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Rückgabefristen und Widerruf: Das müssen Sie über Online-Shopping wissen

Fast zwei Drittel der Deutschen shoppen im Netz - doch die Verbraucherrechte, die beim Internet-Einkauf gelten, kennen nur die wenigsten. Ein Überblick der Pflichten und Rechte von Online-Shoppern.

In sechs Wochen ist Weihnachten - für Händler hat nun die umsatzstärkste Zeit des Jahres angefangen. Rund 285 Euro gibt jeder Deutsche für Geschenke aus. Und das zunehmend im Netz. Laut dem Statistischen Bundesamt kaufen fast zwei Drittel regelmäßig im Internet. Glaubt man einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom, dann sind das 98 Prozent aller Onliner in Deutschland, also rund 54 Millionen Menschen. Doch das Einkaufen im Netz bringt Rechte und Pflichten mit sich, die nur die wenigsten kennen. 

Rücksendungen und das Widerrufsrecht

Das Online-Shoppen zählt zum Fernabsatz, ist also quasi die Weiterentwicklung des klassischen Versandhandels. Der Kunde hat 14 Tage Widerrufsrecht (einige wenige Shops bieten sogar ein Rückgaberecht von vier Wochen an). Und das gilt nicht nur bei beschädigter Ware, sondern bei allen Artikeln, die von gewerblichen Verkäufern angeboten werden. Aus rechtlicher Sicht reicht es, dem Kaufvertrag binnen der zweiwöchigen Frist schriftlich zu widersprechen. Eine Begründung muss der Käufer übrigens nicht nennen. Alternativ reicht es aus, wenn das Paket innerhalb der Frist pünktlich zum Verkäufer zurück geht.

Einige Artikel vom Widerrufsrecht ausgeschlossen

Aber nicht alle Artikel kann ein Kunde wieder zurückgeben. Einige Produkte sind vom Widerrufsrecht ausgeschlossen. Dazu zählen ausgepackte CDs und DVDs, sowie Karten für Konzerte oder das Theater.

Auch individualisierte Waren können nicht zurückgegeben werden, wie ein maßgeschneidertes Kleid oder speziell angefertigte Vorhänge. 

Auch bei Downloads, beispielsweise von Musik oder E-Books, kann der Händler das ausschließen, das eigentlich seit 2014 auch für digitale Angebote gilt. Händler lassen sich durch einen Klick vor dem Kauf bestätigen, dass der Artikel nicht zurückgegeben werden kann.

Ausprobieren ist kein Problem, sagt der BGH

Wer im Netz shoppt, darf Artikel wie im Laden ausprobieren. Das gilt nicht nur für Klamotten, sondern auch für sperrigere Gegenstände wie ein Wasserbett.

Ein Kunde hatte im Netz ein Wasserbett gekauft und wollte es zu Hause aufbauen, mit Wasser füllen und einige Probenächte darin schlafen. Doch das Bett war ihm zu ungemütlich und ließ es wieder abholen - doch der Händler wollte nicht den vollen Kaufpreis erstatten, da das Bett durch den Test unverkäuflich geworden sei. Das sahen die Bundesrichter anders: Der BGH gab 2010 dem Käufer recht (Aktenzeichen: VIII ZR 337/09). Kunden können also zu Hause die Artikel testen. Doch die Händler haben ein Schlupfloch eingebaut: In der Widerrufsbelehrung machen einige Händler darauf aufmerksam, dass der Käufer einen Wertersatz leisten muss, wenn der zurückgegebene Artikel nicht mehr einwandfrei ist. Ein Blick in die AGB ist daher ratsam.

Rücksendekosten zahlt Käufer

Seit Juni 2014 hat sich bei den Rücksendungen einiges getan. Bis dahin galt, dass Kunden die Rücksendekosten nicht tragen mussten, wenn der Artikel teurer als 40 Euro war. Das sorgte gerade bei Artikeln für 39,99 Euro immer wieder für Verwirrung.

Nun müssen Kunden immer die Kosten für die Rücksendung tragen. Allerdings zeigen sich vor allem die großen Shops wie Zalando, H&M, Vero Moda oder auch Amazon kulant und legen einen Retour-Aufkleber den Lieferungen bei. Bei anderen Shops sollten Kunden genau hinsehen: Sitzt der Händler beispielsweise im Ausland, kann die Rücksendung schnell sehr teuer werden. Die originale Verpackung müssen Sie übrigens nicht aufbewahren, die Rücksendung kann in einem anderen Karton retourniert werden. Innerhalb der ersten zwei Wochen lohnt es sich aber die Verpackung aufzubewahren.

Aber Achtung: Liefert ihr Versandhandel in einer großen Plastiktüte, sollten sie diese nicht für die Rücksendung verwenden - es sei denn, sie haben eine Rückversandaufkleber des Versenders. Geben Sie als Privatperson eine solche Transporttüte bei der Post als Paket auf, werden Sie rund 20 Euro Porto los, denn die Plastiksäcke gelten als Sperrgut. Besser sie stecken diesen in einen Pappkarton und sparen sich das überteuerte Porto.

Ware beim Transport kaputt gegangen

Ist der bestellte Artikel auf dem Postweg kaputt  gegangen, haftet der Verkäufer - auch wenn er ihn ohne Schäden beim Transportunternehmen abgegeben hat. Das gilt auch, wenn die Ware beim Transport verloren geht. Anders sieht es aus, wenn sie bei einem privaten Verkäufer (beispielsweise über Ebay) etwas erworben haben. In diesem Fall trägt immer der Käufer das Risiko.

Tritt ein Mängel an einem Artikel binnen von sechs Monaten aus, geht die Rechtsprechung derzeit davon aus, dass der Artikel schon beim Kauf (also ab Werk) schadhaft war. Der Käufer muss keinen Beweis dafür aufbringen, innerhalb des ersten halben Jahres liegt es am Verkäufer nachzuweisen, dass der Käufer den Schaden verursacht hat. Danach ändert sich das Vorgehen: Nach sechs Monaten müssen Kunden nachweisen, dass die Artikel von Anfang mangelhaft waren. Ohne Sachverständigen ist dies kaum möglich.

Ein Blick in die AGB kann sich lohnen

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind lang, unverständlich und kaum jemand liest sich den Text durch. Doch dort erfahren Kunden eine ganze Menge. Gerade wenn unsicher ist, ob der Händler seriös arbeitet. Erster Punkt: Der Sitz des Händlers. Liefert der Shop aus Deutschland oder einem EU-Ausland, sind Käufer geschützt, da die Rechtsvorschriften für die Kaufabwicklung auf deutschem bzw. europäischem Recht beruhen. Kurz: Sollte es zu Rechtsstreitigkeiten kommen, ist der Käufer auf der sicheren Seite. Anders sieht es aus, wenn der Händler im außereuropäischen Ausland sitzt. Käufer sollten sich vorab über das geltende Recht informieren, ob beispielsweise eine Rückgabe möglich ist oder ob Daten problemlos an Dritte weitergegeben werden dürfen.

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