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Die Krux mit dem Protokoll

Warum lernen Banken nicht aus ihren Fehlern und warum kennt niemand die Beratungsprotokolle? Diese Fragen stellen sich nach der neuen Erhebung der Stiftung Warentest, deren Ergebnisse selbst die Tester entsetzt haben.

Von Julia Grobecker

  "Nur wenig Transparenz": Stiftung Warentest hat die Anlageberatung von 21 Geldhäusern unter die Lupe genommen

"Nur wenig Transparenz": Stiftung Warentest hat die Anlageberatung von 21 Geldhäusern unter die Lupe genommen

Kommt 'ne Frau zum Bankberater. Wie lange sie das Geld denn gedenke anzulegen, möchte er wissen. Zehn Jahre seien vorgesehen, gibt ihm die junge Dame - nennen wir sie Frau M. - zu verstehen. Wichtig sei ihr zudem, dass die 35.000 Euro auf mehre Anlageprodukte verteilt würden. "Ich bin bereit, Risiken einzugehen", fügt sie noch hinzu. "Aber am Ende der Laufzeit möchte ich mindestens das eingesetzte Geld zurückbekommen." Der Berater nickt wohlwollend. Er rät Frau M., 15.000 Euro ihres kleinen Vermögens sicher, 15.000 Euro mit geringem Risiko und 5.000 Euro in einem Mischfonds anzulegen. Alles in allem eine ausgewogene Lösung. Nur: Das vorgeschriebene Beratungsprotokoll fehlt - ein entscheidender Punkt und Gesetzesverstoß.

Was der Bankangestellte nicht weiß: Die junge Frau hat gar keine 35.000 Euro. Sie ist in geheimer Test-Mission unterwegs, ihre Anlageabsicht nur vorgetäuscht. Bei Frau M. handelt es sich allerdings nicht um eine Betrügerin. Im Gegenteil, sie ist einer von 146 Testkunden, die im März und April dieses Jahres im Auftrag der Stiftung Warentest 21 deutsche Geldinstitute unter die Lupe nahmen. Was dabei jetzt ans Licht kam, ist erschreckend: Sechs erhielten die Note "mangelhaft", nur drei ein "befriedigend", kein Geldhaus war "gut" oder "sehr gut". Und die Getesteten sind "Wiederholungstäter": Bereits im Sommer 2009 hatten die Warentester eine identische Studie an fast denselben Geldinstituten durchgeführt. Schon damals mit bedenklichen Ergebnissen.

Nicht aus Fehlern gelernt

"Dass die Banken nun wieder so schlecht abgeschnitten haben, überrascht uns schon", sagt Karin Baur, Expertin von der Warentest-Zeitschrift "Finanztest" und Mitarbeiterin der Studie. Dass die Banken nach wie vor nicht konsequent die persönlichen und finanziellen Verhältnisse der Kunden abgefragt haben, wie Beruf und Einkommen, verblüfft die Tester. "Das gehört zum Beratungsgespräch dazu und ist auch im Wertpapierhandelgesetz so vorgesehen. Die Banken missachten das Gesetz. Das ist ein Riesenskandal", kritisiert Baur. Mindestens genauso wichtig sei es, die Kunden nach ihren Kenntnissen und Zielen zu befragen. Doch auch dies versäumte die Mehrheit der getesteten Geldinstitute.

Der Gesetzgeber half den Banken sogar mit einem Gesetz: Seit Januar 2010 sind sie verpflichtet, über jedes Beratungsgespräch, in dem es um Wertpapiere geht, ein Anlageprotokoll anzufertigen und dem Kunden unmittelbar auszuhändigen. Das Gesetz trat als Reaktion auf die Krise in Kraft, viele Kunden hatten Produkte erhalten, die sie nicht verstanden. Hatte der Bankberater richtig aufgeklärt? Es stand Aussage gegen Aussage. Die Protokolle sollten Klarheit schaffen. Doch diese Vorschrift ignorieren die Banken eifrig. In nahezu der Hälfte der Beratungsgespräche des jüngsten Tests gab es kein Protokoll - nicht mal auf ausdrückliche Nachfrage.

Die Branche gesteht die Probleme ein. Die Anwendung der Vorschriften in der Praxis müsse sich noch "einspielen und wo nötig auch verbessert werden", konstatiert der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) als Dachorganisation des deutschen Kreditgewerbes. Gleichzeitig schränkt er aber ein: "Eine generelle Erwähnung von Wertpapieren, ohne dass ein konkretes Wertpapier empfohlen wurde, führt jedoch noch nicht zu einer Protokollierungspflicht."

In dubio pro reo

"Finanztest"-Expertin Baur sieht einen anderen Haken für den Kunden. "Das Problem ist, dass der Kunde beweisen muss, dass er falsch beraten worden ist. Es ist nicht so, dass die Bank beweisen muss, dass sie den Kunden richtig beraten hat. Und das ist genau auch das Dilemma. Wenn die Bank in der Beweispflicht wäre, würde sie mit Sicherheit anders handeln."

Verbraucherschützer fordern nun bessere Kontrollen und Sanktionen. Einzige Chance für den Kunden, das Versäumen der Banken zur Anzeige zu bringen, sei bislang ein Brief an die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin). Ob dann jedoch irgendwelche Konsequenzen gezogen würden, vermag auch Karin Baur nicht zu sagen: "Es gibt nur wenig Transparenz."

Die Krux mit dem Protokoll

Doch die Qualität der Anlageberatung geriet aufgrund der erheblichen Gesetzesverstöße der Banken nahezu in den Hintergrund. Denn das fehlende Beratungsprotokoll war generell der größte Fehler der getesteten Banken. In 126 der 146 Gespräche war die Rede von Wertpapieren und ein Beratungsprotokoll wäre Pflicht gewesen. Aber nur 61 Mal gab es eines. 65 Mal haben die Berater ihre Pflicht nicht erfüllt. "Und so schwierig umzusetzen ist das eigentlich nicht!" sagt Baur. "Für die Beratungsprotokolle haben die Banken immerhin Vordrucke angefertigt. Es wird den Beratern also nicht so schwer gemacht. Dass das dann schon wieder nicht funktioniert, da sind wir schon entsetzt."

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