11. Oktober 2012, 12:16 Uhr

Lufthansa verlagert Flüge auf Billigtochter Germanwings

Um gegen Billigairlines wie Easyjet und Ryanair zu punkten, verschiebt Lufthansa große Teile des defizitären Kurzstreckenprogramms auf die Tochter Germanwings. Grund: Dort gelten niedrigere Tarife.

Lufthansa, Germanwings, Streik, Tarife, Flugbegleiter, Piloten, Billigflieger

Laut Lufthansa-Chef Christoph Franz sollen rund 1000 Flugbegleiter und 300 Piloten ihre Jobs wechseln, in den meisten Fällen zu Germanwings.©

Die Lufthansa verlagert einen großen Teil ihres Kurz- und Mittelstreckenverkehrs auf ihre Tochter Germanwings. Abseits der Drehkreuze Frankfurt und München solle das Angebot von Direktverbindungen ab dem kommenden Jahr in einer aufgewerteten Germanwings unter dem Motto "günstig, aber nicht billig" zusammengeführt werden, teilte Europas größte Fluggesellschaft am Donnerstag in Frankfurt mit. Mit 90 Flugzeugen sollen 18 Millionen Passagiere pro Jahr befördert werden. Damit will Lufthansa gegen Billigairlines wie Easyjet und Ryanair punkten.

Laut Lufthansa-Chef Christoph Franz sollen rund 1000 Flugbegleiter und 300 Piloten ihre Jobs wechseln, in den meisten Fällen zu Germanwings. Ihnen würde aber auch Angebote zum Wechsel in den Lufthansa-Drehkreuzverkehr oder zum Ausscheiden gemacht. Das Bodenpersonal an den dezentralen Standorten bleibe bei Lufthansa angestellt. Zum Wechsel müssen auch rund 30 Lufthansa-Jets umlackiert werden, was nach und nach geplant ist. Zudem wird die Tochter Eurowings für die neu organisierte Direktflugtochter fliegen. Spätestens 2015 soll so wieder ein Gewinn bei den langjährig defizitären Direktverbindungen eingeflogen werden, kündigte Franz an.

"Ganz neues Erpressungspotenzial"

Das Vorgehen gefährde die laufende Schlichtung in dem Tarifkonflikt von rund 18.000 Flugbegleitern der Lufthansa, erklärte der Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies. Die Lufthansa habe auch die Entlassung von Flugbegleitern bei der nicht ausgelasteten Kerngesellschaft Lufthansa Passage angedroht. Damit ergebe sich ein "ganz neues Erpressungspotenzial". Franz sagte hingegen, dass er nichts von Entlassungsdrohungen wisse.

Ufo hatte vor wenigen Wochen den ersten Flugbegleiter-Streik in der Lufthansa-Geschichte gestartet, bei dem mehr als 1000 Flüge ausfielen. Nun habe sich die Geschäftsgrundlage massiv geändert, sagte Baublies. Es müsse vorrangig darum gehen, Entlassungen zu verhindern und Nachteile zu vermeiden für die Kollegen, die in die Billigtochter abgeschoben werden sollen. Die Gewerkschaft rechnet damit, dass rund 1200 Flugbegleiter der Lufthansa für das neue Direktflugangebot in die mit schlechteren Tarifbedingungen ausgestattete Germanwings wechseln müssten.

Lufthansa konzentriert sich auf Langstreckenflüge

In der Fläche ihres deutschen Heimatmarktes an Flughäfen wie Berlin, Hamburg, Köln oder Stuttgart wird die Marke Lufthansa künftig weniger präsent sein. Das Kernunternehmen Lufthansa Passage soll sich künftig auf die Langstreckenflüge ab Frankfurt, München und Düsseldorf und alle Zubringerverbindungen aus Frankfurt und München konzentrieren.

An der Germanwings-Spitze soll es keine Veränderungen geben. Thomas Winkelmann, Axel Schmidt und Oliver Wagner sollen den Umbau der Fluglinie gemeinsam begleiten.

kmi/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Interner Umbau Lufthansa hat keine weiteren Übernahmepläne

Weder die SAS noch die Tap: Lufthansa-Chef Franz entkräftete Übernahmegerüchte von Konkurrenten. Der Umbau des Unternehmens sei derzeit wichtiger. Bei den Gewerkschaften schrillen die Alarmglocken.

Germanwings statt Lufthansa Was Passagiere jetzt wissen müssen

Lufthansa zieht sich ab 1. Juli aus vielen Kurz- und Mittelstrecken zurück und übergibt ihre Flüge an die Billigtochter Germanwings. stern.de erklärt, was sich für Fluggäste ändert.

Flugzeugessen Warum Tomatensaft so beliebt ist

Eine Testreihe des Fraunhofer-Instituts im Auftrag der Lufthansa hat offenbar das Rätsel gelöst, warum in Flugzeugen so gerne Tomatensaft bestellt wird.

Furcht vor Öldämpfen Lufthansa bessert A380-Flotte nach

Auf Flügen von und nach Singapur hat es häufiger Beschwerden gegeben: Wegen der Gefahr von Öldämpfen an Bord des Airbus A380 rüstet Lufthansa alle Triebwerke ihrer doppelstöckigen Großraumjets nach.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?