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Der Niedergang von Trumps Protztempel

Rien ne va plus: Mit dem Trump Taj Mahal steht ein weiteres Kasino in der US-Glückspielhochburg Atlantic City vor der Schließung. Die Geschichte vom Niedergang sagt auch viel über die umstrittenen Geschäfte des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump aus.

Donald Trumps einstiges Vorzeige-Kasino: das Taj Mahal

Donald Trumps einstiges Vorzeige-Kasino: das Taj Mahal

Am 2. April 1990 steigt in Atlantic City eine Party der Superlative: Hunderte Reporter, 75.000 Fans und Pop-Legende Michael Jackson als Stargast sind gekommen, um das Trump Taj Mahal einzuweihen - das größte und schillerndste aller Kasinos in der US-Glückspielhochburg. "Es ist ein wirklich großer Tag für mich", sagt der stolze Investor und Bauherr Donald Trump einem schwer beeindruckten TV-Reporter, der sich angesichts des Rummels gar an die Ankunft der Beatles in Amerika im Jahre 1963 erinnert fühlt.

Doch Trumps Frisur ist nicht das einzige, was damals noch deutlich besser in Form ist - die ruhmreichen Zeiten in Atlantic City sind lange vorbei. 26 Jahre später ist das Taj Mahal ein runtergekommenes Millionengrab, dessen Eigentümer rasch den Betrieb einstellen wollen. Der Protztempel - bei seiner Eröffnung als "achtes Wunder der Welt" gefeiert - gilt als eine der umstrittensten Wetten des Immobilien-Moguls, TV-Stars und US-Präsidentschaftskandidaten Trump.

"Taj Mahal on strike!"

Die Glitzerfassade des Taj Mahal bröckelt schon lange, hinter den Kulissen sieht es finster aus. Davon können vor allem die Mitarbeiter ein Lied singen. Wie Barmann Keith Fullmer, der hier 16 Jahre lang die Drinks gemixt und die Gäste unterhalten hat. Jetzt demonstriert der 65-Jährige auf der Strandpromenade vor dem Kasino und skandiert mit dem Megafon: "Taj Mahal on strike!" Seit Juli streiken er und seine Kollegen für bessere Arbeitsbedingungen. Doch die wird es wohl kaum geben, die Eigentümergesellschaft will den Betrieb nach dem US-Feiertag "Labor Day" (Montag, 5. September) einstellen.

Der Niedergang von Trumps Luftschloss ist eine Geschichte der hochriskanten Deal-Macherei und des Kasino-Kapitalismus. Sie sagt viel über die Art Geschäfte aus, mit denen sich Trump einen Namen als Baulöwe gemacht hat. Atlantic City ist ein Parkour gescheiterter Trump-Projekte, von seinem einstigen Kasino-Imperium ist nur noch das vor dem Aus stehende Taj Mahal übrig. Trump selbst behauptet indes trotz vier Insolvenzen seiner Kasinogesellschaften großen Erfolg in der Stadt gehabt zu haben. "Das Geld, das ich da rausgeholt habe, war unglaublich", brüstete er sich gegenüber der "New York Times".

Donald Trump und die verbrannte Erde in Atlantic City

Die "Washington Post" nannte sein Kasino-Reich ein "Potemkinsches Dorf", ein großes Versprechen ohne jede Substanz. Die Zeche für Trumps waghalsige Finanzwette hätten aber letztlich andere zahlen müssen - etwa Kleinanleger, die Geld in seine Schrottanleihen steckten. Der Tycoon selbst sieht die Pleiten dagegen als clevere Geschäftsstrategie: "Wir nutzen die Gesetze. Wir eröffnen ein Verfahren, wir verhandeln mit den Banken, wir machen einen fantastischen Deal", sagte er 2011 in der Talkshow "This Week".

Was Atlantic City blieb, ist verbrannte Erde. Trump hat sich zwar schon 2009 weitgehend aus dem dortigen Kasino-Geschäft zurückgezogen. Doch er prägt die Stadt weiter, nicht nur durch das Taj Mahal. Auf einem leerstehenden Betonklotz am westlichen Ende der historischen Strandpromenade etwa, wo früher das Trump Plaza Casino war, finden sich noch die verblassten goldenen Konturen seines Namens. Es ist ein trister Anblick, seit zwei Jahren marodiert das Gebäude vor sich hin und sorgt für gespenstische Atmosphäre auf der Promenade.

Proteste der Taj-Mahal-Arbeiter

Proteste der Taj-Mahal-Arbeiter


Die letzten Anteile hat Trump abgegeben

Die letzten Anteile an der Kasino-Gesellschaft Trump Entertainment Resorts hat Trump im März im Zuge des Insolvenzverfahrens abgegeben. Seitdem zieht sein Kumpel Carl Icahn die Fäden, dem bereits das Tropicana Casino in Atlantic City gehörte. Die New Yorker Milliardäre sind befreundet - als Präsident hätte Trump den Hedgefondsmanager gerne als Finanzminister. Icahn behauptet, mit dem Taj Mahal bereits einen dreistelligen Millionenbetrag verbrannt zu haben. Schuld sei die kompromisslose Gewerkschaft, die eine Sanierung verhindere. Deshalb bleibe keine andere Wahl, als das Kasino zu schließen.

Alles Quatsch, meint Barmann Fullmer. Icahn betreibe ein Manöver, um die Gewerkschaft loszuwerden und mit Billiglöhnern weitermachen zu können. Da sei sogar Trump noch aufrichtiger gewesen: "Trump war einfach nur ein weiterer Drecksack, der sich in Atlantic City bereichern wollte". Icahn hingegen sei dabei, noch viel größeren Schaden anzurichten. "Es geht um 3000 Jobs, die ganze Stadt wird leiden". Altgediente Mitarbeiter, die von Anfang an dabei seien, würden auf der Straße landen. "Man muss verhindern, dass Finanzhaie von der Wall Street die Leben der Menschen hier zerstören."

Hannes Breustedt/DPA
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