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Ein Zocker aus bestem Hause

Kweku Adoboli hatte die besten Voraussetzungen für ein tolles Leben. Toperziehung, Geld, Spitzenjob. Doch jetzt braucht der Mann, der die UBS betrog, ein Wunder.

Von Mareike Rehberg

  Kweku Adoboli zeigt sich auf Privatfotos in sozialen Netzwerken entspannt

Kweku Adoboli zeigt sich auf Privatfotos in sozialen Netzwerken entspannt

Kweku Adoboli schien zu ahnen, dass er sich in einer aussichtslosen Lage befand. Zwei Tage vor seiner Festnahme am Donnerstag, die just an seinem 31. Geburtstag und genau drei Jahre nach dem Lehman-Brothers-Desaster stattfand, postete der Londoner Investmentbanker der schweizerischen UBS einen letzten Hilferuf auf Facebook: "Ich brauche ein Wunder", schrieb der Händler seinen virtuellen Freunden und lag mit dieser Einschätzung ziemlich richtig. Laut BBC soll Adoboli, der Mitarbeiter des Aktienteams und auf börsennotierte Fonds spezialisiert war, seinen Arbeitgeber sogar selbst darüber informiert haben, dass er diesem mit unerlaubten Wertpapiergeschäften vermutlich einen Verlust von rund 1,46 Milliarden Euro beschert hatte.

Rein äußerlich weist nichts auf die kriminellen Energien, die in dem mutmaßlichen Betrüger stecken, hin. Auf seiner Facebookseite präsentierte sich der gebürtige Ghanaer als Weinkenner und Hobbyfotograf, der in seiner Freizeit eher in Kapuzenpulli und T-Shirt herumläuft als im gebügelten Anzug. "Geboren an einem Mittwoch" bedeutet sein Name in seiner Muttersprache.

Spross einer "anständigen Familie"

Seine Karriere bei der UBS begann der Banker im März 2006 als Trainee, zuletzt arbeitete er nach übereinstimmenden Angaben mehrerer britischer Medien im Bereich "European Equity Trading" und "Delta 1" unter John Hughes, der aus dem Skandal bereits Konsequenzen zog und seinen Hut nahm. Im Jahr 2003 hatte Adoboli an der Universität von Nottingham seinen Bachelor in E-Commerce und Digitalwirtschaft gemacht. Seine Schulzeit verbrachte er im Internat der privaten Ackworth School, einer Quäker-Lehranstalt in West Yorkshire. Dort war der Teenager aus Ghana bei den Lehrern so beliebt, dass er zum Schulsprecher ernannt wurde.

Vater des Verdächtigen ist laut "Daily Mail" der frühere UN-Mitarbeiter John Adoboli. Der äußerte sich gegenüber der Zeitung bestürzt: "Wir sind besorgt, denn wir sind eine anständige und hart arbeitende Familie, ebenso wie Kweku." Er wünsche sich nichts sehnlicher, als mit seinem Sohn zu sprechen, so der Vater, um herauszufinden, wie er in diese Situation kommen konnte.

Parties und teure Wohnungen

Kweku Adoboli hat für einen gut verdienenden Händler offensichtlich angemessen gelebt. Er wohnte bis vor kurzem in einem großen Loft in London, für das er mehr als 1000 Euro pro Woche ausgab. Die Nachrichtenagentur PA zitiert einen ehemaligen Vermieter, der von dem 31-Jährigen als einem "anständigen Mieter" sprach. "Er war ein sehr netter Typ, sehr höflich. Er unterhielt sich mit jedem. Ich habe kein schlechtes Wort über ihn zu verlieren." Allerdings sei Adoboli nicht der ordentlichste gewesen, auch mit seiner Miete sei er öfter in Rückstand geraten, zitiert die "Financial News" den Vermieter.

Nach "Daily Mail"-Informationen beschränkte sich Adobolis luxuriöser Lebenswandel nicht auf teure Wohnungen. Er soll etwa 230.000 Euro und bis zu 450.000 Euro Boni im Jahr verdient haben. Der Ghanaer war offenbar ein Lebemann: Auf zügellosen Partys in seiner Wohnung soll er die Gesellschaft diverser attraktiver Damen genossen haben.

Adoboli war aber nicht nur als Partylöwe, sondern auch als Workaholic bekannt, dem es eher ums Geldverdienen als ums Geldausgeben ging. Sein Fall erinnert frappierend an den des Franzosen Jérôme Kerviel, der der Bank Société Générale mitten in der Finanzkrise im Jahr 2008 einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro zufügte – wie Adoboli auch mit Spekulationsgeschäften. Kerviel verbüßt eine dreijährige Haftstrafe, was mit Kweku Adoboli geschieht, ist noch ungewiss. Er befindet sich jetzt erst einmal in Polizeigewahrsam.

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