Ausländische Investoren wollen einsteigen. Mit gutem Grund. Die Bahn ist mehr wert, als sie kosten soll. Hartmut Mehdorn kann es kaum erwarten. Von Interview: Norbert Höfler, Jan Boris Wintzenburg

Mehdorns Versprechen: "Die Bahn wird pünktlicher, sauberer, noch sicherer - nur nicht billiger." Das Foto zeigt den Bahnchef an Gleis 14 im neuen Berliner Hauptbahnhof© Jens Neumann
Die Bahn braucht ständig Geld. Züge, Gleise und Anlagen müssen erhalten und modernisiert werden. Die Bahn hat vor zwölf Jahren aufgehört, eine Behörde zu sein. Sie muss wachsen - wie jedes andere Unternehmen auch. Außerdem ist der Bund - ich will es mal lieb ausdrücken - in Geldnot. Deshalb sagen wir: Hey, Bund, verkauf einen Teil deines Vermögens, damit wir uns frisches Kapital aus dem Markt holen können - zum Wohle von Kunden und Steuerzahlern.
Wenn Sie so wollen. Tatsächlich stehen Aktienanteile zum Verkauf. Auf den Aktien steht nicht drauf, ob sie Schiene oder Bahnhof sind. Es geht um ein Unternehmen, das in diesem Jahr einen Umsatz von über 28 Milliarden Euro und kräftig steigende Gewinne machen wird.
Er profitiert davon, dass wir mit neuem Kapital den Modernisierungsprozess der Bahn fortsetzen können. Der Kunde bekommt einen besseren Service und fährt pünktlicher, sauberer und noch sicherer.
Es wird sicher nicht billiger. Wir werden insgesamt aber auch nicht teurer werden.
Wir werden nichts versprechen, was wir nicht halten können. In den letzten 18 Monaten sind die Dieselpreise um 70 Prozent und die Strompreise um 60 Prozent gestiegen. Wir sind Deutschlands größter Energieverbraucher.
Keinen.
Nein, ich bekomme keinen Bonus oder irgendetwas; das ist meine normale Arbeit.
Nein!
Ich bin kein Industrieschauspieler. Mir wird hier dauernd unterstellt: Mehdorn will sich ein Denkmal setzen.
Das können Sie vergessen. Streichen Sie das! Null! Ich brauche keinen Egotrip.
Klar, ich habe Spaß daran. Wenn es einfach wäre, bräuchte man mich nicht. Ich bin von der Richtigkeit des Zieles überzeugt, dass die Bahn ein ganz normales, kundengetriebenes Unternehmen wird. Am Anfang haben mir viele gesagt: Mehdorn, das schaffen Sie nie! Ha, ha! Aber wir haben viel geschafft. Da haben sich andere getäuscht - nicht ich, nicht meine Mannschaft. Wir haben unseren schweren Job gemacht.
Nein.
Im Gegenteil. Ich finde es nicht gut, wenn derjenige, der eine Firma leitet, mit Aktien des eigenen Unternehmens handelt. Ich möchte nie in den Geruch kommen, Insidergeschäfte zu machen. Deshalb kaufe ich keine Bahnaktien.
Wir reden mit institutionellen Anlegern, etwa Rentenfonds. Wir informieren heute schon Investoren in Japan, China, Amerika und im Nahen und Mittleren Osten. Für diese Anleger ist der Börsengang kein Überraschungsei, die stehen bereit.
Wir sagen: Lieber Aktionär, wenn du uns kaufst, garantieren wir dir, dass du die marktüblichen Zinsen bekommst plus einen Schnaps drauf. Und du wirst zusätzlich davon profitieren, dass das Unternehmen Jahr für Jahr wächst und wertvoller wird.
Auf Zahlen lege ich mich jetzt nicht fest.
Im schwärzesten Fall - malen wir mal die hässlichste Heuschrecke an die Wand, die es gibt - kann die 49 Prozent kriegen. Und was macht sie damit? - Gar nix! Außer dass sie eine sichere Anlage hat.
Kann sie nicht. Die Heuschrecke könnte nur eines wollen: das gesamte Unternehmen übernehmen, um es zu zerschlagen. Aber sie kriegt es nicht. Was soll die Heuschrecke mit 49 Prozent? Sie wird nie 51 Prozent kriegen, denn die gehören dem Bund. Punkt, aus, Feierabend.
Der Bund kann theoretisch 49 Prozent verkaufen. Aber er wird das nicht tun. Wir raten ihm: Verkauf erst mal 35 Prozent. Da hat er Luft nach oben. Der Bund wird nie etwas tun, was seine 51 Prozent verwässert. Warum sollte er? Ich sage Ihnen das noch mal: Uns kann keine Heuschrecke auffressen.
Der Wert liegt laut unabhängiger Gutachter bei mindestens 18 Milliarden Euro für das gesamte Unternehmen. 49 Prozent wären dann eben knapp die Hälfte, aber das entscheiden Angebot und Nachfrage.
Weniger sollten es nicht sein.
Das beschließt am Ende der, dem die Firma gehört. Aber jeder wusste bei der Gründung der Bahn AG: Wenn man sie endgültig privatisiert, muss man das Eigenkapital aufstocken. Aber ein großer Teil des Erlöses wird beim Bund bleiben.