2. August 2012, 15:15 Uhr

EZB eilt Euro zu Hilfe - nur wann?

Die Europäische Zentralbank ist bereit, dem Euro mit Stützungskäufen zu helfen. Dazu will sie Anleihen von Krisenstaaten kaufen. Nur wann und unter welchen Bedinungen ist nicht klar.

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Aktiv gegen die Euro-Krise: Notenbank-Chef Mario Draghi©

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht als Euro-Retter bereit. "Die hohen Risikoprämien für einige Staatsanleihen sind nicht akzeptabel", sagte Draghi in Frankfurt. Die Währungshüter wollen daher in den nächsten Wochen im Schulterschluss mit den Regierungen ein Konzept erarbeiten, wie die Europäische Zentralbank (EZB) gemeinsam mit den Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM die Lage entspannen kann.

Die Notenbank könnte sich an Hilfskäufen im Rahmen ihres Mandats beteiligen - "in einem Umfang, der ausreicht, das Ziel zu erreichen", wie Draghi ausführte. Ziel sei es, geldpolitischen Maßnahmen wieder zu Durchschlagskraft zu verhelfen, erklärte der Italiener. "In den nächsten Wochen werden wir angemessene Modalitäten für solche Maßnahmen entwickeln."

Börsen strafen Ankündigung ab

An den Börsen wurden Draghis Ankündigungen als zu wenig konkret abgestraft: Dax und Euro sackten zeitweise stark ab. Anders als enttäuschte Händler sprachen Ökonomen dagegen von einem "starken Signal" der EZB.

Spanien und Italien müssen Investoren seit Monaten extrem hohe Zinsen für Staatspapiere bieten. Das erschwert den beiden Euro-Schwergewichten den Reformkurs. Die EZB darf Bonds nur auf dem Sekundärmarkt erwerben, also etwa von Banken. Die Rettungsfonds könnten Anleihen direkt von Staaten kaufen.

Widerstand kommt aus Deutschland

Die EZB hatte im Mai 2010 gegen deutschen Widerstand ein Kaufprogramm für Staatsanleihen aufgelegt. Aktuell hat sie Staatspapiere im Wert von 211,5 Milliarden Euro in der Bilanz. Das Programm ruht seit Mitte März.

Widerstand gegen erneute EZB-Anleihenkäufe kommt nach Angaben der Notenbank vor allem aus Deutschland. "Es ist bekannt, dass Bundesbank-Präsident Jens Weidmann Vorbehalte gegen derartige Maßnahmen hat", sagte Draghi. Weidmann ist wie sein Vorgänger Axel Weber gegen Anleihekäufe durch die Notenbank, weil die EZB so aus Sicht der Bundesbank durch die Hintertür Staaten finanziert - was ihr die EU-Verträge verbieten.

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon warnte: "Die EZB ist dabei, sich immer weiter von der Stabilitätskultur der Deutschen Bundesbank zu entfernen." Auch aus der deutschen Politik kamen mahnende Stimmen. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier kritisierte in Berlin: "Der Weg in die Haftungsunion wird ungebremst fortgesetzt, und zwar ohne demokratische Kontrolle und ohne klar definierte Auflagen für die Empfängerländer."

"Der Euro ist unumstößlich"

Dagegen befürwortet der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, Anleihekäufe: "Wenn es in der Krise brennt, dann muss man löschen."

Draghi erklärte, die EZB könne politisches Handeln nicht ersetzen. Zugleich bekräftigte er die Entschlossenheit der Währungshüter zur Rettung der Gemeinschaftswährung: "Europa braucht eine starke Währung. Der Euro ist unumstößlich."

Vor der EZB-Sitzung hatte US-Präsident Barack Obama erneut an die Europäer appelliert, alles zu tun, um die Eurozone zu stabilisieren. Obama sorgt sich drei Monate vor den US-Wahlen, dass eine eskalierende Euro-Schuldenkrise die US-Wirtschaft in den Abgrund ziehen könnte.

Was bedeutet die Ankündigung der EZB? Welche Folgen haben die Ankäufe für den Euro und die Euroländer? – lesen Sie die wichtigsten Fragen und Antworten auf der nächsten Seite

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