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Gute Bankberatung - Fehlanzeige

Eine Studie der Stiftung Warentest düpiert Banken und entsetzt Verbraucherschützer. Die Stiftung stellte in den Geldhäusern alarmierende Beratungsmängel fest.

Schon das Urteil 2009 war schlecht, doch das Niveau der Anlageberatung in Deutschlands Banken und Sparkassen hat sich in diesem Jahr noch einmal verschlechtert. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest. Nach einer Untersuchung bei 21 Banken und Sparkassen bekamen sechs Häuser das Urteil "mangelhaft". Nur eines mehr - und ein Drittel aller Institute hätte mit der Note 5 abgeschnitten. Zwölf Mal gab es "ausreichend", nur drei Mal "befriedigend". Kein Geldhaus erhielt ein "gut" für seine Beratung, wie die Stiftung am Dienstag in Berlin mitteilte.

Sie hatte 146 Einzelgespräche mit Beratern geführt. "Verantwortlich für die schlechten Noten sind flächendeckende Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz", sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest", die für den Test verantwortlich zeichnet. In mehr als der Hälfte der Fälle hätten Testkunden kein Beratungsprotokoll bekommen, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist, wenn das Gespräch auf Wertpapiere kommt. Viele Berater hätten noch nicht einmal nach dem Beruf oder dem Einkommen gefragt. In den meisten Fällen hätten sie zudem ein zu riskantes Anlagekonzept empfohlen. Im Test wurde danach gefragt, 35 000 Euro für zehn Jahre anzulegen. Am Ende sollte die Summe auf jeden Fall wieder da sein, auch bei möglichen zwischenzeitlichen Verlusten.

Verbraucherschützer fordern schärfere Gesetze

Am Montag hatte bereits Verbraucherministerin Ilse Aigner die schlechte Beratung der Banken und Finanzdienstleister moniert.

Die Finanz- und die Eurokrise haben in den Banken und Sparkassen nicht zu einer Verbesserung der Beratung geführt. Bei einer Untersuchung Ende vergangenen Jahres hatten die Tester der Stiftung Warentest nur zwei Geldinstituten die Note "mangelhaft" gegeben.

Vebraucherschützer reagierten erbost auf die neuen Ergebnisse. Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, sagte am Dienstag in Berlin: "Ohne klare gesetzliche Vorgaben und effektive Kontrollen durch die Finanzaufsicht wird sich an der Qualität der Anlageberatung durch Banken und Finanzvermittler nichts ändern." Die Beratung dürfe nicht mehr von Provisionen "getrieben" sein.

Die Ankündigungen der Banken, kundenfreundlicher zu werden, bezeichnete der oberste Verbraucherschützer als leere Worthülsen. Er forderte ein Standard-Beratungsprotokoll und eine bessere Kontrolle. Die Zeitschrift "Finanztest", die die Ergebnisse in ihrer August-Ausgabe veröffentlichen wird, plädiert ebenfalls für Kontrollen der Banken und Sanktionen für Verstöße.

Der Letzte will sich bessern

Und die Banken selber? Eine erste reagierte bereits: die Volksbank Mittelhessen, die den letzten Platz bei der Untersuchung belegte. Sie gelobt Besserung. "Fakt ist, dass wir insgesamt bessere Beratungsqualität testiert bekommen, die schlechte Note ist allein auf das Nichtaushändigen von Beratungsprotokollen zurückzuführen", sagte ein Volksbank-Sprecher Stefan Spicker der Nachrichtenagentur DPA.

"Wenn wir da ein Versäumnis haben, müssen und werden wir das abstellen." Allerdings seien zur genauen Bewertung die detaillierten Testergebnisse nötig. Die Finanzaufsicht Bafin habe bei einer Prüfung in diesem Frühjahr keinerlei Beanstandungen zum Umgang der Volksbank Mittelhessen mit Beratungsprotokollen gehabt, sagte der Sprecher. Das Institut mit 370.000 Kunden ist mit einer Bilanzsumme von 5,7 Milliarden Euro die drittgrößte Volksbank bundesweit nach den Instituten in Berlin und Frankfurt.

DPA/DPA

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