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Postbank verrät ihre Kunden

Neue Details zur Fehlern bei der Anlageberatung der Postbank: Auch als intern feststand, dass geschlossene Fondsbeteiligungen für viele Kunden ungeeignet sind, wurden sie weiter verkauft.

Von Johannes Röhrig und Lukas Heiny

  Eine Postbank-Filiale: Hunderte Anleger klagen gegen das Geldinstitut.

Eine Postbank-Filiale: Hunderte Anleger klagen gegen das Geldinstitut.

Die Postbank gerät wegen Fehlern bei der Anlageberatung immer stärker unter Druck. Bis 2012 wurden Bankkunden im großen Stil geschlossenen Fondsbeteiligungen verkauft, obwohl intern längst feststand, dass derartige Anlagen für einen großen Teil der Klientel ungeeignet waren. Das berichtet der stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe.

Das Magazin stützt sich dabei auf interne Dokumente aus der Postbank sowie der Konzernmutter Deutsche Bank. Die Papiere zeigen erstmals auf, dass die Postbank-Revision schon im Frühjahr 2006 auf Fehlentwicklungen beim Vertrieb der hochriskanten Finanzprodukte hinwies. Danach ergab eine Stichprobe, dass in 72,5 Prozent der Fälle Anlegerprofil und Risikoklasse des Fonds wesentlich voneinander abwichen. Das, so urteilten die Postbank-Prüfer intern, "würde eine vom Kunden unterstellte Falschberatung belegen".

Trotz der internen Warnungen wurden die Risikoprofile offenbar weiterhin missachtet. Dem stern liegen Listen mit rund Tausend Anlegern vor, die das belegen.

Nach stern-Informationen verkaufte die Postbank rund 60000 Beteiligungen an geschlossenen Fonds für insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro. Viele sind heute nur einen Bruchteil wert; hunderte Anleger klagen gegen die Bank.

Interne E-Mail mit der Abwehrstrategie

Selbst bei der Abwicklung der Vermögensberatung im Jahr 2012 versuchte sich die Postbank erneut auf Kosten der Kunden aus der Affäre zu ziehen. In einer internen Mail von April 2012 gibt das Produktmanagement des Instituts die Abwehrstrategie vor. Es gehe darum, "einen für die Bank möglichst günstigen Vergleich zu erzielen". Wie die Anleger hingehalten und abgebügelt werden sollen, ist ebenfalls in dem Memo notiert: So sollen Anleger-Beschwerden "in der Regel zunächst ablehnend" beschieden werden. Allenfalls in "klar ungünstigen Konstellationen" für die Bank werde "Vergleichsbereitschaft signalisiert".

Die Postbank bestätigte auf stern-Anfrage, dass sich nur etwa die Hälfte der Produkte "planmäßig positiv" entwickelt habe: "Allerdings kann eine eventuelle negative Wertentwicklung eines Produkts nicht mit einer Falschberatung gleichgesetzt werden."

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