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Sparkassenchefin verteidigt Gebühren fürs Geldabheben

Die neue westfälische Sparkassenchefin rechtfertigt in einem Interview Gebühren fürs Geldabheben am Automaten. Auch Minuszinsen für Sparkassenkunden will sie nicht ausschließen.

Sparkassenpräsidentin Liane Buchholz

Liane Buchholz ist seit April Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, dem 65 der bundesweit 400 Sparkassen angehören

Es sind keine leichten Zeiten für die Sparkassen. Wegen der aktuellen Nullzins-Phase erheben immer mehr Institute Gebühren für Dienstleistungen, die früher kostenlos waren. Für Aufregung sorgte zuletzt die Nachricht, dass viele Sparkassen ihre Kunden mittlerweile am Geldautomat zur Kasse bitten. 40 von rund 400 Sparkassen erheben bereits Gebühren fürs am eigenen Automaten - je nach Kontomodell ab der ersten, fünften oder sechsten Abhebung im Monat.

Liane Buchholz, die neue Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, dem 65 Sparkassen angehören, hat im Interview mit dem "Handelsblatt" zum Gebührenärger Stellung genommen. Sie hält die Gebühren fürs Geldabheben am Automaten für gerechtfertigt. "Leistung kostet Geld", sagt Buchholz. Viele Sparkassen hätten mittlerweile Kontomodelle, bei denen Kunden für einzelne Buchungsposten zahlen müssen. "Es gibt unterschiedliche Kontomodelle, bei einigen zählen auch Barabhebungen zu diesen Buchungsposten."

bestreitet, dass die Gebührenmodelle immer komplizierter und intransparenter werden. Im Gegenteil: Sie sieht in den vielen Extra-Gebühren sogar "mehr Transparenz" für den Kunden. "Manche Kunden wünschen sich auch genau das, damit sie nur das bezahlen, was sie auch nutzen." Den Vorwurf der Scheintransparenz will sie nicht gelten lassen. "Die Kunden von heute informieren sich über die verschiedenen Kontomodelle, was online sehr leicht möglich ist, und überprüfen auch ihr eigenes Verhalten, um die für sie beste Variante zu wählen."

"Zeiten kostenloser Konten sind vorbei"

Sparkassenkunden müssen künftig wohl noch genauer hinschauen, für welche Leistungen sie Gebühren zahlen müssen. "Die Zeiten kostenloser Konten sind bei vielen Instituten schon vorbei, bei anderen muss man sehen, ob sie das Geschäftsmodell so aufrechterhalten", sagt Buchholz. "In Zeiten hoher Zinsen konnten Kreditinstitute Konten - und damit auch die gesamte, dahinterliegende Infrastruktur wie Filialen, Geldautomaten, digitale Angebote und Sicherheit, durch andere Geschäfte – gegenfinanzieren. Das geht heute nicht mehr."

Ob die Sparkassen bald sogar verlangen, um die Strafgebühren der Europäischen Zentralbank an ihre Kunden weiterzureichen?  "Ausschließen kann ich das nicht", sagt Buchholz. "Aber ich gehe davon aus, dass die Sparkassen Negativzinsen für private Kunden so lange wie irgend möglich vermeiden. Je näher ein Kreditinstitut am Kunden dran ist - und das sind die Sparkassen -, desto größer ist Hemmschwelle, einen solchen Negativzins zu verlangen." 

bak

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