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Wie Spielhallen Süchtige abkassieren - und das jetzt ändern wollen

Spielhallen machen mit Süchtigen viel Geld. Trotzdem wollen sie sie mit einem neuen System jetzt besser aussperren. Spieler und Datenschützer zweifeln an dem Vorhaben - auch wenn es ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Spielhallen verdienen viel Geld mit Spielsüchtigen

Spielhallen verdienen viel Geld mit Spielsüchtigen

ist eine unauffällige Sucht. Im diffusen Dunkel der Zockerhöhlen bleibt der Spieler leicht anonym. An seinem Automaten sitzt er allein. In seinem Gesicht spiegeln sich flackernde Lichter, das des Nebenmanns sieht er kaum. Manch einer setzt hier - unbemerkt und einsam - buchstäblich seine Existenz aufs Spiel.

Dagegen wollen Spielhallen-Betreiber jetzt besser vorgehen und Spielsüchtige mit einem neuen System auf deren eigenen Wunsch aussperren. Ihr Branchenverband, die Deutsche Automatenwirtschaft, will, dass alle biometrische Einlasskontrollen einführen.
Rein kommt nur, wer in eine Kamera blickt und grünes Licht bekommt.
"Wir wollen unser Geld nicht mit kranken Menschen verdienen", versichert Vorstand Georg Stecker. Doch Datenschützer und Spieler sind nicht begeistert.

Bis zu 10 Millionen Spieler

Mehr als 13.000 Konzessionen für Spielhallen sind in Deutschland vergeben, laut Verband liegen die Hochburgen im , in Bayern und in Berlin. Rund fünf Millionen Erwachsene spielen regelmäßig, weitere fünf Millionen ab und zu.

Die Technik, die der Glücksspiel-Großunternehmer Gauselmann zu ihrem Schutz entwickelt hat, ist simpel. Am Eingang zur Spielhalle steht eine Schranke mit Kamera. Die Gesichter der Gäste werden gescannt.
Erkennt das Programm einen Süchtigen, der sich freiwillig hat sperren lassen, bleibt die Schranke zu. Rotes Licht. Auch das ungefähre Alter wird erkannt - mit einer Toleranz von nur drei Jahren. Wer zu jung aussieht, muss seinen Ausweis zeigen.


"Wir wollen, dass nur Zugang zur Spielhalle bekommt, wer nicht gesperrt und älter als 18 Jahre ist", sagt Stecker. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Doch Tests des Verbands haben gezeigt, dass es das längst nicht ist. In Hessen, wo Ausweiskontrollen vorgeschrieben sind, rutschten abends 30 Prozent der Gäste ohne Kontrolle durch, sagt Stecker. "Wenn der Andrang größer ist, winken die die einfach durch."

Spielsüchtige zweifeln trotzdem an der Gesichtserkennung, vor allem aber am hehren Motiv der Spielhallen-Betreiber. Lieber sollten die Zockerhöhlen ähnlich wie staatliche Spielhallen Ausweiskontrollen an einer Rezeption einführen, sagt der Leiter einer Bremer Selbsthilfegruppe. Der aktuelle Vorstoß sei "heiße Luft und ein Mittel zur Beruhigung des Gesetzgebers".

Weniger Spielhallen

Tatsächlich wollen mehrere Bundesländer die Zahl der Spielhallen reduzieren, beispielsweise mit Abstandsregeln. Statt nach Abstand und Größe solle man aber nach Qualität gehen, fordert Stecker. Und fügt hinzu: "Wir vertreten die guten Betriebe."

Nicht nur Spieler, auch der hessische Fachbeirat Glücksspiel zweifelt an der Gesichtserkennungs-Methode. "Je anonymer das Glücksspielen erfolgt, desto geringer ist der Spielerschutz", meinen die Experten.


Besser schützen könne man Süchtige mit personalisierten Spielerkarten, die die Automaten einzeln freischalten - oder eben nicht. So könnten Spieler auch selbst ihren Geldeinsatz limitieren.

Die Datenschutzbeauftragten der Bundesländer haben auch schon aufgemerkt. In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wurde das Gauselmann-System zunächst zugelassen, jedoch mit einigen Einschränkungen. Ausweisdaten dürften nicht mit den biometrischen verknüpft und Bilder nicht gesperrter Kunden müssten schnell gelöscht werden, betont ein Sprecher in Stuttgart.

Anders in Niedersachsen: "Wir halten den Einsatz von Gesichtsscannern für unverhältnismäßig", sagt Mattias Fischer, der für die Datenschutzbeauftragte Barbara Thiel spricht. Sie griffen viel stärker in die Privatsphäre ein als Ausweiskontrollen. "Und beim Alkoholverkauf im Supermarkt würde ja auch keiner Gesichtserkennung einführen." 

kg/DPA

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