CDU wettert gegen Deutsche-Bank-Chef

17. Dezember 2012, 10:19 Uhr

Jürgen Fitschens Anruf beim Land Hessen schlägt Wellen: Der CDU-Fraktionsvize Michael Meister mahnte, niemand stehe über dem Rechtsstaat. Der Deutsche-Bank-Chef hatte sich über die Razzia beschwert.

Deutsche Bank, Landesregierung, Hessen, Razzia

Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen gerät zunehmend in Bedrängnis.©

Die Beschwerde von Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen bei der hessischen Landesregierung über die Großrazzia in der vergangenen Woche brüskiert die Politik. "Niemand steht in Deutschland über dem Rechtsstaat", sagte Unionsfraktionsvizechef Michael Meister dem "Handelsblatt". "Herr Fitschen macht den Eindruck, dass er das nicht verstanden hat." Der Manager solle auch in seiner künftigen Funktion als Präsident des Bankenverbandes BdB schnell klarstellen, dass er Recht und Gesetz achte. Fitschen übernimmt den Posten im Frühjahr.

Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause gehören zu den 25 Mitarbeitern der Deutschen Bank, gegen die in der Affäre um Steuerbetrug im Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten ermittelt wird. Am vergangenen Mittwoch hatten rund 500 Polizisten und Steuerfahnder die Frankfurter Zentrale der Bank durchsucht. Dem "Spiegel" zufolge beschwerte sich Fitschen in einem Anruf beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier über den Einsatz. Es habe eine verheerende Wirkung auf das Außenbild der Bank, wenn Bilder und Berichte von bewaffneten Polizisten in dem Geldhaus um die Welt gingen. Die Deutsche Bank bestätigte den Anruf, wollte sich zum Inhalt des Gesprächs aber nicht äußern.

Vor kriminellen Machenschaften gewarnt

Im Zuge der Ermittlungen sind Fitschen und Krause einem Medienbericht zufolge nur knapp einer Razzia in ihren Privathäuser entgangen. Die Ermittler waren laut "Bild"-Zeitung entschlossen, die Privathäuser mit einem massiven Polizeiaufgebot zu durchsuchen. Die Aktion sei den Top-Managern nur erspart geblieben, weil sie in letzter Minute volle Zusammenarbeit zugesichert hätten.

Das Geldinstitut ist nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" frühzeitig von der britischen Steuerbehörde HMRC vor kriminellen Machenschaften beim Handel mit Verschmutzungsrechten gewarnt worden. Die Bank habe es aber versäumt, intern durchzugreifen und derartige Geschäfte in den eigenen Reihen zu unterbinden, berichtete das Blatt unter Berufung auf Akten der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Bereits im Herbst 2009 habe die HMRC führende Vertreter der Deutschen Bank in London darauf hingewiesen, dass große Teile des Emissionshandels "mit Betrugskriminalität behaftet seien". Die Bank wickelt zahlreiche Geschäfte über ihre Niederlassung in London ab.

Deutschlands größtes Geldhaus kämpft derzeit gleich an mehreren Fronten: Dazu zählt auch die Verstrickung in den Skandal um Zinsmanipulationen, die zu einer hohen Strafzahlung führen könnte.

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