20. Februar 2007, 15:05 Uhr

Verwirrung und scharfe Töne

Die Äußerungen des französischen Premiers de Villepin, dass bei Airbus 10.000 Stellen abgebaut werden sollen, werden von verschiedenen Seiten dementiert und kritisiert. Doch auch aus Frankreich kommen scharfe Töne: Der Großaktionär Lagardère kündigt ein "kompromissloses Vertreten französischer Interessen" an.

Auch in der Airbus-Fabrik in Saint-Nazaire, Westfrankreich, herrscht Sorge wegen der Entlassungspläne©

Verwirrung um das Airbus-Sparprogramm: Der krisengeplagte Flugzeugbauer will nach Angaben der französischen Regierung europaweit 10.000 Stellen streichen. "Das sieht der Plan vor", sagte Premierminister Dominique de Villepin in einem Radio-Interview. Dagegen erklärte die Bundesregierung, dass über eine Stellenstreichung noch nicht entschieden sei. Alle Berichte darüber "beruhen lediglich auf Spekulationen", sagte Regierungssprecher Thomas Steg. Im Streit über die Aufteilung der Produktion sucht Unternehmenschef Louis Gallois nach einem neuen Kompromiss, wie aus französischen Insiderkreisen verlautete.

EADS und Airbus teilten auch am Dienstag nicht mit, wann das Sanierungsprogramm "Power8" voraussichtlich fertig wird. Nach vorliegenden offiziellen Angaben ist zwischen Deutschland und Frankreich vor allem die Arbeitsteilung beim geplanten Langstreckenflugzeug A350 umstritten, das erstmals 2013 fliegen soll.

Streit um Standorte

Informationen von manager-magazin.de zufolge ist "Power8" vor allem vom EADS-Co-Verwaltungsratschef Manfred Bischoff gestoppt worden - und zwar auch wegen unterschiedlicher Auffassungen über den künftigen Produktionsstandort des Modells A320. Bischoff, der für Großaktionär DaimlerChrysler im Verwaltungsrat sitzt, sei verärgert, dass der A320 den Plänen von Airbus-Chef Louis Gallois zufolge weiter in Toulouse gebaut werden soll - und nicht in Hamburg, wo die Schwestermodelle A318, A319 und A321 entstehen, berichtet das Online- Magazin unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Er könne beim besten Willen nicht sagen, woher Villepin seine Informationen habe, sagte Regierungssprecher Steg. Es sei bemerkenswert, dass auch der deutsche Co-Vorsitzende des Mutterkonzerns EADS, Tom Enders, erklärt habe, dass er diese Zahlen nicht bestätigen könne. Villepins Angaben seien wohl "vermutete, unterstellte Zahlen". Die Bundesregierung setze sich dafür ein, dass es eine Balance zwischen den beteiligten Parteien gebe. Die Verantwortung für die unternehmerischen Entscheidungen könne und wolle die Politik nicht übernehmen. "Gefordert ist jetzt die Unternehmensspitze", sagte Steg.

Die Airbus-Krise wird auch am Freitag beim Treffen von Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac bei Berlin Thema sein. Villepin sagte, er habe Gallois klar gemacht, dass es keine Entlassungen geben dürfe und forderte eine ausgewogene Aufteilung der Sparmaßnahmen, über die schnell entschieden werden soll. Dagegen sagte Steg, Qualität müsse vor Schnelligkeit gehen. Gewerkschaften hatten vor bis zu 12.000 Entlassungen gewarnt. Das Unternehmen selbst erklärte am Dienstag, die Zahl 10.000 sei noch nicht endgültig.

Deutsche Arbeitnehmer-Vertreter kritisierten Politik und Unternehmen. "Es ist absolut nicht hilfreich, dass Leute über Zahlen spekulieren, die nicht nachvollziehbar sind", sagte der Betriebsratschef des Airbus-Werkes in Nordenham, Michael Eilers. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung könnte das Hamburger Werk vergleichsweise glimpflich davonkommen: An dem Standort sollen weniger als 1.000 Arbeitsplätze wegfallen, die Werke in Nordenham und Varel dagegen verkauft werden. Bei den Verhandlungen des EADS-Vorstands über "Power 8" waren weniger als die Hälfte der Mitglieder von den Gallois-Plänen überzeugt, wie die Nachrichtenagentur AP aus deutschen Insiderkreisen erfuhr.

Französischer Hauptaktionär auf Konfrontationskurs

Widerstand regte sich beim Großaktionär DaimlerChrysler und EADS-Co-Chef Enders. Hauptgründe waren Zweifel an den Einsparzielen und Gallois' Wunsch, große Anteile an der Rumpfproduktion des A350 nach Frankreich zu verlegen. Der französische EADS-Co-Aufsichtsratschef und Großaktionär Arnaud Lagardère ging unterdessen auf Konfrontationskurs. "Was die französischen Interessen betrifft, da sind wir unerbittlich", sagte er der Zeitung "Le Monde". Die Lagardère-Gruppe und der französische Staat würden Gallois vollständig unterstützen. Der Mischkonzern und Paris halten an EADS 22,5 Prozent. Der A350 ist der erste Airbus, der hauptsächlich aus Kunststoff hergestellt wird. Enders hatte am Montag gefordert, dass nicht nur die Lasten, sondern auch die industriellen und technologischen Kernaktivitäten ausgewogen aufgeteilt werden.

AP/DPA
 
 
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