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Sky drängt Fußball-Kneipen ins Aus

Sie schauen gerne Fußball in der Kneipe? Das könnte bald vorbei sein: Sky hat die Preise für Wirte so saftig erhöht, dass diese jetzt das Bundesliga-Abo kündigen - zum Leidwesen der Fußball-Fans.

Von Katharina Grimm

  Joachim Kreuzer blickt traurig drein. Der Wirt der "Domschänke" kündigte sein Sky-Abo - weil es zu teuer wurde. Das kostet ihn jetzt wohl etliche Besucher.

Joachim Kreuzer blickt traurig drein. Der Wirt der "Domschänke" kündigte sein Sky-Abo - weil es zu teuer wurde. Das kostet ihn jetzt wohl etliche Besucher.

Natürlich ist die "Domschänke" auf dem Hamburger Kiez bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn quasi nebenan im Millerntor-Stadion ein Spiel des FC St. Pauli angepfiffen wird. Denn die Kneipe ist ein Fan-Treff. Noch – denn der Besitzer Joachim Kreuzer hat das Sky-Abo zum September gekündigt. Ein schwerer Schlag für die Anhänger der Kiez-Kicker.

Nach einem nahezu fußballfreien Sommer startet endlich die zweite Bundesliga. Fans, die die Spiele ihrer Lieblingsmannschaft bisher in einer Kneipe mit Bier und Freunden gesehen haben, könnten nun eine böse Überraschung erleben: Deutschlandweit kündigen Kneipiers ihr Sky-Abos. Denn der Bezahlsender hat die Preise kräftig erhöht. Mehr als das Doppelte müssen manche Kneipen-Betreiber berappen. Das ist kaum zu stemmen.

Joachim Kreuzer ist stinkwütend. Der Wirt ist St. Pauli-Fan, seit 20 Jahren hat er eine Dauerkarte. Direkt gegenüber vom Millerntor-Stadion betreibt er die "Domschänke". Seit Jahrzehnten ist die urige Spelunke in Familienbesitz. Die Kneipe mit 40 Plätzen ist Kult auf dem Kiez, vor, während und nach Heimspielen versammeln sich dort die Fans, zu Auswärtsspielen ist die Kneipe immer voll. Die Fans mögen die familiäre Atmosphäre zum Fußball gucken, außerdem ist das Bier günstig. Doch damit ist jetzt Schluss – denn Sky will monatlich statt rund 221 Euro satte 475 Euro von dem Wirt haben. "Dass alles teurer wird, habe ich verstanden. Und eine moderate Erhöhung hätte ich auch hingenommen. Aber das ist eine Frechheit!", sagt er stern.de. Die Erhöhung für Kreuzer entspricht über 114 Prozent – und er ist mit der Preisexplosion nicht allein.

Deutschlandweite Preisexplosion

So klagen die Wirte deutschlandweis vor allem in Städten, wie Hamburg, Berlin, aber auch Hannover, Bremen, Göttingen und natürlich im Ruhrgebiet über den Preisanstieg. Auch in München und Stuttgart, wo die höchste Kaufkraft in Deutschland vorhanden ist, müssen die Betreiber mehr für das Sky-Abo ausgeben. In Bremen ziehen die Preise in einigen Kneipen um 50 Prozent an, in Berlin verdoppeln sich die Preise mitunter und in Köln müssen die Wirte ein Plus von 40 Prozent hinnehmen. Und: Das teure Abo muss auch in der bundesligafreien Zeit gezahlt werden. Dann, wenn viele Fan-Kneipen fast leer sind. Nun gehen in ganz Deutschland Wirte auf die Barrikaden – und kündigen das Abo. Auch der Gaststättenverband ist von den überteuerten Vorstellungen des Pay-TV-Senders entsetzt. So viele Biere könne man gar nicht verkaufen, damit sich das Geschäft lohne, sagt der Geschäftsführer des Verband, Christoph Becker. "Eigentlich müssten wir alle unsere Abos abmelden. Vielleicht sieht man dann auch bei Sky ein, dass es so einfach nicht geht", sagt Kreuzer.

Bei Sky gibt man sich gelassen. Die neue Preisstruktur sorge nicht nur für eine Erhöhung, es gebe auch Kneipen, die weniger zahlen müssten. "Es gibt mehrere tausend Bars, wo es künftig günstiger wird", sagt eine Sprecherin stern.de. Das sei nicht nur in ländlichen Gebieten so, sondern schon im Umkreis von größeren Städten würden die Preise fallen. Bis zu 100 Euro monatlichen könne so manch ein Wirt einsparen. Wo genau diese Kneipen sein sollen, sagt die Sky-Sprecherin nicht. Sky gibt keine Zahlen zu den Abonnementen heraus, aber Schätzungen zufolge soll es rund 50.000 Gastronomie-Betriebe mit Fußball-Übertragung geben.

Die Erhöhung der Übertragungsrechte sei eine "faire Preisstruktur", sagt die Sprecherin. Sky hält sich dabei an die Markforschung. Die besagt, dass nicht nur die Größe eine Kneipe miteinzubeziehen sei, sondern drei weitere Faktoren: Die Kaufkraft, die Sportaffinität und die Bevölkerungsdichte in einer Region werden nun zu der Berechnung der monatlichen Gebühren, die sich ab September erhöhen, hinzugenommen. Kurz: Dort, wo viele Menschen leben, dort, wo es Vereine in der ersten und zweiten Bundesliga gibt und dort, wo die Menschen genügend Geld für Kneipenbesuche haben – dort wird es künftig teurer. Günstiger müsste es demnach im Saarland, an den Küstenstreifen von Schleswig-Holstein oder in den weit entlegenen Dörfern von Brandenburg werden – die übrigen Kneipiers müssen wohl mehr zahlen. Oder das Abo kündigen. Einige Wirte haben angekündigt die Bierpreise in den Kneipen zu erhöhen. Für Joachim Kreuzer in Hamburg ist das keine Alternative: "Soll ich dann auch den Bierpreis verdoppeln?"

Sky schreibt Verlust

Es ist nicht die erste Preissteigerung. Bereits 2011 mussten die Wirte durchschnittlich 30 Prozent mehr bezahlen, 2012 würden die Preise um weitere 10 Prozent erhöht. Für die Übertragungsrechte der aktuellen Saison bezahlt Sky 486 Millionen Euro. Erstmals konnte sich der Bezahlsender alle Rechte sichern – also Fernsehen, Internet und mobile Endgeräte. Dafür musste der Sender tief in die Tasche greifen: 216 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Sky steckt in den roten Zahlen, 2014 soll endlich die schwarze Null stehen. Nun bittet man die Wirte zur Kasse.

Dafür biete Sky aber auch ein breiteres Sportangebot. "Wen interessiert denn Beachvollbeyball?", sagt Kreuzer dazu. Er hat gekündigt, aber hofft dennoch, dass es eine Einigung mit dem Bezahlsender geben wird. "Das wäre doch Mist", sagt er. Viele Fußball-Fans in Deutschland sehen das wohl ähnlich.

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