stern.de fragte bei Unilever-Sprecherin Katja Praefke nach, warum die Produktmengen bei Olivenöl und Pinienkernen so extrem niedrig sind. "Wichtig ist uns, dass sich der Verbraucher im Geschmack wieder findet", sagt Praefke. "Es soll so schmecken, wie sich der deutsche Verbraucher, eine italienische Pesto vorstellt. Das ist uns gelungen." Als Massenartikelhersteller müsse man einen "guten Mittelweg" finden. Nur dann könne man das Preissegment bedienen, das die Verbraucher auch bereit sind zu bezahlen. "Man muss realistisch sein. Wir sind doch kein Feinkostgeschäft", sagt Praefke. "Absolut üblich" beurteilt die Sprecherin beispielsweise die Beimengung von Cashewkernen. "Auf der Verpackung steht alles drauf. Der Verbraucher muss es nur nachlesen."
Einen ähnlichen Fall hat es bei Barilla gegeben. Deren Produkt "Pesto alla Genovese" wurde mit Olivenöl und Pinienkernen beworben, vor allem auf der Internetseite. Verwendet wurden aber auch hier andere Öle, wie etwa Sonnenblumenöl und Cashewnüsse. Ein Fax von "foodwatch" bewirkte, dass der Text auf der deutschen Website geändert wurde. Dort ist nun nicht mehr von Pinienkernen und Olivenöl die Rede. Die Cashewnüsse werden benannt, das Öl gar nicht mehr erwähnt. "Wir verbuchen das auf jeden Fall als Erfolg, denn die ganz explizite Irreführung unterlässt 'Barilla' nun", sagt Markwardt.
Der deutsche Firmensprecher Luca Zanetti schrieb außerdem in einem Fax an die Verbraucherschützer aus Berlin: "Das Pesto alla Genovese entspricht einer freien kulinarischen Interpretation des traditionellen Rezepts aus Ligurien." stern.de bekam auf Anfrage eine Antwort des italienischen Firmensprechers Giuseppe Coccon. Die Verwendung von Sonnenblumen- statt Olivenöl wird so begründet: "Wir bevorzugen die Verwendung von Sonnenblumenöl anstelle von Olivenöl, weil es einen sehr neutralen Duft und Geschmack hat.
Dadurch können die anderen Zutaten besser zur Geltung kommen." Zum Thema Pinienkerne lautet die Begründung: "Bis vor kurzer Zeit haben wir Pinienkerne verwendet, aber wir hatten Befürchtung in Bezug auf deren Stabilität. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, das Rezept zu ändern und Cashewnüsse zu verwenden, um ein sicheres und besseres Produkt zu erhalten." Was man natürlich den Verbrauchern auch rechtzeitig hätte mitteilen können.
Manch einer wird sich vielleicht denken: "Was soll's, Hauptsache es schmeckt." So kann man es natürlich auch sehen. Der körperlichen Gesundheit schaden solche Verschleierungstaktiken jedenfalls nicht. Tatsächlich sieht sich Foodwatch in seiner "abgespeist"-Kampagne auch nicht hauptsächlich in der Rolle des Gesundheitswächters. Vor allem will die Organisation die Lebensmittelhersteller zu mehr Ehrlichkeit auffordern und den Verbrauchern bewusster machen, dass da noch einiges im Argen liegt. "Der Kunde darf und sollte darauf bestehen, dass Versprechen, die Firmen geben, auch eingehalten werden", sagt Markwardt.