 Containerschiffe, deutlich mehr als Japan (226) oder Dänemark (134), die auf den Plätzen folgen. Mit Instituten wie der der Deutschen Bank, der HSH Nordbank und der HypoVereinsbank haben auch weltweit bedeutende Schiffsfinanzierer ihren Standort in Deutschland.

Starke deutsche Rolle

Die starke deutsche Position ist nicht zuletzt ein Verdienst der Bundesregierung, die der maritimen Wirtschaft unter der Regie des küstennahen Kanzlers aus Niedersachsen besondere Pflege angedeihen ließ. In mehreren maritimen Konferenzen entwickelten die Politik und die Branche Leitlinien, formulierten Ziele und fanden Wege, die auch den Standorten und der Beschäftigung zu Gute kamen. Dazu zählt etwa die von den Reedern begrüßte Tonnagesteuer, die nach Schätzungen rund 2000 Arbeitsplätze an Land brachte und zur Verdoppelung der deutschen Handelsflotte führte.

"Vor diesem Hintergrund wird die deutsche Flotte auch in den nächsten Jahren stark wachsen", sagt Jörg Beiler von Det Norske Veritas. Die norwegische Schiffs-Prüfungsgesellschaft hat deshalb kürzlich ihre Europa-Zentrale von London nach Hamburg verlegt.

Eckart Gienke/DPA/DPA
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