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Der Fall Hoeneß

stern-Recherchen veranlassten den Bayern-Patron zu seiner Selbstanzeige. Dabei half offenbar auch ein Münchner Steuerfahnder. Chronologie einer Steuersache.

  Ließ sich offenbar von einem Münchner Steuerfahnder bei seiner eilig erstellen Selbstanzeige beraten: Bayern Präsident Uli Hoeneß

Ließ sich offenbar von einem Münchner Steuerfahnder bei seiner eilig erstellen Selbstanzeige beraten: Bayern Präsident Uli Hoeneß

Eine schwarze Kasse, wilde Devisenspekulationen und eine offenbar dilettantisch erstellte Selbstanzeige - gut sechs Wochen nach Bekanntwerden der Steueraffäre Hoeneß fügt sich langsam ein Bild. Es ist das eines Besessenen. "Auf einer Golfrunde hat es Uli auf bis zu zehn Transaktionen malaiische Ringgit gegen australische Dollar gebracht", erzählt einer, der dabei war. Und es offenbart Steuerhinterziehung im großen Stil: 3,2 Millionen Euro hat Hoeneß angeblich bereits nachgezahlt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Weitere fünf Millionen betrug die Kaution, die ihm eine Verhaftung ersparte.

Doch ist das Bild komplett? Nun berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) über die angeblichen Umstände der Selbstanzeige. Danach haben erst stern-Recherchen den Bayern-Patron dazu bewogen, sich bei den Steuerbehörden zu offenbaren. Zudem ist plötzlich von zwei Konten und einigen Millionen mehr die Rede, um die es bei Hoeneß gehen soll. Ein Steuerfahnder im Vorruhestand spielt eine dubiose Rolle. Eine Chronologie:

stern-Recherche veranlasste Hoeneß offenbar zum Handeln

Vergangenes Jahr erreichten den stern verlässliche Informationen, dass bei der Schweizer Privatbank Vontobel ein Spitzenmann aus der Fußball Bundesliga ein riesiges Vermögen von mehreren Hundert Millionen Euro auf dem Nummernkonto 4028BEA gebunkert habe. Am 14. Januar 2013, Montagmorgen, konfrontierte der stern die Bank mit einer Reihe von Fragen zu dem geheimen Fußballschatz. Vorerst bleibt offen, wem er gehört.

Am Dienstag, 15. Januar, entschied sich Hoeneß - laut "SZ" nach einem Mittagessen mit der Kanzlerin in Berlin - im Laufe des Nachmittags zur Selbstanzeige. Zu diesem Zeitpunkt habe ihn eine Warnung der Vontobel erreicht, der stern recherchiere im Zusammenhang mit einem Vertreter des deutschen Spitzensports.

Hilfe von einem Münchner Steuerfahnder

Am Mittwoch, 16. Januar, sollen dann ein ehemaliger Münchner Steuerfahnder, ein Anwalt und ein Steuerberater im Auftrag von Hoeneß nach Zürich gereist sein, um bei Vontobel die notwendigen Unterlagen für eine Selbstanzeige zusammenzutragen. Merkwürdig ist dabei die Rolle des Steuerfahnders, der zwar kurz vor seiner Pensionierung stand, offiziell wohl aber noch im Amt war. Darf so ein Mann einem Steuerhinterzieher zu Diensten sein?

Jedenfalls musste der Besuch aus Bayern mit leeren Händen heimkehren. Auf die Schnelle war es offenbar bei Vontobel nicht möglich, die notwendigen Unterlagen für eine strafbefreiende Selbstanzeige zusammenzustellen. Hoeneß hatte über viele Jahre rege mit dem Geld in der Schweiz spekuliert. Jede Transaktion muss im Zweifel belegt werden können. Das gelang nicht - zumindest nicht im ersten Anlauf.

So reichte Hoeneß am Donnerstag, 17. Januar, eine unvollständige Selbstanzeige ein, in der offensichtlich nur Jahresendstände saldiert wurden. Es soll sich um die Saldi von zwei Konten handeln. Am selben Tag erschien der stern mit seiner Geschichte über "Das geheime Fußballkonto".

Woher kommt das viele Geld?

An dieser Darstellung sind mehrere Aspekte neu. Zum einen steht sie im Widerspruch zu den Angaben von Hoeneß, er habe die Selbstanzeige von langer Hand geplant und bereits am 12. Januar 2013 und damit vor der stern-Berichterstattung bei den Steuerbehörden eingereicht. Zum anderen ist erstmals von zwei Konten sowie von weit höheren Summen die Rede, als sie bislang Hoeneß zugeschrieben wurden.

So soll Vontobel in einer ersten Berechnung im Fall ihres prominenten Klienten auf eine Steuerschuld zwischen 5,8 und 6,8 Millionen Euro gekommen sein. Auch eine weit höhere Abschlagszahlung beim hiesigen Fiskus - angeblich neun Millionen Euro - steht nun im Raum.

Zwar beziehen sich die Nachforderungen des Fiskus in solchen Fällen auf einen Zeitraum von zehn Jahren. Zudem fallen Verzugszinsen an. Dennoch sind solche Summen, sofern sie zutreffen, wohl kaum mit den vorgeblichen 15 bis 20 Millionen an Kapital zu erklären, die Hoeneß eigenen Angaben zufolge in der Spitze am Zürichsee gebunkert haben will. Den neuen Hinweisen folgend, müssten sich allein die zu versteuernden Gewinne aus den Devisen- und Aktiengeschäften im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Doch woher kommt das viele Geld? In der Steuersache Hoeneß bleibt es spannend.

stern.de

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