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Frank Asbeck, der entzauberte Sonnenkönig

Die Aktionäre ziehen beim Rettungsplan für Solarworld mit. Doch die Enttäuschung ist groß. Schließlich müssen sie auf fast alle Anteile verzichten. Vorstandschef Asbeck ist kein Heilsbringer mehr.

  Frank Asbeck ist Gründer von Solarworld und der Chef des Unternehmens

Frank Asbeck ist Gründer von Solarworld und der Chef des Unternehmens

Bei der außerordentlichen Hauptversammlung ging es dieses Mal um nichts weniger als die Existenz von Solarworld. Deshalb war auch vieles anders als sonst bei den Aktionärstreffen des einstigen Bonner Vorzeigekonzerns. Früher konnten sich die Anteilseigner über ihre Kursgewinne und Dividenden bei einem Börsenstar freuen und Vorstandschef Frank Asbeck als "Sonnenkönig" feiern. Nun ist Asbeck entzaubert. Und die Aktionäre müssen für das Überleben des Unternehmens ihre Anteile fast komplett in den Wind schreiben.

Im Alten Bundestag in Bonn besiegelten die Aktionäre am Mittwochabend ihr von Asbeck eingefädeltes Finanzdesaster. Mit der Zustimmung zum Rettungsplan billigten sie zugleich ihre "Fast-Enteignung", wie es Aktionärsschützer formulierten. Aber nur so wurde nach dem Niedergang etlicher deutscher Solarfirmen eine Insolvenz auch für den einst so stolzen Branchenprimus vorerst abgewendet. Mit mehr als 900 Millionen Euro Schulden und anhaltenden Verlusten im operativen Geschäft steht Solarworld am Abgrund.

Wo sind die Schnittchen?

Wo in vergangenen Jahren stets ein reichhaltiges Buffet aufgebaut war, gibt es auf dieser Hauptversammlung jetzt nur Salzbrezeln auf Kräuterquark. Ein älterer Mann mit Bart und in Anorak sagt: "Das ist ja gar nichts!" Er greift dennoch immer wieder zu - als wolle er sich noch bedienen, bevor alle Lichter ausgehen. Die karge Verpflegung steht wie ein Symbol für den Zustand von Solarworld.

Für den Rettungsplan sollen die Aktionäre satte 95 Prozent ihrer Anteilswerte abschreiben. Dabei haben sie in den vergangenen Jahren bereits Kursverluste von mehr als 90 Prozent hinnehmen müssen - wenn sie bei der Talfahrt des Papiers zu einem Pennystock dabeigeblieben sind.

Asbeck nimmt auf einer Bühne im alten Plenarsaal in der Mitte der Solarworld-Führungsmannschaft Platz. Hinter ihm hängt der riesige Bundesadler, der an diesem Tag auch als Pleitegeier gesehen werden könnte, wie ein Teilnehmer meinte. Von einer Eingangsrede nimmt Asbeck überraschend Abstand. Vielleicht ist er sich der Stimmung nicht sicher. Doch es bleibt ruhig, keine Pfiffe, keine Buhrufe, die Faust bleibt in der Tasche.

Multimillionär und Schlosseigentümer

Erst nach zwei Stunden und nach trockenen Ausführungen von Finanzvorstand Philipp Koecke antwortet Asbeck auf Fragen der Aktionäre. Er macht ihnen (wieder einmal) Hoffnung. Er investiere schließlich auch selbst wieder neu. "Wir glauben, dass wir wettbewerbsfähig sind." Auch wenn die Arbeitskosten deutlich höher lägen als bei der Billig-Konkurrenz in China, werde Solarworld weiter in Europa produzieren. "Die Chinesen kochen auch nur mit Wasser."

Später kommen schärfere Attacken. Kritik, er habe auch Management-Fehler gemacht und sich nicht rechtzeitig auf Überkapazitäten eingestellt, überspielt Asbeck. Auch bei Vorwürfen, er sei ein "Großkotz" und habe sich auch noch bereichert, als es schon Verluste gab, bleibt der zweifache Schlosseigentümer und Multimillionär sachlich.

Die Aktionäre schwanken zwischen noch nicht verdauter Enttäuschung und banger Hoffnung auf bessere Zeiten. Asbeck kann nicht mehr seine jahrelange Rolle als Visionär und Galionsfigur eines "solaren Zeitalters" spielen. Die Geldgeber sind skeptisch geworden. Der Vorhang für dieses Solarboom-Stück ist erst einmal gefallen.

Für die Aktionäre bedeute der Kapitalschnitt, dass sie "quasi enteignet" werden, sagt Prof. Roland Klose von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Außerdem würden sie bei der geplanten Kapitalheraufsetzung ausgeschlossen. "Sie sind auf dem Weg nach unten dabei, aber nicht auf dem Weg nach oben." Dennoch sei die Zustimmung zum Rettungspaket "alternativlos", da sonst Totalverlust gedroht hätte. "Für die Aktionäre hieß es: Vogel friss oder stirb."

Verbittert und auch empört über Asbeck äußern sich einzelne Aktionäre am Rande der Versammlung. "Wie kann man in der Lage mit den hohen Schulden und eine drohende Pleite denn selbst noch ein Schloss für fünf Millionen Euro kaufen?", fragt eine ältere Dame, die ihren Namen nicht nennen wollte. "Als wir die Aktien kauften, dachten wir, das ist die Zukunft, wir haben ja selbst eine Photovoltaikanlage auf dem Dach."

Auch der 68-jährige Hans Wetzel aus Düsseldorf ist ernüchtert, ärgert sich, dass er nicht früher verkauft hat - als der Kurs noch weit höher lag. Er war schon früh dabei, setzte nach der Internet-Blase auf Solarworld, verpasste dann einen günstigen Ausstieg. "Man vertraute doch auf die Zukunftsbranche und erst recht auf das Aushängeschild Solarworld.

anb/DPA/DPA

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