Die streikenden Lokführer sorgen für Stillstand auf der Schiene. Am Wochenende und am Montag bleiben Bahnfahrer allerdings von Streiks verschont. stern.de informiert über deren Auswirkungen und gibt Tipps zum Umgang mit dem Streik.

Pendler und Fernreisende schauen sich trotz des Ersatzfahrplans der Bahn vielerorts nach alternativen Reisemöglichkeiten um© Thomas Lohnes/DDP
Lokführer-Streik und trotzdem wenig los auf den Straßen: Beim ADAC zeigten sich Experten am Freitag ratlos angesichts der eher ruhigen Lage auf den deutschen Autobahnen und Straßen. Expertin Maxi Hartung sagte in München: "Es ist sehr untypisch, und wir können uns das kaum erklären." Sie mutmaßte, dass viele Pendler einen Resturlaubstag genommen hatten. "Warum sonst hätte heute weniger los sein sollen als an einem normalen Freitag?"
Am frühen Nachmittag gab es dennoch mehrere Staus mit mehr als zehn Kilometern Länge auf Deutschlands Autobahnen, beispielsweise auf der A 8 München-Stuttgart, der A 1 Bremen-Osnabrück oder der A 72 Zwickau-Chemnitz. Für das Wochenende rechnete der Automobilclub weiter mit einer entspannten Situation. "Nirgendwo in Deutschland sind Ferien, und die Ski-Saison hat noch nicht wirklich begonnen."
Bereits am Donnerstag waren viele Pendler früher als sonst losgefahren und hatten damit den Berufsverkehr entzerrt. Dies war an allen Streiktagen bei der Bahn in den vergangenen Monate der Fall. Auf der Internetseite des ADAC können Autofahrer sich über die aktuelle Verkehrslage informieren.
Der bislang größte Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn hat bundesweit zu massiven Einschränkungen im Schienenverkehr geführt. In Ostdeutschland hat die GDL mit ihrem Arbeitskampf den Verkehr nahezu lahmgelegt: Dort fahre nur etwa jeder fünfte Regionalzug, in Westdeutschland sei dagegen jede zweite Bahn unterwegs, sagte ein Bahnsprecher. Am wenigsten bekämen Rheinland-Pfalz und das Saarland die Auswirkungen zu spüren, dort seien etwa 80 Prozent der Züge im Einsatz. Detailliertere Informationen zu der Situation in einzelnen Bundesländern und Städten finden Sie hier.
Im S-Bahnverkehr gab es am Freitagmorgen erneut massive Einschränkungen. In Hamburg und in Nordrhein-Westfalen rolle etwa jeder zweite Zug, in Frankfurt, München und Stuttgart jeder dritte, sagte der Bahnsprecher. In der Berliner Innenstadt seien die S-Bahnen im 20- Minuten-Takt unterwegs, in den Außenbereichen im 40-Minuten- Takt. Im Fernverkehr fahre erneut etwa ein Drittel aller Züge, vor allem ICE. Um die Folgen des Streiks zu mildern, setzt die Bahn rund 500 Busse ein.
Der Streik im Fern- und Nahverkehr soll bis zum Samstag um 2.00 Uhr dauern. Auch im Güterverkehr soll der Streik am Samstagmorgen enden. Die GDL drohte schon vor Ende der Streikwelle mit einem unbefristeten Ausstand - möglicherweise bereits von Anfang nächster Woche an. Viele Lokführer forderten einen unbefristeten Streik, sagte eine GDL-Sprecherin am Freitag in Frankfurt. Die Gewerkschaft werde allerdings erst am Montag über neue Arbeitsniederlegungen entscheiden. Die Gewerkschaft will mit den Arbeitsniederlegungen einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und bis zu 31 Prozent mehr Geld durchsetzen.
| Stadt/Region | Situation im Personenverkehr |
| Berlin | In der Innenstadt fahren die S-Bahnen im 20- Minuten-Takt, in den Außenbereichen im 40-Minuten-Takt. |
| Dresden | Nur ein Drittel aller S-Bahnen fahren. |
| Halle | Zwei Drittel der S-Bahnen fallen aus. |
| Hamburg | Die Hälfte der S-Bahnen und Nahverkehrszüge sowie zwei Drittel der Fernzüge fahren. Bei der Hamburger S-Bahn bliebe es beim 20-Minuten-Takt. |
| Frankfurt | Es fährt nur etwa jede dritte S-Bahn |
| Kiel | Die Regionalbahnen nach Preetz und Eckernförde fallen aus, ebenso der ICE nach München. |
| Leipzig | Nur jede dritte S-Bahn fährt. |
| München | Die S-Bahnen fahren im Stundentakt. Nur die S8 von Pasing zum Flughafen fährt alle 20 Minuten. |
| Nordrhein-Westfalen | Etwa die Hälfte aller S-Bahnen fährt. |
| Nürnberg | Laut einer Bahnsprecherin sollen zwei Zügen pro S-Bahn-Linie und Stunde fahren. |
| Ostdeutschland | Nur etwa jeder fünfte Regionalzug fährt. |
| Schleswig-Holstein | Etwa die Hälfte der S-Bahnen und Nahverkehrszüge sowie zwei Drittel der Fernzüge fahren. Auf den Regionalexpress-Strecken Hamburg-Lübeck, Hamburg-Kiel, Hamburg- Flensburg sowie Kiel-Lübeck fahren alle Züge. Andere Regionalbahnlinien verkehren stündlich, teilweise werden Ersatzbusse eingesetzt. |
| Stuttgart | Es fährt nur etwa jede dritte S-Bahn. |
| Westdeutschland | Etwa jeder zweite Regionalzug fährt. |