19. August 2012, 20:00 Uhr

SPD sinniert über Geschäftsverbot für Banken

Im Streit um illegale Kapitalflucht legt die SPD nach. Sie will ausländische Banken hart bestrafen, die bei Steuerhinterziehung helfen. NRW will sich den Ankauf von Steuer-CDs nicht verbieten lassen.

Steuersünder, Steuer-CD, Ankauf, NRW, Kraft, Banken, Geschäfstverbot, SPD

Der Ankauf von weiteren Steuer-CDs stiftet Unruhe - nicht nur zwischen Deutschland und der Schweiz, sondern auch zwischen der Regierung und der Opposition.©

Im Kampf gegen die Steuerflucht setzt sich die SPD für ein härteres Vorgehen gegen ausländische Banken ein. "Notfalls muss den Banken, die nicht mit den deutschen Steuerbehörden kooperieren, untersagt werden, in Deutschland Geschäfte zu betreiben", forderte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, am Sonntag in Berlin. Das von der Bundesregierung geplante Steuerabkommen mit der Schweiz ist aus Sicht der Sozialdemokraten faktisch tot.

Oppermann sagte, die deutsche Regierung müsse sich die USA zum Vorbild nehmen "und Steuerkriminelle überall konsequent verfolgen. Deutschland muss nicht nur gegenüber der Schweiz Härte zeigen, sondern auch gegenüber anderen Steueroasen."

Zum Abkommen mit der Schweiz sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, jedes Gefeilsche sei zwecklos - die SPD werde das Steuerabkommen im Bundesrat ablehnen. "Die Bundesländer, in denen die SPD an der Regierung beteiligt ist, können gar nicht mitstimmen - es ist politisch nicht mehr vertretbar", so Nahles im Magazin "Der Spiegel". "Das Steuerabkommen mit der Schweiz ist tot."

"SPD spielt sich als Robin Hood auf"

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe nannte das Verhalten der SPD verantwortungslos. "Die SPD spielt sich ständig als Robin Hood auf, dabei schützt sie mit ihrer Blockade eines Steuerabkommens mit der Schweiz ins Ausland verschobene Vermögen", sagte er der Zeitung "Die Welt".

Das von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ausgehandelte Abkommen soll von 2013 an gelten. Demnach soll auf alle Kapitalerträge deutscher Kunden bei Schweizer Banken eine Steuer fällig werden, die so hoch ist wie in Deutschland. Auch altes Schwarzgeld soll einmalig besteuert werden. Im Bundesrat gibt es aber keine Mehrheit dafür.

Seit 2010 haben deutsche Behörden mehrere CDs mit Daten von Steuersündern gekauft. Auch darüber gibt es weiterhin Streit, nachdem vor kurzem Nordrhein-Westfalen ein weiteres Mal eine Daten-CD aus der Schweiz erworben hat.

Kraft will weiterhin Steuer-CDs auswerten

Der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) forderte für Deutschland endlich die Einführung eines Unternehmensstrafrechts. Es sei "bizarr, dass wir gegen kriminelle Unternehmen nur Bußgelder verhängen können", sagte er dem "Spiegel". Die Strafen richteten sich nach dem Ordnungswidrigkeitengesetz, "das wir sonst regelmäßig bei Verkehrsverstößen anwenden".

Mit einem neuen Gesetz könne man "dafür sorgen, dass sich die Beihilfe zur Steuerhinterziehung für die Banken nicht mehr lohnt - indem wir umsatzbezogene Geldstrafen verhängen und den Gewinn abschöpfen". Letztlich kommen für Kutschaty auch "Tätigkeitsverbote in Betracht, bis hin zu Betriebsschließungen und Liquidationen". Die Ministerpräsidentin von NRW, Hannelore Kraft (SPD), beharrt auf die Auswertung von Kundendaten-CDs. "Der Ankauf solcher Daten ist rechtens - das wurde höchstrichterlich entschieden. Deshalb werden wir auch weiterhin solche Daten kaufen", sagte Kraft der "Bild"-Zeitung.

Durch einen Bericht des Magazins "Focus" wurde bekannt, dass Bern bereits am 17. Juli bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris einer Änderung des internationalen Abkommens zur Steueramtshilfe zugestimmt hatte. Damit können nach dem Inkrafttreten nicht nur deutsche Finanzämter, sondern auch Behörden anderer Länder Anfragen an ihre Schweizer Kollegen übermitteln, ohne die Namen möglicher Steuersünder zu kennen. Nach OECD-Angaben einigten sich alle 34 Mitgliedsländer sowie Argentinien, Indien, China, Russland und Südafrika auf die Änderung des Abkommens.

swd/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Kauf von Bankdaten-CDs Und die Schweiz bewegt sich doch

In den Steuerstreit kommt Bewegung. Die Schweiz will unter bestimmten Bedingungen nun auch die Namen von Steuersündern preisgeben, die ihr Geld kurzfristig in ein Drittland verlagert haben.

Ankauf von Bankdaten-CDs Merkel setzt auf Abkommen mit der Schweiz

Die Ankündigung aus Nordrhein-Westfalen, weitere CDs mit den Bankdaten von Schwarzgeldsündern anzukaufen, ruft die Kanzlerin auf den Plan. Angela Merkel macht deutlich, was sie davon hält: nichts.

Ankauf von Bankdaten-CDs Piraten stellen Strafanzeige gegen NRW-Finanzminister

Mitglieder der Piraten-Partei haben Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norber Walter-Borjans angezeigt. Sie halten den Ankauf von CDs mit den Daten mutmaßlicher Steuersünder für eine Straftat.

Konflikt mit der Schweiz NRW droht mit Kauf weiterer Steuersünder-CDs

Nordrhein-Westfalen gibt nicht klein bei. Finanzminister Walter-Borjans hat angekündigt, weiterhin auf den Ankauf gestohlener Bankdaten zu setzen. Damit könne man "etliche Steuerbetrüger überführen".

Neu angekaufte Steuer-CD Spur der Steuersünder führt nach Singapur

Fahnder finden Belege dafür, dass deutsches Schwarzgeld nach Singapur transferiert wird. Die Banken sollen ihren Kunden dabei helfen, die Millionen in Sicherheit zu bringen.

NRW kauft weitere Steuer-CDs Steuerfahnder feiern "ganz dickes Ding"

Nordrhein-Westfalen hat wieder zugeschlagen - und diesmal soll es ein "dickes Ding" sein: Auf einer Steuer-CD, die Fahnder aus Wuppertal aufgekauft haben, finden sich Daten der Schweizer Großbank UBS.

Kampf gegen Fiskalflüchtlinge Bund wusste über Kauf von Steuer-CD Bescheid

Der Finanzminister hat NRW wegen des Ankaufs der Schweizer Steuer-CD scharf angegriffen. Dabei war dem Kabinett der Deal bekannt. Vermutlich wird sich der Bund wieder an den Kosten des Geschäfts beteiligen.

Finanzminister Schäuble kritisiert Kauf von Steuer-CDs

Der erneute Ankauf einer CD mit Bankdaten aus der Schweiz durch das Land Nordrhein-Westfalen erzürnt Finanzminister Schäuble. Solche Käufe könnten immer nur eine "Behelfslücke" sein.

Handel mit Spätfolgen Der deutsch-schweizerische Steuer-CD-Zoff

Für Zwischentöne ist im Steuerstreit kein Platz. Das Vorgehen der Eidgenossen gegen Fahnder aus NRW bringt das Fass zum Überlaufen. Auch das Steuerabkommen gerät in Gefahr - zur Freude der Trickser.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?