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Café-Manager stutzt Nörgel-Kundin zurecht

Hannah C. war mit ihrem Caféhaus-Besuch nicht zufrieden. In einer Online-Bewertung sprach sie ihr Urteil: "absolut grauenhaft", "überteuert" und "unhöfliches Personal" – bis der Manager zurückschlug.

In diesem Cafe tobte der Bewertungsstreit

In diesem Cafe tobte der Bewertungsstreit

Bennett’s Café and Bistro im britischen York ist ein ziemlich angesagtes Plätzchen – auf der Bewertungsplattform  Trip-Advisor finden sich 580 Bewertungen – zu weit über 90 Prozent werden Spitzennoten vergeben. Aber nicht von Hannah C.: Während andere Gäste schrieben sie hätten im Paradies gegessen, glaubte Hannah C. in der Gastro-Hölle gelandet zu sein.

Teure Tasse Wasser

Was war ihr geschehen? Hannah C. – so schreibt sie selbst – war Anfang Dezember knapp bei Kasse, als sie mit Freunden das Café neben der Kathedrale besuchte. Sie bestellte daher bescheiden: Ein Glas heißes Wasser mit einer Scheibe Zitrone. Als sie dafür 2 Pfund bezahlen musste, fiel sie aus allen Wolken. Vor allem als der Kellner ihre Beschwerde nicht akzeptieren wollte.  Hannah C. muss sich mächtig aufgeregt haben. Sie gelobte, nie wieder diesen "schrecklichen Platz" zu besuchen und alle Freunde aufzufordern, es ihr gleichzutun. Das Mindeste, was passieren müsse, sei, dass der unhöfliche Kellner seine Stellung verlieren müsste.


Kosten-Kalkulation

Damit hatte sie es wohl übertrieben, anstatt einer nichtssagenden Entschuldigung setzte der Manager zum Gegenangriff an und erläuterte seine Kalkulation. Er machte es wohl auch, um zu belegen, dass er seine Kunden nicht ausplündere. En Detail listete er nun auf, welche Arbeitsgänge ein Kellner ausführen muss, um eine Kundin zu bedienen – von der Begrüßung, dem Begleiten zu einem Tisch, dem Reichen und dem späteren Entgegennehmen der Karte bis zum Servieren und abschließenden Herrichten des Tisches. Eine endlose Liste, für die der Manager aber dennoch nur maximal knappe drei Minuten Arbeitszeit pro Gast berechnete. Ein menschenwürdiger Stundenlohn führt zur Personalkosten von 12,5 Pfund die Stunde. Hinzu addieren sich Miet- und weitere Gebäudekosten. So dass er mit 40 Pfund die Stunden rechnen müsse, wenn man alle Kosten auf die Arbeitszeit der Kellner umlegt. Zwei bis drei Minuten Arbeiten kosten also zwischen 1,6 und zwei Pfund. Ohne die Umsatzsteuer von 20 Prozent, die noch aufgeschlagen wird. "Ich akzeptiere, dass der Preis eines heißen Getränks in einem Stadtcafé teuer wirkt, verglichen mit einem Becher, den man zu Hause macht – aber so sieht die grausame Wirklichkeit aus."

Zu bestreiten ist diese Rechnung nicht. Jeder Gastronom weiß, dass man im Café den Platz, die Zeit und die Bedienung bezahlt, die Einkaufskosten für Café oder Tee fallen nur minimal ins Gewicht.

Internet-Debatte um den Tassen-Streit

Nachdem zuerst lokale Medien über den Tassen-Streit berichtet haben, kocht das Internet im Streit über die Kontrahenten über. Natürlich ist die Kalkulation des Managers zu verstehen, aber gerade seine geschliffene und unangreifbare Argumentation macht ihm nicht nur Freunde. Denn auch wenn er Recht hat und Hannah C. sich vollkommen im Ton vergriffen hat: Der Manager zeigt auch kein großes Herz für eine arme Frau, die sich einmal vor Weihnachten in ein Café setzen wollte, obwohl sie es sich eigentlich nicht leisten konnte.

Inzwischen wurde die negative Bewertung entfernt. 


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