Deutsche Apotheker machen gegen eine Marktöffnung Front und haben vor dem Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht. stern.de sprach mit dem Chef des Discounters Easy-Apotheke, Oliver Blume, über die Zukunft des deutschen Marktes und die Chancen ausländischer Anbieter.

Die Apothekenbranche in Deutschland steht vor einem großen Umbruch© Rolf Vennenbernd/DPA
Eine Apotheke ohne Profil wird meiner Meinung nach zu den Verlierern zählen. Auffallen werden nur noch Marken oder Ketten mit einem klaren Profil. Durch deren einheitliche Werbung werden sie die meisten Kunden anziehen.
Pharmagroßhändler, das sind jene, die derzeit im Ausland die meisten Apotheken besitzen. Daneben haben Einzelhandelsketten und Pharmafirmen sicherlich auch Pläne. Es geht schließlich um den drittgrößten Pharmamarkt der Welt mit 40 Milliarden Euro Umsatz.
Der Markt wird sich komplett verändern. Die Apotheken werden sich entweder zu größeren Kooperationen oder Franchiseunternehmen zusammenschließen mit einem einheitlichen Markenauftritt - oder sie werden sicherlich gekauft werden. Den Markt werden sehr schnell ausländische Ketten dominieren.
Bis jetzt hatte der keinen Wettbewerb, allenfalls zu den regionalen Kollegen - die aber die komplett gleiche Dienstleistung angeboten haben. Er musste nur durch besseren Service auffallen. Heute können andere Handelsformen mit Marketing und Markenauftritten sein Geschäft komplett kaputtmachen. Auf einmal muss er wie ein großer Markenartikler agieren - das hat er nicht gelernt.
Wir wollen in Fachmarktzentren mit viel Betrieb. Dort wo Discounter, Drogerien und Biomärkte sind.
In diesen Lagen gab es aber bislang keine Apotheken. Wir haben festgestellt, dass man dort die höchsten Kundenzahlen und Umsätze hat.
In einer normalen stationären Apotheke liegt der Anteil am Umsatz, der mit rezeptpflichtigen Arzneien erzielt, bei rund 70 bis 80 Prozent. Bei uns sind das nur 20 Prozent.
Zwischen 1,5 und 3 Millionen Euro im Jahr. Wir stehen aber erst am Anfang. Jetzt erweitern wir und versuchen bei den Eröffnungen an die Schlagzahlen von Drogerien wie Rossmann oder DM zu kommen: rund 100 neue Apotheken pro Jahr. Im Schnitt kommen zwischen 300-800 Kunden pro Tag in eine Filiale. In der durchschnittlichen Apotheke sind es im Schnitt 150 Kunden.
Jetzt haben wir 21 Apotheken, zum Jahresende zwischen 40 und 50. Allein neun Expansionsleiter suchen zurzeit Mietflächen.
Interview: Axel Hildebrand
Zur Person Oliver Blume ist Vorstandsvorsitzender des Discounters Easy-Apotheke. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der erste Betreiber von Discount-Apotheken auf dem deutschen Markt. Der 43-Jährige gründete die Firma 2006, die fünf Aktionären gehört, wobei Blume die Mehrheit besitzt. Bislang laufen die Filialen als Kooperation. Kippt der Europäische Gerichtshof das Fremd- und Mehrbesitzverbot, werden Franchisenehmer die Filialen führen - und einen einstelligen Prozentsatz am Umsatz an Blumes Firma überweisen.