30. Mai 2007, 07:33 Uhr

"Ich war als Lobbyist für Siemens tätig"

Arbeitnehmerfunktionär Wilhelm Schelsky nimmt im stern erstmals Stellung zu den Millionen-Honoraren von Siemens. Mit den Zahlungen sollte direkt die arbeitgeberfreundliche Gewerkschaft gestärkt werden, so der AUB-Chef.

Mit den Zahlungen an Schelsky hatte sich Siemens eine sehr bequeme Haus-Gewerkschaft herangezüchtet©

In der Affäre um verdeckte Zahlungen zu Gunsten der arbeitgeberfreundlichen Betriebsrats-Organisation AUB hat dessen langjähriger Chef Wilhelm Schelsky zugegeben, im Auftrag von Siemens gehandelt zu haben. Das berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe. Der eigentliche Zweck der Millionen-Honorare, die Schelsky über Jahre von Siemens erhielt, habe in der Stärkung der AUB bestanden, gab er zu Protokoll. Schelsky zum stern: "Ich sollte mit dem Geld eine Dachorganisation aufbauen. Und das habe ich getan." Dabei belastet er die Konzern-Führung: "Ich war verdeckt als Lobbyist für Siemens tätig. Es gab einen klaren Auftrag aus der Konzernspitze. Der Plan kam aus dem Zentralvorstand."

45 Millionen Euro kassiert

Es ist das erste Mal seit seiner Verhaftung Mitte Februar 2007, dass Schelsky sich öffentlich äußert. Über Berater-Firmen hatte der heute 58-Jährige allein seit 2001 angeblich rund 45 Millionen Euro von Siemens kassiert. Ihm wird Steuerhinterziehung und Beihilfe zu Untreue vorgeworfen.

Juristisch könnte es darauf ankommen, ob Schelsky das Geld nur nach Siemens-Anweisung an die AUB weitergereicht hat oder darüber weitgehend frei verfügen konnte. Dazu Schelsky: "Ich war von Siemens vollständig unabhängig in der Ausgestaltung meiner Auftragserfüllung. Es gab weder Vorschriften über die Inhalte meiner Tätigkeit noch eine Aufforderung, Bericht zu erstatten. Man hat mir vertraut." Konkrete Entscheidungen von Betriebsräten seien nicht erkauft worden, behauptet Schelsky.

Siemens-Vorstand bestätigt Schelsky-Version

Nach Informationen des stern bestätigt auch Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer, der ebenfalls zum Kreis der Beschuldigten zählt, gegenüber der Staatsanwaltschaft Nürnberg, der eigentliche Zweck der vorgeblichen Beraterhonorare sei die Finanzierung von Schelsky gewesen, damit der sich um die Stärkung des Betriebsräte-Verbundes AUB kümmere. Feldmayer, der den umstrittenen Berater-Vertrag aus dem Jahr 2001 unterschrieben hat, habe "die Sache historisch übernommen", sagte dessen Anwalt Martin Reymann-Brauer. Die Überweisungen an Schelsky reichen bis Anfang der 90er Jahre, weit vor Feldmayers Zeit, zurück.

Schelsky hat die AUB im großen Stil subventioniert. Über seine Firma "Schelsky Unternehmensberatung" zahlte er jahrelang AUB-Mitarbeitergehälter. Zudem wurden Hotelkosten und Referenten-Honorare, die bei Betriebsräte-Schulungen der AUB anfielen, nach stern-Informationen oftmals direkt Schelsky in Rechnung gestellt. Das Seminar-Angebot für Betriebsräte ist eine der Haupteinnahmequellen der AUB, da die Fortbildung von den jeweiligen Unternehmen vergütet wird. Dank der Kostenübernahme durch Schelsky wuchs so der Gewinn, den die AUB mit den Schulungen machte, beträchtlich.

Im aktuellen stern-Heft lesen Sie das ganze Geschichte. Außerdem alles über den G8-Gipfel in Heiligendamm, die öffentliche Affäre Horst Seehofers und vieles mehr.

 
 
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KOMMENTARE (4 von 4)
 
gibtsdochgarnicht (01.06.2007, 10:55 Uhr)
AUB: Ahnungslos, unbedarft, blöd - oder doch nicht?
Der Gipfel der Unverfrorenheit ist neben der Tatsache, dass sich Siemens einen Betriebsrat kauft, die angebliche Ahnungslosigkeit der Handlangerpseudogewerkschaft AUB, die in Ihrer Stellungnahme (http://www.aub.de/web/ww/de/pub/content2926.htm) zum STERN-Bericht folgendes behauptet:
„Offensichtlich hat er (gemeint ist Schelsky) ... mit seiner Unternehmensberatung ein Finanzierungs- und Sponsoringsystem gewählt, bei dem keine Gelder über unseren Haushalt geflossen sind und von dem der Vorstand und die Mitglieder keine Kenntnisse hatten. Die Höhe der finanziellen Leistungen ist uns nicht bekannt und wir nehmen sie mit Befremden zur Kenntnis.“
Wenn die AUB wirklich so ahnungslos war, wie sie jetzt tut, würde dies heißen:
1. Die AUB hat wissentlich einen erheblichen Teil ihrer Vereinskosten durch Mittel finanzieren lassen, die in ihrem Rechenwerk nicht auftauchten. Wissentlich allein schon deshalb, weil ja irgendwer in der AUB entschieden haben muss, für welche Aktivitäten wie viel Geld ausgegeben wird und wie diese bezahlt werden.
2. Gleichzeitig hat die AUB nicht nachgefragt, warum Herr Schelsky sie so großzügig unterstützt hat.
Unglaubwürdiger geht’s nicht: Man kann etwas auch deshalb nicht wissen, weil man es nicht wissen will.
Interessant am Rand: Im allgemein zugänglichen Teil der AUB-Website findet sich kein Jahres-, Rechenschafts-, Finanz- oder Geschäftsbericht. Warum wohl?
FritzBoing (31.05.2007, 11:39 Uhr)
Endlich ist es raus!
Eigentlich hat es ja jeder gewußt, aber beweisen konnte man es eben nicht. Das dieser komische Kumpel sich nun wieder selber ins Rampenlicht bringt zeigt, wie notorisch dieser Mensch gestrickt sein muss. Und dass die anderen in der AUB von alle dem nichts gewußt haben wollen ist die absolute Lachplatte. Wie wurden denn die aufwändigen Werbematerialien finanziert , ebenso die Zentralestelle, wenn es keinen adäquaten Mitgliedsbeitrag gab? Alles blauäugige Besserwisser die in einem funktionierenden und für die MitarbeiterInnen erfolgreichen Betriebsrat nichts zu suchen haben.
oromer (30.05.2007, 09:55 Uhr)
Siemens-Klungel
Wer weiss was noch so ans Licht kommt. Deutsche Saubermänner im Nadelstreifenanzug gibt es nicht nur bei Siemens,aber alle haben gute Freunde wenns dann vor den Kadi geht.Da zählt das wie ein Diebstahl bei Aldi..
oromer
tagora-sagittara (30.05.2007, 08:27 Uhr)
wussten wir schon,...
wundert uns jetzt nicht mehr wirklich!! Vieleicht bringt die Geschichte ja noch was bei St. Raab??...
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