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17. November 2009, 22:30 Uhr

Banken ziehen 100.000 Kreditkarten ein

Gigantische Rückrufaktion: Aus Angst vor Datenmissbrauch bei einem spanischen Dienstleister ziehen deutsche Banken - allen voran die Volks- und Raiffeisenbanken - 100.000 Kreditkarten aus dem Verkehr.

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Kriminelle könnten bei einem spanischen Dienstleister Daten deutscher Kunden geklaut haben© Colourbox

Aus Angst vor Datenmissbrauch haben deutsche Banken die bislang größte Umtauschaktion von Kreditkarten in Deutschland gestartet. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) ziehen allein die Volks- und Raiffeisenbanken wegen des Verdachts auf Datenklau bei einem Dienstleister in Spanien rund 60.000 der von ihnen ausgegebenen Kreditkarten aus dem Verkehr. Dies bestätigte ein Sprecher des genossenschaftlichen Bankenverbands BVR.

Der Massenrückruf wirft Fragen hinsichtlich der Sicherheit von Kreditkartendaten auf. Mit der Reaktion der Volks- und Raiffeisenbanken steigt die Zahl der vorsorglich eingezogenen Karten auf mehr als 100.000. Bereits im Oktober hatte die KarstadtQuelle Bank 15.000 Plastikkarten aus dem Verkehr gezogen. In der Vorwoche gab die Deutschlandtochter von Barclays bekannt, ebenfalls Tausende Karten auszutauschen.

Am Wochenende räumte zudem die Lufthansa ein, Tausende ihrer Miles-and-More-Karten mit Bezahlfunktion zurückzunehmen. Kooperationspartner der Fluglinie ist die Deutsche Kreditbank. Auch ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte auf Nachfrage, dass derzeit mehr Kreditkarten ausgetauscht würden als üblich. Die Commerzbank hat Anfang November ebenfalls Karten vorsorglich eingezogen. Es seien aber weniger als bei Wettbewerbern, so ein Sprecher.

Betroffen sind zunächst Karten von Visa und Mastercard, die in den vergangenen Monaten in Spanien genutzt wurden. Der Kreditkartenbetreiber Visa hatte die Banken vor rund vier Wochen gewarnt, es gebe Hinweise auf Ungereimtheiten bei einem sogenannten Prozessor in Spanien. Ein Kartenprozessor ist ein Unternehmen, das Kreditkartenzahlungen abwickelt und dafür sorgt, dass Einzelhändler ihr Geld bekommen oder dass etwa bei Abhebungen am Automaten das entsprechende Konto des Kunden belastet wird.

Möglicherweise wurden bei dem spanischen Dienstleister Kundendaten abgegriffen. Unklar ist noch, um welches Unternehmen es sich handelt und auf welche Weise Kartendaten gestohlen wurden. Visa lehnte eine Stellungnahme mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen ab.

Reine Vorsichtsmaßnahme

Gefährdet sind nach FTD-Informationen nicht nur Karten, die in Spanien genutzt wurden. Betroffen sein könnten auch Kreditkarten, die beim Einkauf in Deutschland eingesetzt wurden, wenn der Handelspartner seinen Zahlungsverkehr über den Dienstleister in Spanien abgewickelt hat. Insbesondere bei Großunternehmen gibt es den Trend, Dienstleistungen wie den Zahlungsverkehr zu zentralisieren.

Die Kreditkartenfirmen versenden bei Missbrauchsverdacht regelmäßig Warnungen an die Banken. Dies geschieht mehrmals pro Jahr. Über Sicherheitsvorkehrungen entscheidet jedes Kreditinstitut selbst. Die hohe Zahl der ausgetauschten Karten deutet darauf hin, dass im aktuellen Fall ein größeres Sicherheitsrisiko besteht.

Die Banken ziehen Kreditkarten bei Betrugsverdacht inzwischen deutlich schneller aus dem Verkehr. Grund dafür ist die stark gestiegene Zahl von Missbrauchsfällen in den vergangenen eineinhalb Jahren. Nach Angaben der EU-Agentur für Informationssicherheit (Enisa) nahmen 2008 allein die Betrügereien im Zusammenhang mit Geldautomaten europaweit um 149 Prozent zu. Dadurch entstand der Branche ein Schaden von 485 Mio. Euro, elf Prozent mehr als 2007.

Bei der momentanen Umtauschaktion handelt es sich nach Angabe der betroffenen Banken um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Bislang seien keine Schäden bekannt, sagte ein Sprecher des Zentralen Kreditausschusses. Die Institute ersetzten die Karten präventiv, um einen möglichen Datenmissbrauch auszuschließen. Für eventuelle Schäden hafte ausschließlich die Bank.

Gefunden in ... ... der Financial Times Deutschland

Von Karsten Röbisch und Doris Grass
 
 
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