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Wenn ein Knöllchen auf dem Supermarkt-Parkplatz droht

Nur kurz in den Supermarkt huschen, um einzukaufen - und danach auf dem Parkplatz eine böse Überraschung erleben: Immer mehr Supermärkte setzen auf private Parkplatzwächter. Die verlangen saftige Gebühren - und vergrätzen so die Kunden.

Sie wollte nur kurz einkaufen, ein paar Dinge für den Kindergeburtstag. Doch kaum ist die Rewe-Kundin wieder zurück bei ihrem Auto, entdeckt sie das Knöllchen. Sie habe keine Parkscheine ins Fenster gelegt, steht auf dem Zettel. Die vertragsgemäße Strafe dafür: Knapp 20 Euro. "Meint REWE das ernst? 19,90 Euro, weil man ohne Parkscheibe auf dem Supermarkt-Parkplatz parkt, während man für den Kindergeb. einkauft???", fragt die Kundin über Twitter.

Offenbar ist ihr Erlebnis kein Einzelfall. Deutschlands Supermärkte rüsten auf, sichern die Parkfläche mit Schranken und holen sich private Parkplatz-Unternehmen ins Boot, um die Fläche vor den Märkten kontrollieren zu lassen. Vergisst der Kunde die Parkscheibe oder parkt er zu lange auf dem Grundstück, kann es teuer werden.

Nicht nur Rewe setzt auf Parkplatzwächter

Nicht nur Rewe setzt auf Parkplatzwächter, sondern auch Aldi Süd. In Bonn bekommen die Kunden 90 Minuten Zeit zum Einkaufen, solange dürfen sie auch kostenlos auf dem Grundstück parken, berichtet das "ZDF". Wer mehr Zeit braucht, muss blechen: 30 Minuten längeres Parken kostet 10 Euro, danach werden 15 Euro fällig. Und: Eine Parkscheibe muss sichtbar im Fenster liegen, sonst kostet der Verstoß ebenfalls 15 Euro.

Angesprochen auf diese Gebührenlösung gibt sich Aldi Süd undeutlich. "Wir möchten betonen, dass es sich bei den genannten Maßnahmen um Ausnahmelösungen handelt, die ausschließlich ergriffen werden, um unseren Kundinnen und Kunden ausreichend Parkmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen und ihnen einen problemlosen Einkauf ermöglichen zu können", lässt das Unternehmen das "ZDF" schriftlich wissen.

Fremdparker sind Problem

Das Problem der Supermärkte: Gerade in Innenstadtlagen blockieren Fremdparker die Flächen. Nicht nur tagsüber besetzen Fahrzeuge die Flächen, die eigentlich für Kunden gedacht sind. Auch nachts nutzen Anwohner gerne die Parkplätze - denn in den angrenzenden Wohngebieten ist Parkraum Mangelware. Also sichern zunehmend Schranken die Parkplätze - und Unternehmen patrouillieren zu den Öffnungszeiten."

Rewe bietet den Kunden grundsätzlich frei zugängliche Parkflächen für den Einkauf an. Dieser Service wird allerdings an einigen wenigen exponierten Standorten in Großstädten von Fremd- und Dauerparkern ausgenutzt: An solchen Standorten gibt es folglich massive und andauernde Probleme mit Dauerparkern, die entsprechende Kundenbeschwerden nach sich ziehen oder aber dazu führen, dass Kunden die entsprechenden Märkte meiden", so ein Rewe-Sprecher zum stern.

Von den rund 3000 Rewe-Filialen in Deutschland würde eine "mittlere zweistellige Anzahl von Märkten" bewacht. "Bequemlichkeit ist neben dem Preis für Kunden ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl der Einkaufsstätte und gute Erreichbarkeit somit wichtig für die Wirtschaftlichkeit unserer Märkte", so der Sprecher. 

Gebühr auf Supermarktparkplatz ist rechtens

Daher nutzt nicht nur Rewe die Dienste von externen Parkplatzwächtern. Und die haben Macht. Parkt jemand unberechtigt auf einem Firmengelände, darf auch abgeschleppt werden, sagt ADAC-Verbraucherschützerin Elke Hübner in einem Interview. Das wurde bereits 2012 höchstrichterlich bestätigt. Der Bundesgerichtshof entschied, dass Falschparker auf Privatparkplätzen abgeschleppt werden dürfen.

Die Kunden können das nur teilweise nachvollziehen und teilen sich in zwei Lager: Die einen geben sich gelassen, sie haben die Hinweisschilder auf dem Parkplatz früh gesehen. Andere haben von den Gebühren nichts mitbekommen, haben keine Parkscheibe ins Autofenster gelegt und sind vom Knöllchen überrascht - und auf den Markt stinksauer. "Kunden, die beispielsweise ihre Parkscheibe vergessen haben, aber durch den Einkaufsbeleg nachweisen können, dass sie bei REWE eingekauft haben, können sich an das zuständige Kundenmanagement wenden", sagt ein Sprecher des Unternehmens dem stern. Nach Prüfung bemühe man sich stets um eine kulante Lösung, so Rewe.

Abgeschleppt für 200 Euro

Dass das nicht immer klappen kann, zeigt das Erlebnis von Mariusz K. in Berlin im November 2014. Er parkte bei Netto und kaufte auch dort ein, danach ging er noch einen Kaffee beim Bäcker trinken. Als er zurückkommt, wird sein Auto gerade abgeschleppt. "Nach 50 Minuten kam ich zurück und mein Opel hing am Haken", sagte er der "Bild-Zeitung". Noch vor Ort muss er knapp 200 Euro bezahlen, um sein Auto zurückzubekommen. Netto gibt sich nach dem Abschleppversuch in Berlin zerknirscht. "Es gab Beschwerden. Wir suchen nach einer neuen Lösung", sagte die Vize-Chefin von Netto.

Verbraucherschützer raten zur genauen Prüfung

Die Masche ist den Verbraucherschutzzentralen schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Die Experten raten geprellten Kunden, nur unter Vorbehalt zu zahlen, wenn der Wagen bereits abgeschleppt ist. Wer ein Knöllchen erhalten hat, solle genau prüfen, ob gezahlt werden muss. Denn teilweise seien die Hinweisschilder zu klein oder könnten bei Dunkelheit kaum gesehen werden. Doch wer sich gegen diese Strafzahlung wehren will, muss sich auf einen langwierigen Kampf vor Gericht einstellen, der schnell hohe Kosten mit sich bringen kann.  

Bei Rewe will man es gar nicht soweit kommen lassen. Auf den Tweet der Rewe-Kundin reagiert das Unternehmen: "Sorry dafür. Bitte sende uns eine Direktmitteilung mit deiner Email-Adresse, wir leiten dies gerne zur Prüfung weiter." Doch die Kundin ist sauer, sie habe das Ticket schon bezahlt und kaufe nun woanders.

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