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Was der teure Schweizer Franken für uns bedeutet

Entscheidung mit Folgen: Die Schweizer Notenbank hat völlig überraschend den Kurs des Franken freigegeben. Reisen in das Alpenland sowie Schweizer Produkte dürften für uns nun teurer werden.

Mit ihrer Entscheidung hat die Schweizer Notenbank am Donnerstag selbst Experten überrascht. Sie gab den Kurs des Schweizer Franken gegenüber dem Euro komplett frei. Der Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro, den die Nationalbank 2011 festgelegt hatte, gilt ab sofort nicht mehr.

Die Finanzmärkte reagierten umgehend: Der Franken verteuerte sich im Vergleich zum Euro sprungartig. Statt 1,20 Schweizer Franken bekam man am Donnerstagnachmittag nur noch 1,05 Schweizer Franken je Euro. Die Aktienmärkte schmierten ab, stabilisierten sich im Laufe des Tages aber wieder. Während der deutsche Leitindex Dax nur leicht verlor, stürzte die Schweizer Börse zeitweilig um 14 Prozent ab - der größte Einbruch der Geschichte.

Die Franken-Entscheidung betrifft nicht nur Börsenprofis und Währungsspekulanten. Auch ganz normale Verbraucher werden die Auswirkungen zu spüren bekommen. Ein Überblick über die Folgen.

Schweiz-Urlaub wird teurer

Wer gern zum Skifahren oder Wandern in das Alpenland fährt, muss künftig wohl noch tiefer in die Tasche greifen. Weil unsere Euros im Land der Eidgenossen weniger wert sind, werden Reisen ins Nachbarland teurer. Der Schweizer Tourismus-Verband beklagte, dass bereits in den letzten Jahren weniger Gäste aus Europa gekommen seien. Nun werde es für die Touristen noch teurer.

Schweizer Produkte werden teurer

Der Chef des Uhren-Konzerns Swatch, Nick Hayek, bezeichnete die Entscheidung der Notenbank als Tsunami. "Sowohl für die Exportindustrie wie auch für den Tourismus und schlussendlich für die ganze Schweiz." Swatch exportiert fast alle seine Produkte ins Ausland. Weil die Euros, die der Konzern dort einnimmt, nun in weniger wert sind, muss der Konzern die Preise anheben, wenn er die Gewinne konstant halten will.

Auch andere Schweizer Produkte dürften sich verteuern. Die Schweizer Maschinenbauer befürchten "katastrophale Auswirkungen" auf die überwiegend mittelständischen Unternehmen, wie der Arbeitgeberverband Swissmechanic mitteilte. Auch Pharma-Produkte exportieren die Schweizer in großem Stil.

Besonders beliebt ist hierzulande Schweizer Schokolade. Sollte der Lindt-Hase zu Ostern teurer werden, läge das aber nicht nur am Franken. Gestiegene Rohstoffpreise machen Schokolade derzeit ohnehin tendenziell teurer. Immerhin: Im Gegensatz zu Swatch produziert Lindt nicht nur im eigenen Land, sondern auch in anderen europäischen Ländern.

Franken-Kredite werden teurer

Heftig auf die Nase fallen jetzt alle, die Kredite in aufgenommen haben. In Deutschland dürfte das kaum jemand gemacht haben, aber in Osteuropa war diese Strategie wegen des günstigeren Zinssatzes beliebt: Rund 40 Prozent aller Immobilienkredite in Polen sind laut Schätzungen in Franken aufgenommen. Diese Kredite tun nun richtig weh.

Hat das Ganze auch was Gutes?

Deutsche Preise werden für die Schweizer nun noch attraktiver. Durch die Freigabe des Schweizer Franken zum Euro rechnen Einzelhändler in Baden-Württemberg besonders in Grenznähe mit wachsendem Shoppingtourismus. Einkaufen in Deutschland werde für Schweizer nun noch günstiger, sagte Olaf Kather, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Südbaden. Davon dürften die Händler in Deutschland, aber auch in anderen angrenzenden Euroländern, profitieren.

Daniel Bakir mit Agenturmaterial

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