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Der Fan zahlt das Arena-Aus

Der Bezahlsender "Arena", Partner der Deutschen Fußball-Liga, ist ökonomisch am Ende. Die Bundesligarechte wird der vormalige Konkurrent "Premiere" übernehmen. Was bedeutet das aber für die Fußball-Finanzen und vor allem für die Fußballfans? Sie müssen sich auf steigende Gebühren einstellen.

Von Bernd Gäbler

  • Bernd Gäbler

In ihrer bisher nur im englischen original vorliegenden Studie "Annual Review of Football Finance" beziffert die internationale Unternehmensberatung Deloitte den europäischen Fußballmarkt auf ein Volumen von 12,6 Milliarden Euro. Von Jahr zu Jahr wächst die Summe um rund eine Milliarde Euro. Mehr als die Hälfte davon haben die fünf führenden Ligen aus England, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien eingenommen.

Bundesliga hat die geringsten TV-Einnahmen

Trotz des neuen Vertrags, für den der Bezahlsender "Arena" 220 Millionen Euro pro Saison für die Live-Übertragung der Bundesligaspiele im Bezahlfernsehen bis zum Jahr 2009 hinblättern musste, bleiben die TV-Einnahmen der Bundesliga die geringsten im Vergleich der "Big-Five"-Ligen in Europa. Das gilt auch für die Spielergehälter, was wiederum geradlinig mit der Attraktivität der Liga zu tun hat.

Und es gibt eine weitere finanzielle Besonderheit in der von Bayern München bis Energie Cottbus reichenden Top-Liga: Der prozentuale Anteil der Sponsorengelder an den Gesamteinnahmen ist nirgendwo so groß wie in Deutschland. In der kommenden Saison fließen den 18 Vereinen sogar 123 Mio. Euro statt bisher 107 Mio. Euro allein für die Trikotwerbung zu. Für das direkte große Geld ist ein funktionierendes Pay-TV der Schlüssel. Für die Sponsoren aber ist die große Reichweite des Fernsehens noch wichtiger.

Die Vereine und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wollen also einen möglichst solventen Pay-TV-Partner haben. Die Sponsoren wollen, dass möglichst viele Zuschauer ihre Trikotwerbung möglichst lange sehen. Rund sechs Millionen regelmäßige Zuschauer einer zeitnahen ARD-Sportschau sind den Werbern wichtiger als eine Millionen Bezahl-Fernseh-Abonnenten mehr oder weniger.

Bisher konnte die Deutsche Fußball-Liga recht optimistisch nach vorne schauen: trotz zeitnaher Sportschau konnten gleichzeitig die Pay-TV-Rechte relativ teuer an "Arena" verkauft werden - und der Markt versprach weiteres Wachstum.

<zwit>Die "Arena"-Pleite: Pay-TV wird teurer

Dass der neue Partner der DFL so schnell ökonomisch in die Knie sinkt, stellt den deutschen Fußball aber vor neue Probleme. Natürlich werden die geschlossenen Verträge eingehalten. Auch wenn "Premiere" die Lizenzen übernimmt, ist an Preisnachlass nicht zu denken. Aber einiges wird sich schon ändern - insbesondere für die Kunden des Bezahlfernsehens. Für sie ist die erste Lehre, die aus dem raschen Ende von "Arena" zu ziehen ist, keineswegs positiv.

"Arena" wollte mit einer Niedrigpreis-Politik punkten. Das Kalkül lautete: Wenn das Abo günstiger wird, kommen schnell mehr Kunden. Offenkundig ging das schief. Obwohl das Fußball-Abo nur etwa halb soviel kostete wie zuvor bei "Premiere" waren es am Ende immer noch gerade einmal ein Drittel soviel Abonnenten. Das "Aus" von "Arena" dürfte auch das "Aus" jeder Niedrigpreis-Politik im Pay-TV sein. Der Rest ist jetzt Verhandlungssache zwischen dem Wieder-Anbieter "Premiere" und den Kunden.

"Premiere" wird Monopolist

"Premiere" schien sich als Sender für ein ordentliches Angebot an Live-Fußball etabliert zu haben. Deswegen forderte sein Chef Georg Kofler auch lautstark mehr Exklusivität, also die ARD-Sportschau zurückzudrängen. Für die DFL erwies es sich da als Segen oder gar als Coup, dass plötzlich der Kabelanbieter Unity Media mit "Arena" einen eigenen Bezahl-Sender aus der Taufe hob. Mit zwei oder mehreren Wettbewerbern verhandelt es sich einfach schicker als nur mit einem. Unabhängig von der Klärung einiger Einzelheiten, wird "Premiere" jetzt de facto wieder Monopolist. Das heißt nicht, dass in Zukunft der Preis für die Bundesliga-Übertragungsrechte sinken wird, wohl aber, dass "Premiere" mit mehr Aussicht auf Erfolg mehr Exklusivität fordern kann, weil davon die künftige Zahl der Abonnenten abhängt. Der eigentliche Kampf wird sich nicht mehr zwischen verschiedenen Pay-TV-Anbietern abspielen. Dafür wird die strukturell ohnehin gegebene Kontroverse zwischen dem Bezahlfernsehen und dem durch Gebühren finanzierten frei empfangbaren Fernsehen auf jeden Fall noch verstärkt werden.

Die Deutsche Fußball-Liga bleibt dabei, die Übertragungsrechte für die Zeit ab 2009 sehr früh auszuschreiben. "Zwei Nachfrager wären uns sicher lieber als einer", bekundet der DFL- Geschäftsführer Christian Seifert schon jetzt, bezieht dies aber nur auf das Pay-TV. Auf die Frage, ob es auch in Zukunft noch eine so zeitnahe Zusammenfassung des Bundesligageschehens in der ARD-Sportschau geben werde, antwortet er gelassen: "Das liegt vor allem an der ARD." Will heißen: daran, was sie zu zahlen bereit ist.

Nähe zum Schlusspfiff wird Privileg

Für die ARD nämlich soll die Zeitnähe zum Schlusspfiff, die allmählich europaweit zum Privileg wird, noch teurer werden. Die Gebühren steigen schließlich stetig, fließen stabil und sind nicht einmal von Quoten abhängig. In Bezug auf die Sportschau ist auch jederzeit gut allerlei Populismus zu mobilisieren. Und die Sponsoren lieben diese von jedermann finanzierte Sendeform ohnehin. Für die ARD selbst ist die frühe Sportschau von fast existenzieller Bedeutung. Die Damen und Herren Intendanten werden schon bald neu darüber nachdenken müssen, wie viel mehr als bisher ihnen der Fußball Wert ist und was sie den Gebührenzahlern noch glauben zumuten zu können.

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