HOME

Sucht die Post hier Streikbrecher?

Während die Mitarbeiter der Post weiter streiken, scheint das Unternehmen den Arbeitskampf mit Streikbrechern unterlaufen zu wollen - mit einer offiziellen Anzeige beim Arbeitsamt.

Streik bei der Post: Will das Unternehmen nun Streikbrecher anwerben?

Streik bei der Post: Will das Unternehmen nun Streikbrecher anwerben?

Suchen Sie noch eine Nebenbeschäftigung für die Sommerferien? Die Agentur für Arbeit könnte Ihnen da weiterhelfen. Für wenige Monate werden hier Aushilfen für die Postsortierung gesucht. Doch Moment, befinden sich die Mitarbeiter der Post nicht eigentlich im Streik?

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, welche die Postangestellten vertritt, ist auf eine offizielle Stellenanzeige der Agentur für Arbeit aufmerksam geworden. Dort sucht ein anonymer Arbeitgeber "Postsortierer für einen befristeten Einsatz von zwei bis drei Monaten" für die Orte Magdeburg, Burg und Gardelegen in Sachsen-Anhalt. Versucht die Post hier Streikbrecher anzuwerben?

"Ein Versuch den Streik zu unterlaufen"

Seit knapp zwei Wochen steht bei der Deutschen Post alles Stil. Zahlreiche Mitarbeiter befinden sich im unbefristeten Streik und fordern rund 6000 Beschäftigte wieder in den Haustarif des Unternehmens aufzunehmen. Diese waren zum Jahresbeginn in regionale Gesellschaften ausgegliedert worden - zu deutlich schlechteren Bedingungen. Wie viele Postsendungen durch den Arbeitsausfall in den Zustellzentren liegengeblieben sind, ist nicht bekannt. In einigen Regionen scheinen diese den Konzern aber zu außergewöhnlichen Maßnahmen zu veranlassen - den Einsatz von Streikbrechern.

Pikant: Der Stundenlohn in der Stellenanzeige beträgt 8,20 Euro - weniger als der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro, der seit 1. Januar gilt. Wer hier als Arbeitgeber auftritt, lässt sich nicht ohne Zweifel feststellen. "Auch wenn eine Restunsicherheit bleibt, handelt es sich hierbei mit großer Wahrscheinlichkeit um die Deutsche Post", sagt Jan Jurczyk von ver.di. Ein Hinweis darauf finde sich in den angegebenen Arbeitsorten: In Burg und Gardelegen unterhält laut ver.di-Vertretern vor Ort nur die Deutsche Post und kein anderer Brief- oder Paketzusteller Betriebe.

Mit dieser Anzeige werden beim Arbeitsamt Aushilfen gesucht. Der Arbeitgeber bleibt anonym.

Mit dieser Anzeige werden beim Arbeitsamt Aushilfen gesucht. Der Arbeitgeber bleibt anonym.


"Es sieht so aus, als suche die Post hier Aushilfen. Die wären in diesem Fall auf jeden Fall Streikbrecher", betont Jurczyk. Die Region sei zudem besonders intensiv vom Arbeitskampf erfasst. Auch wenn der Stundenlohn von 8,20 Euro in den neuen Bundesländern tarifrechtlich möglich ist, kritisiert die Gewerkschaft das Vorgehen massiv. "Was juristisch möglich ist, muss politisch nicht richtig sein", sagt Jurczyk. "Das ist ein Versuch der Post den Streik mit fragwürdigen Methoden zu unterlaufen."

Post: "Die Anzeige ist nicht von uns"

Bei der Deutschen Post weiß man vom Ursprung der Stellenanzeige nichts. "Das Angebot kommt nicht von uns", erklärt Markus Wohsmann, ein Sprecher des Unternehmens. Man stelle wie jedes Jahr für die Ferienzeit Aushilfen ein und benötige durch den Streik auch mehr Kräfte als im Vorjahr. Dieses konkrete Stellenangebot habe man aber nicht eingestellt. Zudem verpflichte sich das Unternehmen zum Mindestlohn. "Das lassen wir uns auch von jedem Subunternehmer wie Zeitarbeitsfirmen unterschreiben", betont Wohsmann.


Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren