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Hühnchen landen lebendig im Müll

Lebendig in den Müll geworfen oder am Eimer totgeschlagen: Bei einem Wiesenhof-Mäster in Bayern werden schwache Hühner brutal aussortiert wie Recherchen des stern und stern TV zeigen.

Von Johannes Röhrig und Michael Streck

  Sie sind schwach oder krank: In dem Mastbetrieb im Kreis Altötting wurden schwache oder kranke Hühner in den Müll geworfen

Sie sind schwach oder krank: In dem Mastbetrieb im Kreis Altötting wurden schwache oder kranke Hühner in den Müll geworfen

  • Michael Streck
    Michael Streck

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Johannes Röhrig und Michael Streck

Bei einem Lieferanten des größten deutschen Geflügelproduzenten Wiesenhof im bayerischen Kreis Altötting werden schwächliche Tiere lebend in den Müll geworfen. Das berichtet der stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. stern TV widmet sich am Mittwochabend dem Fall. Die Vorwürfe stützen sich auf aktuelle Filmaufnahmen der Tierschutzorganisation "Soko Tierschutz". Die heimlich aufgenommenen Bilder zeigen kranke Tiere und Kadaver im Stall. Zudem wurde der Hofinhaber dabei gefilmt, wie er ein flatterndes Tier in den Müllcontainer schleudert. Andere Aufnahmen dokumentieren, wie eine Hof-Mitarbeiterin versucht, ein zappelndes Tier an einem Eimer totzuschlagen.

Aus dem Müll gerettet

Offensichtlich landen auf dem Hof regelmäßig lebende Tiere im Müll. "Wir stellten fest, dass das Wegwerfen auf diesem Hof Methode hat", sagt Friedrich Mülln vom "Soko Tierschutz". Seit Dezember 2011 bargen die Aktivisten zwölf Hühnchen lebend aus dem Abfallcontainer. Wer so mit Tieren umgeht wie in diesem Mastbetrieb, macht sich strafbar. Nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes droht einem Halter bis zu drei Jahre Haft, wenn er "einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt".

Der frühere Veterinäramtsleiter im Oldenburger Münsterland, Hermann Focke, sieht in dem aktuellen Fall eine neue Stufe der Grausamkeiten erreicht: "Ich habe schon viel gesehen, ganz viel Tierelend, aber so was noch nicht", sagte er gegenüber dem stern: "Es ist ein Symbol für die Zustände in den Mastbetrieben und für die geistige Verwahrlosung des Menschen im Umgang mit Tieren."

PHW-Gruppe kündigt den Vertrag

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte dem stern: "Solche Grausamkeiten in der Massentierhaltung darf es nicht geben." Meyer fordert vom Bund ein strengeres Tierschutzgesetz. Der Mastbetrieb im Kreis Altötting, der insgesamt 80.000 Tiere fasst, beliefert vor allem die PHW-Gruppe mit der Marke Wiesenhof. Er war in der Vergangenheit bereits mehrfach auffällig geworden. Hofbesitzer Franz H. bestreitet die Vorwürfe und lehnte es ab, sich die Filmaufnahmen anzusehen. Die PHW-Gruppe gab auf stern-Anfrage an, das Vertragsverhältnis nach Sichtung des Filmmaterials mit dem Betrieb gekündigt zu haben. Die "Soko Tierschutz" will Anzeige erstatten.

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